Zwei rätselhafte Patienten Wenn ihr Ausschlag dieselbe Ursache hat wie sein Gewichtsverlust

Ein 26-Jähriger scheint einen Tumor in den Lymphknoten zu haben. Eine 44-Jährige kommt mit Bauchschmerzen und Ausschlag ins Krankenhaus. Zwei verschiedene Fälle - doch beide bekommen dieselbe Diagnose.

Stígur Már Karlsson / Heimsmyndir/ Getty Images

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Die 44-Jährige leidet seit einem Monat an Bauchschmerzen, als sie sich in einer Klinik in der US-Stadt Philadelphia vorstellt. Bevor dieses Symptom auftrat, hatte sie eine Woche lang Fieber, Halsweh, Gliederschmerzen. Zudem hat sie einen Ausschlag, der sich auch auf die Handflächen erstreckt.

Die Ärzte verabreichen ihr ein Antibiotikum, wie sie im "ACG Case Reports Journal" berichten. Doch die Bauchschmerzen werden nur stärker, der Frau ist übel, sie mag kaum essen. Ein Bluttest zeigt auffällige Leberwerte. Bei einem Ultraschall des Bauchraums erscheinen Lymphknoten in der Nähe von Leber und Bauchspeicheldrüse geschwollen. Eine Magnetresonanztomografie des Bauchraums bringt keine weiteren Erkenntnisse.

Magen gelähmt, Leber entzündet

Ein weiterer Test zeigt, dass die Magenentleerung bei der Patientin gestört ist, sie hat eine sogenannte Magenlähmung. Zusätzlich entdecken die Ärzte entzündete Stellen im unteren Bereich der Speiseröhre. Die Frau hat jedoch keine durch das Bakterium Helicobacter pylori verursachte Magenentzündung - wie in diesen Fällen häufig. Ein Test auf den Erreger ist negativ. Die Ärzte können ebenso Hepatitis B, HIV und bestimmte Autoimmunerkrankungen durch entsprechende Untersuchungen ausschließen.

Allerdings ist ihre Leber entzündet, und Gallenflüssigkeit staut sich in dem Organ. Teile der Leber sind bereits vernarbt, stellen die Mediziner bei einer Leberbiopsie fest.

Die Ärzte vermuten eine autoimmune Hepatitis und verschreiben der Frau ein Mittel, welches das Immunsystem unterdrückt. Zudem erhält sie ein Medikament gegen die Entzündung der Gallengänge. Doch beides bringt keine Besserung.

Brustschmerz, Fieber, geschwollene Lymphknoten

Eine andere Klinik, ein anderer Fall: Ein 26-Jähriger sucht wegen anhaltendem trockenen Husten, Brustschmerz und Fieber ärztliche Hilfe. Er erklärt den Ärzten im brasilianischen Recife, dass er im vergangenen Jahr zehn Kilo abgenommen habe, ohne es zu wollen. Die Mediziner ertasten mehrere geschwollene Lymphknoten - unter anderem in der linken Achselhöhle sowie der Leistengegend, berichten sie im "Revista da Sociedade Brasileira de Medicina Tropical".

Bei einem Bluttest ist die Zellzahl normal, auch die Leberwerte sind in Ordnung, und die Nieren scheinen gut zu arbeiten. Eine Computertomografie bestätigt die Schwellung mehrerer Lymphknoten. Dies könnte auf einen Tumor zurückzuführen sein. Um dies abzuklären, entnehmen die Ärzte den geschwollenen Knoten aus der linken Achselhöhle. Genauere Untersuchungen des Gewebes zeigen: Ein Tumor ist es nicht.

Die Ärzte testen den Mann nun auf diverse Infektionskrankheiten: HIV, Toxoplasmose, Hepatitis-Viren, Cytomegaloviren. Alles negativ.

