Augen-Operationen Die Gefahren des Billiglaserns

Das Angebot ist verlockend: Ein schmerzloser, fünf- bis zehnminütiger Eingriff - und die Brille ist überflüssig. Doch vor allem Billiglasern birgt Gefahren. Was Sie zum Lasik-Verfahren wissen sollten. Von Gerlinde Gukelberger-Felix


Wichtige Voraussetzung für eine Laser-OP: Die Hornhaut muss ausreichend dick sein
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Wichtige Voraussetzung für eine Laser-OP: Die Hornhaut muss ausreichend dick sein

Endlich die Brille loswerden: Rund 25.000 Deutsche reisen jährlich ins Ausland, um ihre Augen günstig lasern zu lassen. Eine Lasik (kurz für Laser in situ Keratomileusis) kostet hierzulande pro Auge etwa 1500 bis 2500 Euro, im Ausland ist das Ganze mitunter schon für 1000 Euro für beide Augen zu haben. Allerdings kommen die Kosten für Anreise und Hotel noch hinzu.

Die Versuchung, derartige Billigangebote wahrzunehmen, ist groß - vor allem, weil die gesetzlichen Krankenkassen den Eingriff in der Regel nicht bezahlen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät wegen mangelnder Hygiene, veralteten Geräten und unzureichend qualifizierten Augenärzten allerdings in einer Pressemitteilung von solchen Angeboten ab.

Auch Thomas Kohnen, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt, ist skeptisch. Nicht selten landeten Patienten wegen möglicher Komplikationen doch wieder bei deutschen Experten, sagt er.

Daneben gibt es jedoch auch im Ausland gute Augenkliniken mit hohen Standards und modernen Geräten - genauso wie in Deutschland schlechte Kliniken existieren. Was muss beachtet werden? Für wen eignet sich eine solche OP? Und wie findet man einen guten Operateur?

Ein Laserstrahl trifft auf das Auge
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Ein Laserstrahl trifft auf das Auge

"Die Qualität der Behandlung variiert im Ausland, aber auch hierzulande. Es gibt überall gute und weniger gute Kliniken", sagt Ingo Kusserow vom unabhängigen Berliner Beratungsunternehmen Clario. Bei Reisen ins Ausland dürfe man aber nicht vergessen, dass Beratung, Voruntersuchung und eine auf die Sehbedürfnisse individuell eng abgestimmte OP-Planung etwa 70 Prozent der Behandlung ausmachen und sehr wichtig für den Erfolg des Eingriffs seien.

Wichtig ist es zum Beispiel, spezielle Wünsche zu besprechen. Soll etwa beim Eingriff auch eine beginnende Alterssichtigkeit berücksichtigt werden? "Eine so ausgefeilte Kommunikation ist im Ausland kaum möglich", glaubt Kusserow. "Außerdem kann eine eventuell erforderliche spätere Nachsorge nicht beim Operateur selbst erfolgen", sagt Maren Klemm, Kommissarische Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

In der Regel werden nach einer Lasik die Augen viermal nachuntersucht, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu bemerken: am Tag nach der OP, nach einer Woche, nach vier Wochen und nach drei Monaten. Bis das Auge wieder sein endgültiges Sehvermögen erreicht hat, dauert es meist vier bis acht Wochen. Anschließend sollte noch einmal eine Nachuntersuchung erfolgen. Falls eine Nach-OP nötig werden sollte, fallen die Reisekosten erneut an.

Auch innerhalb Deutschlands gibt es Preis- und insbesondere Qualitätsunterschiede. Interessierte sollten sich vor dem Eingriff sehr genau informieren. "Das Lasik-Verfahren an sich ist inzwischen technisch sehr gut", sagen sowohl Kohnen als auch Klemm. Etwaige Komplikationen seien häufig durch Fehler des Behandelnden verursacht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur OP:

Wie funktioniert eine Lasik-OP?

Der fast automatisch ablaufende Eingriff dauert an einem Auge in der Regel fünf bis zehn Minuten und erfolgt unter örtlicher Betäubung des jeweiligen Auges.

Zu Beginn wird im Liegen der Augapfel angesaugt. Das kann vorübergehend die Durchblutung des Auges vermindern und zu einer kurzzeitigen Lähmung des Sehnervs führen.

Dann wird von der obersten Hornhautschicht eine dünne Scheibe (circa 0,1 Millimeter dick, der sogenannte Flap) teilweise abgetrennt und wie ein Buchdeckel weggeklappt. Das eigentliche Areal, das im Auge mit einem Laser behandelt werden soll, ist freigelegt.

Im nächsten Schritt erreichen die Pulse des Laserstrahls (Excimer-Laser) direkt das ausgewählte Hornhautareal. Dort bringen sie in einer Region von etwa sechs Millimetern Durchmesser Gewebe zum Verdampfen.

