Krabbeltiere auf dem Kopf So wird man Läuse wieder los

Sie nisten sich besonders gern auf Kinderköpfen ein: Gefährlich sind Läuse nicht, können aber unangenehmes Kopfjucken verursachen. Experten verraten, wie man die lästigen Parasiten wieder loswird.
Einsatz gegen Läuse: Mit dem Kamm werden überlebende Läuse und frisch geschlüpfte Larven beseitigt

Einsatz gegen Läuse: Mit dem Kamm werden überlebende Läuse und frisch geschlüpfte Larven beseitigt

Foto: TMN; Silvia Marks

Die meisten Menschen finden Läuse eklig. Sie assoziieren die kleinen Tierchen mit Schmutz, Schmuddeligkeit und ungewaschenen Haaren. Dabei hat Kopflaus-Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA) stellte vor Jahren in einer Informationsbroschüre klar: Läusen ist es völlig egal, wie oft sich ihre Opfer waschen. Sie legen ihre Eier wahllos in alle Haarschöpfe, die sie erreichen können.

Nach Angaben der Deutschen Pediculosis Gesellschaft - als Pedikulose wird der Befall der Haut mit verschiedenen Lausarten bezeichnet - sind am häufigsten acht- bis zwölfjährige Kinder von Kopfläusen betroffen. Auch Erzieher, Lehrer und Eltern können betroffen sein. Grundsätzlich werden Erwachsene aber nur selten von den blutsaugenden Insekten heimgesucht.

"Läusebefall ist eindeutig eine Kinderkrankheit", erklärt Jan Krüger, Vorsitzender der Pediculosis Gesellschaft. Läuse verbreiten sich von Haar zu Haar. Auch wenn sie weder springen noch fliegen können, sind sie doch relativ schnelle Krabbler. Kurz die Köpfe zusammenstecken oder sich umarmen reicht aus, um sich die Tierchen einzufangen.

Michael Forßbohm, Läuseexperte beim Gesundheitsamt Wiesbaden, warnt aber vor Überreaktionen. Es würde ohnehin kaum etwas bringen, aus Angst vor einer Ansteckung engen menschliche Kontakte zu meiden. Vorbeugenden Maßnahmen, die sicher schützen, gebe es nicht. "Nur Glatzenträger und Einsiedler können sich sicher fühlen."

Die beste Prävention sei, schnell und konsequent zu handeln, wenn es in einer Kita oder einer Schule zu einem Ausbruch kommt. "Die Eltern sind hier in der Verantwortung", sagt Forßbohm. Sie müssen die Erzieher und Lehrer umgehend informieren, wenn sie bei ihrem Kind Läuse bemerken.

Wird ein Läusebefall gemeldet, sollten alle Kinder und Familienmitglieder, die sich angesteckt haben könnten, auf Läuse untersucht werden. Nicht immer machen sich die Blutsauger sofort durch Jucken bemerkbar. Gerade Kinder, die zum ersten Mal betroffen sind, spüren die Reaktion auf die Bisse erst nach ein bis zwei Wochen. "In dieser Zeit werden die meisten Läuse übertragen", erklärt Forßbohm.

Waschen, kämmen, waschen, kämmen

Um Läuse aufzuspüren, wäscht man die Haare zunächst am besten ganz normal mit Shampoo und verwendet dann eine Pflegespülung. Darin können sich die Läuse nicht mehr bewegen. Mit einem feinen Kamm kämmt man Strähne für Strähne und streicht den Kamm auf einem Tuch aus - dort landen im Fall des Falles dann auch die Läuse. Eine detailliertere Beschreibung findet sich auch auf der Homepage der Deutschen Pediculosis Gesellschaft .

Laus auf einem Haar: Haarspülungen legen die flinken Krabbeltiere lahm

Laus auf einem Haar: Haarspülungen legen die flinken Krabbeltiere lahm

Foto: TMN; Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V.

Um die lästigen Tierchen schnell wieder loszuwerden, raten das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu einer Kombination aus zwei Methoden: Läusemittel und Auskämmen.

Zunächst sollte man die Haare mit einem Läuseshampoo oder einem Läusespray aus der Apotheke behandeln. Wenn man sich dabei streng an die Vorgaben der Gebrauchsanweisung hält, werden in der Regel schon bei der ersten Anwendung alle Läuse auf dem Kopf getötet.

Die Kinder können am nächsten Tag wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen. Allerdings überleben die Läuseeier, die in den Haaren festkleben, die erste Prozedur. "Deswegen ist es zwingend erforderlich, die Behandlung nach acht bis zehn Tagen zu wiederholen, wenn die Larven geschlüpft sind", erklärt Forßbohm.

Zusätzlich sollten die Haare viermal - jeweils im Abstand von vier Tagen - nass mit Pflegespülung und einem Läusekamm gekämmt werden. Das verbessert den Behandlungserfolg, denn durch das Kämmen werden überlebende Läuse und frisch geschlüpfte Larven beseitigt.

Putzorgien sind überflüssig

Bei der Wahl des richtigen Läusemittels empfiehlt Forßbohm, sich in der Apotheke beraten zu lassen. Nicht jeder verträgt die klassischen chemischen Mittel, die Insektizide enthalten. Bei Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern dürfen sie gar nicht angewendet werden. Als Alternative gibt es seit einigen Jahren in Deutschland auch Läusemittel auf Silikonölbasis. Sie wirken, indem sie in die Atemöffnungen der Läuse eindringen und sie so ersticken.

Wie Hermann Feldmeier vom Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin erklärt, ist die Wirksamkeit dieser Mittel erwiesen. "Sie können bedenkenlos wiederholt angewendet werden." Der physikalische Therapieansatz habe auch den Vorteil, dass eine Resistenzentwicklung, wie sie bei den chemischen Mitteln bereits beobachtet wird, unwahrscheinlich sei.

Weitere Hygienemaßnahmen wie Putzorgien in der Wohnung hält Läuseexperte Forßbohm für unnötig: "Läuse können maximal 55 Stunden außerhalb des Wirtes überleben. Auch eine Übertragung über Bettwäsche, Kuscheltiere oder Kleidung ist unwahrscheinlich." Grundsätzlich gebe es keinen Grund für Hysterie. Denn die kleinen Krabbler sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsgefährdend.


Zusammengefasst: Läuse befallen typischerweise Kinder, sind aber keine Gesundheitsgefahr und auch keine Folge mangelnder Hygiene. Aufspüren lassen sich die Insekten am besten mit einem Kamm, wenn die Haare nass und mit einer Spülung eingerieben sind. Los wird man die Plagegeister durch gezieltes Kämmen und mit Shampoos und Sprays aus der Apotheke.

Caroline Mayer/jme/dpa