Waschen, nicht rasieren Was Patienten vor Krankenhauskeimen schützt

Eine Operation birgt immer das Risiko, sich mit hartnäckigen Keimen zu infizieren. Doch die Gefahr lässt sich minimieren. Die Weltgesundheitsorganisation hat die wichtigsten Maßnahmen zusammengefasst.
Ärzte bei einer Operation

Ärzte bei einer Operation

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Fast zwanzig Millionen Menschen in Deutschland kommen jedes Jahr ins Krankenhaus. Doch nicht alle werden gesund entlassen. Etwa 500.000 von ihnen infizieren sich mit Krankenhauskeimen, bis zu 15.000 Patienten sterben an den Folgen.

Experten schätzen, dass sich ein Drittel der Krankenhausinfektionen vermeiden ließe. Ein wichtiger Punkt sei die Hygiene. Genau dort will nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ansetzen.

Die Organisation hat dafür einen Katalog mit 29 Maßnahmen  vorgelegt, mit denen Infektionen in der Chirurgie eingedämmt werden sollen. Das Regelwerk wurde im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht und basiert auf 26 Fallstudien, die von 20 Experten ausgewertet wurden.

Schere statt Rasierer

Einige Empfehlungen betreffen ganz konkret die Körperhygiene der Patienten: Bisher werden diese vor Operationen noch häufig rasiert. Die WHO rät nun dringend davon ab. Stattdessen sollten störende Körperhaare nur noch mit der Schere entfernt werden und auch das nur, wenn es gar nicht anders geht. So sollen offene Wunden vermieden werden, in die Keime eindringen könnten.

In jedem Fall sollten Patienten vor der Operation gebadet oder geduscht werden. Dadurch wird die Operationsstelle vor dem Eingriff saubergehalten und es tummeln sich weniger Keime auf der Haut. Die WHO empfiehlt, unbehandelte oder antibakterielle Seife zu verwenden.

WHO: "Fragen Sie Ihren Arzt vor der OP"

Zudem rät die WHO, Antibiotika nur vor oder während der Operation zu verabreichen, jedoch möglichst nicht mehr direkt danach. Bislang ist die vorsorgliche Antibiotikagabe nach einer Operation weit verbreitet. Nun rät die WHO, die Mittel nur noch einzusetzen, wenn tatsächlich eine bakterielle Infektion vorliegt. So soll die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen reduziert werden.

Durch die Empfehlungen könnten Menschenleben gerettet und Behandlungskosten reduziert werden, erklärte die stellvertretende WHO-Direktorin Marie-Paule Kieny. Patienten, die sich auf eine OP vorbereiten, empfiehlt die WHO, dass sie ihren Arzt fragen sollen, ob er die neuen WHO-Empfehlungen kennt und befolgt.

koe/dpa