Hunderttausende Betroffene Schmerztabletten können Kopfschmerzen verstärken

Wer häufig Schmerztabletten schluckt, kann dadurch Kopfschmerzen bekommen. Viele Betroffene ahnen nichts von der Ursache ihrer Beschwerden - und rutschen in einen Teufelskreis.
Foto: Oliver Killig/ dpa

Mindestens eine halbe Million Menschen in Deutschland haben durch Schmerz- oder Migränemittel verursachtes Kopfweh. Davon gehen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) aus.

"Die meisten Patienten ahnen nicht, dass Schmerztabletten die Schmerzursache sein können", sagte Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte der DGN, laut einer Mitteilung . Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz fühlt sich nicht deutlich anders an als Migräne oder Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Darum ist er für die Betroffenen selbst nicht unbedingt zu erkennen.

Auch rezeptfreie Mittel können Problem verursachen

Wer hin und wieder mal eine Schmerztablette nimmt, muss sich noch keine Sorgen machen. Von chronischem Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten sprechen Ärzte unter anderem, wenn Kopfschmerz-Patienten:

  • über mindestens drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen haben
  • und an mehr als 14 Tagen Schmerzmittel einnehmen.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen sind der bei weitem häufigste Grund für eine Migräne oder eine Mischung aus Migräne und Spannungskopfschmerzen, die an mindestens 15 Tagen pro Monat auftritt. Dabei können sämtliche Schmerzmittel das Problem verursachen - auch rezeptfreie Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (Aspirin).

Schmerztabletten: An höchstens zehn Tagen pro Monat

DGN und DMKG raten in einer neuen Leitlinie  dazu, Kopfschmerzen vorbeugend zu behandeln und so auch den Verbrauch an Schmerzmitteln zu reduzieren. Neben Medikamenten helfen demnach Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement dabei, Kopfschmerzattacken zu verhindern.

Tabletten sollten "nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat" eingenommen werden, rät DMKG-Präsidentin Stefanie Förderreuther von Ludwig-Maximilians-Universität in München laut der Mitteilung. Die meisten Patienten könnten ihre Schmerzen mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Hilfe in den Griff bekommen.

Sind alle anderen Alternativen ausgeschöpft, kann auch ein Schmerzmittel-Entzug gemacht werden. Dabei kann es neben Kopfschmerzen zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen oder Herzrasen kommen. Deshalb sollte ein Arzt das Absetzen der Medikamente begleiten.

irb/dpa