Krankschreibung Tausende Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Leiden

Deutschlands Arbeitnehmer waren im ersten Halbjahr an durchschnittlich acht Tagen krankgeschrieben. Laut Bundesverband der Betriebskrankenkassen ist der Grund für Fehltage immer häufiger ein psychisches Leiden. Erstmals fällt auch bei Männern eine drastische Zunahme auf.
Depression am Arbeitsplatz (Symbolbild): Psychische Probleme nehmen zu

Depression am Arbeitsplatz (Symbolbild): Psychische Probleme nehmen zu

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Deutschen werden immer häufiger wegen psychischer Leiden krankgeschrieben. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor, die am Montag vorgestellt wurden. Insgesamt waren die Arbeitnehmer im ersten Halbjahr durchschnittlich 8 Tage krankgeschrieben. Wie im Vorjahreszeitraum liegt der Krankenstand damit bei 4,4 Prozent.

Verantwortlich für die gleichbleibend hohe Rate ist nach BKK-Angaben der Anstieg psychischer Leiden um acht Prozent, während die Zahl der Atemwegserkrankungen im ersten Quartal um elf Prozent abnahm. Die Fehlrate insgesamt ist der Statistik zufolge so hoch wie zuletzt 1999. Ein Rekordtief gab es im Jahr 2006 mit 12,4 Krankheitstagen und einem Krankenstand von 3,4 Prozent. Die Zahlen der BKK gelten als repräsentativ.

"Es gibt seit Jahren einen eindeutigen Trend bei den psychischen Erkrankungen, neu ist in diesem Jahr ein deutlicher Anstieg bei den Männern", sagt die Sprecherin des BKK-Bundesverbands, Christine Richter. "Die Zunahme bei den psychiatrischen Diagnosen sehen wir vor allem bei Angststörungen und Depressionen." Bei den Männern gab es laut BKK-Verband einen Zuwachs der Krankschreibungen wegen psychischer Leiden um 20 Prozent, bei Frauen um 18 Prozent.

Immer mehr Anforderungen im Beruf

Erst im April hatte das Bundesarbeitsministerium eigene Zahlen vorgelegt, wonach die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Krankheiten von 33,6 Millionen 2001 auf 53,5 Millionen 2010 angestiegen war. Als Gründe für die Zunahme nannte das Ministerium damals steigende Anforderungen, eine erhöhte Eigenverantwortung im Beruf, höhere Flexibilitätsanforderungen und unterbrochene Beschäftigungsverhältnisse. 2011 war in Statistiken der größten deutschen Krankenversicherung, der Barmer GEK, aufgefallen, dass die Zahl der wegen psychischer Störungen im Krankenhaus behandelten Versicherten zwischen 1990 und 2010 um knapp 130 Prozent gestiegen war.

Erschwerend kommt hinzu, dass Krankschreibungen aus psychischen Gründen mit durchschnittlich 37 Tagen am längsten dauern, selbst die Fehlzeiten wegen Krebsdiagnosen fallen mit durchschnittlich 36 Tagen kürzer aus. Ansonsten dauert eine Krankschreibung im Gesamtvergleich durchschnittlich 13 Kalendertage. Während Langzeit-Krankschreibungen von mindestens sechswöchiger Dauer nur vier Prozent aller Fälle ausmachen, verursachen sie mittlerweile knapp die Hälfte (47 Prozent) aller Krankentage.

Trotz des deutlichen Anstiegs sind psychische Leiden bei weitem nicht die häufigste Ursache für Krankheitstage: Mit 26,3 Prozent verursachen Muskel- und Skeletterkrankungen die meisten Fehltage, und hier vor allem die Rückenleiden. Auf Platz zwei folgen Atemwegserkrankungen (14,4 Prozent der Fehlgründe). Die psychischen Leiden landen mit insgesamt 13,2 Prozent erstmals an dritter Stelle, gefolgt von den Verletzungen mit 13 Prozent.

Depressionen

Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Version hieß es, die Arbeitnehmer seien im ersten Halbjahr durchschnittlich 16 Tage krankgeschrieben gewesen, korrekt sind 8 Tage. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

dba/Reuters
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