Bei Kurzsichtigkeit wird die Hornhaut mithilfe des Lasers in der Mitte abgeflacht. Bei einer Weitsichtigkeit hingegen muss ein neues, stärker gewölbtes Profil gebildet werden. In diesem Fall wird die Hornhaut am etwa einen Millimeter dicken Hornhautaußenrand abgeschliffen.

Anschließend wird die am Anfang abgetrennte Hornhautschicht wieder in ihre ursprüngliche Position zurückgeklappt, wo sie von selbst anhaftet.

Für wen eignet sich eine Lasik-OP?

Der Eingriff eignet sich laut den Empfehlungen der Kommission Refraktive Chirurgie für die Korrektur von Kurzsichtigkeit bis -8 Dioptrien (in Ausnahmefällen -10), Weitsichtigkeit bis +3 Dioptrien (in Ausnahmefällen +4), sowie leichten Hornhautverkrümmungen bis 5 Dioptrien (Grenzbereich +6). Je größer die Korrektur ist, desto höher ist das Risiko für Komplikationen.

Bei hohen Dioptrienzahlen kann eine Nachoperation notwendig sein, um im Alltag auf eine Brille verzichten zu können. Voraussetzung hierfür ist eine ausreichend dicke Hornhaut. Insgesamt könne eine Lasik aber höchstens zwei bis drei Mal wiederholt werden, so Klemm. "Die Hornhaut darf nicht dünner als 0,35 Millimeter werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Vorwölbung." Dann kann sich das Sehen verschlechtern, und es kann zu verzerrten Bildern kommen.

Wer darf gelasert werden?

Es gibt einige Voraussetzungen, die Patienten erfüllen sollten:

  • Die Fehlsichtigkeit sollte seit mindestens zwei Jahren stabil sein.
  • Das Auge muss ausgewachsen sein. Infrage kommen deshalb nur Personen ab 18 Jahren, normalerweise ist eine OP bis zum Alter von 50 - in Ausnahmefällen auch wesentlich später - möglich.
  • Die Pupillen sollten in der Dämmerung und nachts nicht zu groß werden.
  • Die Hornhaut muss ausreichend dick sein. Die Anforderungen schwanken zwischen 0,48 und 0,5 Millimetern.
  • Bei Augenerkrankungen, etwa dem Grünen Star (Glaukom), wird bis auf wenige Ausnahmen nicht operiert. Ebenfalls kritisch sind Autoimmun- oder Bindegewebserkrankungen.
  • Interessierte sollten nicht schwanger sein und nicht stillen, unter anderem, da sich hormonelle Schwankungen auf die Hornhaut auswirken können.

Wie lange bleibt man brillenfrei?

Die Lasik kann für eine gewisse Zeit brillenfrei machen. Danach kann sich die ursprüngliche Fehlsichtigkeit jedoch erneut ausbilden. Außerdem wird die Linse ab einem Alter von 40 bis 45 Jahren unelastischer, und es kommt zur Altersweitsichtigkeit. Dann ist zwar keine Gleitsichtbrille, aber eine Lesebrille nötig.

Wie finden Interessierte einen guten Operateur?

Unabhängig davon, ob die Operation im In- oder Ausland stattfindet, gelten ein paar Grundregeln: Der Augenchirurg sollte jahrelang Erfahrung mit möglichst mehreren Lasik-OPs pro Woche haben und am besten ein ganzes Maßnahmen-Repertoire beherrschen. Dann kann er nach einer gründlichen Voruntersuchung genau die für den Patienten passende OP-Methode auswählen.

Bei auftretenden Problemen sollte er zudem gut erreichbar sein. Schmerzt das Auge nach dem Eingriff stark oder verschlechtert sich plötzlich die Sehfähigkeit, sollten Betroffene sofort einen Arzt aufsuchen.

In Deutschland gibt es diverse seriös arbeitende Universitätsaugenkliniken, die entsprechend zertifiziert sind. Darüber hinaus bieten mehrere Ketten eine Lasik an. Sie sind preislich günstiger als 2500 Euro pro Auge. Interessierte sollten jedoch immer darauf achten, welche Leistungen in den Preis eingeschlossen sind - auch das gilt unabhängig davon, ob der Eingriff in Deutschland oder im Ausland stattfindet.

Einen weiteren Anhaltspunkt bietet in Deutschland die Homepage der Kommission Refraktive Chirurgie (KRC), einer gemeinsamen Kommission des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Dort finden sich Listen mit seriös arbeitenden Kliniken und Einzelanwendern.

Für Fragen zu einer Operation im Ausland können sich Interessierte außerdem an ein unabhängiges Lasik-Beratungsunternehmen wenden - etwa Clario - und eine in der Regel kostenpflichtige Zweitmeinung einholen.

