Sexuell übertragbare Viren Impfung schützt vor Krebs und Warzen - auch Ungeimpfte

Jährlich erkranken weltweit mehr als 500.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die HPV-Impfung reduziert diese Zahl deutlich, zeigt eine Studie. Doch sie erreicht viel zu wenige - auch in Deutschland.
Humane Papillomviren (HPV)

Humane Papillomviren (HPV)

Foto: MSD

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Gebärmutterhalskrebs weltweit eliminieren. In Deutschland erkranken jährlich 4500 Frauen an diesem Tumor. Bisher ist er der vierthäufigste bei Frauen - und der erste gegen dessen Auslöser ein Impfstoff existiert. Ergebnisse einer neuen Studie zeigen: Nationale Impfprogramme gegen Humane Papillomviren (HPV) bei jungen Frauen senken das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich.

Darüber hinaus profitieren von den Impfungen indirekt auch ungeimpfte Bevölkerungsgruppen - eine sogenannte Herdenimmunität ist den Autoren der Studie zufolge erkennbar. Denn Geimpfte übertragen die Infektion nicht weiter und schützen so auch andere. Das Ausmaß des Schutzeffektes hängt jedoch maßgeblich vom jeweiligen Impfprogramm ab, wie das internationale Forscherteam der Université Laval in Quebec in ihrer Studie im Fachmagazin "The Lancet" berichtet .

Warzen, Gewebeveränderungen und Tumoren

Humane Papillomviren sind weltweit stark verbreitet und werden beim Sex übertragen. Manche der mehr als 200 bekannten Virustypen führen zu harmlosen Warzen. Andere verursachen mehr oder weniger bösartige Gewebeveränderungen, unter anderem an Gebärmutterhals, Scheide, Penis, After und im Mund-Rachen-Bereich. Inzwischen gelten die Viren als Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs, die HPV-Varianten 16 und 18 sollen etwa 70 Prozent aller Fälle der Krebserkrankung verursachen.

2007 wurde die HPV-Impfung in Deutschland zugelassen. Eine Studie der Cochrane Collaboration hatte vor einem Jahr gezeigt, dass sie das individuelle Infektionsrisiko deutlich senkt. Nun analysierte das Team um Drolet die Folgen nationaler Impfprogramme auf einer größeren Ebene. Dazu wertete es 65 Studien aus 14 wohlhabenden Ländern aus, darunter Deutschland. Insgesamt erfassten die Studien etwa 60 Millionen Menschen.

Die Forscher verglichen die Zeiträume vor und nach Einführung der Impfung vor allem im Hinblick auf drei Aspekte:

  • die Entwicklung der HPV-Infektionen,
  • die Diagnosen von Warzen an Anus und Genitalien,
  • die Diagnosen von mittelgradigen bis gravierenden Tumorvorstufen.

Die Ergebnisse für den Zeitraum von fünf bis acht Jahren nach Einführung der Impfung zeigen:

  • Infektionen mit den gefährlichen HPV-Varianten 16 und 18 sanken bei Mädchen von 13 bis 19 Jahren im Mittel um 83 Prozent und bei Frauen von 20 bis 24 Jahren um zwei Drittel (66 Prozent).
  • Die Diagnosen von Warzen an Anus und Genitalien sanken bei Mädchen von 15 bis 19 Jahren um zwei Drittel (67 Prozent), bei Frauen von 20 bis 24 um mehr als die Hälfte (54 Prozent) und bei Frauen von 25 bis 29 um circa ein Drittel (31 Prozent).
    Bei Jungen von 15 bis 19 sanken die Diagnosen um die Hälfte (48 Prozent) und bei Männern von 20 bis 24 Jahren um ein Drittel (32 Prozent).
  • Für mittelgradige Tumorvorstufen (sogenannte CIN2+) wurden bei Mädchen von 15 bis 19 Jahren um die Hälfte (51 Prozent) weniger Diagnosen gestellt und bei Frauen von 20 bis 24 Jahren knapp ein Drittel (31 Prozent) weniger.

Die Stärke des Effekts hing jedoch von der Durchimpfungsrate ab sowie davon, ob mehrere oder nur einzelne Jahrgänge geimpft wurden. In Ländern mit hoher Durchimpfung sanken die Diagnosen von Warzen an Anus und Genitalien bei beiden Geschlechtern im Alter von 15 bis 19 Jahren um etwa 87 Prozent, außerdem wurden 57 Prozent weniger Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert.

Niedrige Impfrate in Deutschland

In Deutschland richtet sich die Impfung zwar an eine relativ breite Altersgruppe - Kinder von 9 bis 14 Jahren -, die Impfrate bei Mädchen ist jedoch mit etwa 45 Prozent recht niedrig. In anderen Gebieten, etwa in Schottland, werden bis zu 90 Prozent erreicht. Inzwischen wird die Impfung auch für Jungen empfohlen.

"Unsere Resultate liefern starke Belege dafür, dass die HPV-Impfung tatsächlich Gebärmutterhalskrebs verhindern kann, denn sowohl die HPV-Infektionen, die die meisten Tumore verursachen, als auch die Krebsvorstufen nehmen ab", wird Drolet in einer "Lancet"-Mitteilung zitiert.

Zwar könne die Studie nicht beweisen, dass der Rückgang der Infektionen und Diagnosen tatsächlich auf die Impfprogramme zurückgeht, räumt das Team der Studie ein. Dies sei aber sehr wahrscheinlich, da Länder mit höherer Durchimpfung stärkere Rückgänge verbuchten.

Ein Paradebeispiel für die Prävention von Krebs

Das Ziel der WHO, Gebärmutterhalskrebs weltweit zu eliminieren, hält Thomas Harder vom Fachgebiet Impfprävention am Robert Koch-Institut für sehr ehrgeizig, aber erreichbar. Doch wie ist die Situation in ärmeren Ländern, die dann auch erreicht werden müssten?

Bis zum Jahr 2021 wollten fast 40 solche Staaten Impfprogramme auflegen, schreibt Silvia de Sanjose von der Gesundheitsorganisation PATH in Seattle in einem "Lancet"-Kommentar. Die jetzige Studie werde der WHO helfen, HPV-Impfprogramme weltweit durchzusetzen, glaubt sie: "Die HPV-Impfung könnte ein Paradebeispiel für die Prävention von Krebs im 21. Jahrhundert werden."

In Deutschland erkranken laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten  pro Jahr mehr als 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1500 sterben jährlich daran. Weltweit ist er mit rund 570.000 Fällen jährlich der vierthäufigste Tumortyp bei Frauen, im Jahr 2018 starben daran mehr als 313.000 Patientinnen.

hle/dpa
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