Die rettende Diagnose

Bis sie den Patienten auf Syphilis testen. Tatsächlich weisen sie den Syphilis-Erreger Treponema pallidum nach. Die Ärzte spritzen dem Mann nun mehrere Wochen lang ein Antibiotikum. Zwei Monate später hat er sich erholt. Die Lymphknoten sind wieder auf normale Größe geschrumpft.

Die 44-jährige Patientin in den USA erhält die Diagnose zwei Wochen nach ihrer Leberbiopsie, als sie einen Frauenarzt wegen vaginaler Beschwerden aufsucht. Auch hier zeigt ein nun durchgeführter Test Treponema pallidum. Nach einer mehrwöchigen Antibiotikabehandlung verschwinden die Bauchschmerzen, Leberwerte der Frau pendeln sich wieder im Normalbereich ein. Die erste Antibiotikagabe im Krankenhaus war offensichtlich nicht ausreichend, um die Erreger abzutöten.

Die Krankheit verläuft in mehreren Stadien

Syphilis wird meist beim Sex übertragen, die Krankheit verläuft in mehreren Stadien. Die ersten Symptome treten meist zwei bis drei Wochen später auf und können recht unauffällig sein - am Mund oder an den Geschlechtsorganen bildet sich ein nicht schmerzendes Geschwür, das von selbst abheilt. Zudem können Lymphknoten anschwellen.

Vier bis zehn Wochen nach der Ansteckung können Patienten Fieber bekommen sowie Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen, schreibt das Robert Koch-Institut. Meist bekommen die Erkrankten einen Hautausschlag, und es bilden sich flache Knötchen in Hautfalten. Auch dies geht oft ohne Behandlung von selbst vorbei.

Im dritten Stadium, das ohne Behandlung mehrere Jahre nach der Infektion eintreten kann, schädigt der Erreger im schlimmsten Fall Gefäße und innere Organe. Mögliche Folgen sind unter anderem Psychosen oder eine Demenz.

Syphilis lässt sich mit Antibiotika, insbesondere Penizillin, behandeln.



insgesamt 3 Beiträge
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rreniar 03.11.2019
1. Mangelndes Bewusstsein
Das Traurige an diesen beiden Fällen ist im Grunde genommen nicht, dass die beiden Patienten etwa ein möglicherweise riskantes Sexualverhalten an den Tag gelegt haben, sondern dass die Ärzte zwar alle möglichen Tests auf HIV und Hepatitis gemacht haben, aber lange Zeit gar nicht an die Möglichkeit eine Syphilis-Infektion gedacht haben. Geschützer Geschlechtsverkehr schützt hier nämlich nur bedingt, denn die Ansteckung kann auch über den Speichel durch einen feuchten Kuss erfolgen. Bei Patienten der typischen Risikogruppen hätten die Ärzte wohl eher den Verdacht gehabt und diesen mit einem recht einfachen Test bestätigt. So aber wurde eher nach seltenen Autoimmunerkrankungen oder Krebs gesucht, als einen einfachen Test auf die tatsächliche Erkrankung zu machen, da wäre diesen beiden Patienen viel Leid erspart geblieben. Glücklich können sich wohl die Lues-Patienten schätzen, die nun nach diesen beiden Menschen an die behandelnden Ärzte geraten, denn nun werden dieses Ärzte den richtigen Test schneller machen.
practicus 03.11.2019
2. Wegen AIDS
Und "safer sex" wurde die Lues wegen des Kondomgebrauchs zurückgedrängt. Die Angst ist weg, die Lues kommt wieder.. Neuerdings sogar begünstigt durch die "Präexpositionsprophylaxe" auf Kasse, die zu ungeschütztem Sex animiert!
constatin 04.11.2019
3. Gleicher Erregertyp bei Borreliose
....Und die behandelt man leider nicht so konsequent, warum weiß keiner. Wenn man nach 2 Wochen noch Probleme hat, sagen die Ärzte , man hätte eins an der Klatsche. Aber wenn es sexuell übertragbar ist, hat man eine andere Lobby
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