Welche Komplikationen können grundsätzlich auftreten?

Etwa bei jedem Fünften sind nach einer Lasik die Augen trockener als vorher, weil der Tränenfilm gestört ist. Das kann Wochen bis Monate anhalten - oder dauerhaft sein. "Beim Präparieren des Flap werden zahlreiche Nerven in der Hornhaut durchtrennt, die für die ausreichende Produktion eines Tränenfilms wichtig sind", erzählt Klemm. Die Nerven wachsen zwar nach, seien aber leider nur bedingt lebensfähig.

Hinzu kommt ein geringes Infektionsrisiko. Außerdem wird die Hornhaut empfindlicher, und die Brille, die das Auge vor Staub und austrocknender Zugluft schützt, fällt weg. Weitere Komplikationen betreffen die Sehfähigkeit an sich. Auf der Oberfläche der Hornhaut können sich Narben bilden. "Das Auge ist dann vorübergehend oder dauerhaft blendungsempfindlicher", sagt Klemm.

Möglich ist außerdem, dass beim Heilungsprozess der Hornhaut Zellen aus der oberflächlichen Schicht zwischen Flap und darunter liegender Wundfläche einwachsen. "Zum Glück kann das störende Gewebe in einer Nachoperation entfernt werden. Wird von vornherein sauber gearbeitet, kommt diese Komplikation eigentlich nicht vor", sagt Kohnen.

Die Folgen solcher Komplikationen

Gerade in der Dämmerung und Dunkelheit, wenn die Pupillen weiter werden, können helle Objekte besonders grell erscheinen, von Lichtpunkten können Strahlen ausgehen wie bei einem Feuerwerk. Zudem kann es zu Doppelkonturen und Lichthöfen um Lampen kommen, sogenannten Halos. Das kann beim Autofahren im Dunkeln Probleme bereiten.

Die Gefahr für Komplikationen steigt mit der Stärke der Fehlsichtigkeit. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich trotz zu hoher Fehlsichtigkeit operieren lassen. Aus diesem Grund sollte eine sehr gute Voruntersuchung erfolgen. Dabei sollten die Pupillenwerte nicht nur bei normalem Tageslicht, sondern auch bei schummrigem Licht und Dunkelheit gemessen werden.

Je höher die Kurzsichtigkeit ist, desto mehr Hornhaut wird durch den Laser verdampft. Wird die Hornhaut bei der Operation zu dünn, sollte auf keinen Fall erneut operiert werden - auch nicht, wenn Zellen zwischen Flap und der darunter liegenden Wundfläche einwachsen. Eine zu dünne Hornhaut (weniger als 0,35 Millimeter) kann dem Augeninnendruck nicht mehr standhalten. Die Hornhautmitte wölbt sich kegelförmig vor. Dann verschlechtert sich das Sehen, es kommt zu verzerrten Bildern.

Vertragen sich Lasik und Strandurlaub?

Mitunter wird damit geworben, Lasik und Urlaub miteinander zu verbinden. Doch wie sieht die Realität aus? Wer sich in der Sonne aufhält oder am Strand liegen möchte, muss die Augen unbedingt vor UV-Strahlung schützen. "UV-Strahlung greift die Hornhaut an, und der Flap muss nach einer Lasik erst wieder festen Halt bekommen", sagt Klemm. "Baden und Tauchen sind im ersten Monat untersagt, auch weil das Risiko für bakterielle Infektionen viel zu groß ist. Wind und Sturm sind ebenfalls eine zusätzliche Gefahr."

Extreme sportliche Betätigung sollte man außerdem vermeiden. Aktivitäten wie Bungee-Jumping oder Wildwasserfahren seien ein No-Go, sagt die Hamburger Augenchirurgin. "Städtetouren dagegen sind relativ unproblematisch."

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Campioni 07.09.2016
1. Na, wer den Artikel wohl bezahlt?
....habe vor vier Jahren meine Augen in der Türkei lasern lassen. Für beide Augen habe ich die hälfte des Preises bezahlt, den ich in Deutschland für eine Auge hätte zahlen müssen, incl. Flug und Hotel. Die Betreuung durch die Agentur war spitze, incl. eines Dolmetschers, der bei den Arztgesprächen immer dabei war. Die Klinik war eine Klinik in Istanbul, die jeden Tag nichts anderes macht, als Augen zu lasern. Kompetente (z. Teil in Deutschland ausgebildete) Ärzte, die Klinik sauber, nach drei Tagen saß ich wieder im Flieger nach hause. Die Nachsorge war durch meinen Augenarzt gewährleistet. Bis heute bin ich beschwerdefrei. Brauche jetzt nur eine Lesebrille, aber für das Alter kann niemand was... ;-)
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