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24. September 2013, 14:54 Uhr

Obduktionsergebnis

Legionellen forderten drittes Todesopfer in Warstein

Die Behörden haben die Reisewarnung für Warstein bereits aufgehoben. Jetzt hat die Obduktion einer im August gestorbenen Frau ergeben, dass sie mit Legionellen infiziert war. Damit ist sie das dritte Todesopfer des Ausbruchs.

Warstein/Soest - Der Legionellen-Ausbruch in Warstein hat ein drittes Todesopfer gefordert. Die Obduktion einer im August in Warstein nach einer Lungenentzündung verstorbenen 62-Jährigen habe ergeben, dass auch sie mit den Bakterien infiziert gewesen sei, sagte Staatsanwalt Marco Karlin am Dienstag.

Die Frau sei nach Auskunft des Gerichtsmediziners erheblich vorbelastet gewesen. "Ohne die Legionellen-Infektion würde sie aber noch leben." Bisher waren die Behörden davon ausgegangen, dass der Ausbruch außer zwei an den Folgen einer Infektion mit Legionellen gestorbenen Männern keine weiteren Todesopfer gefordert habe. Insgesamt waren mehr als 160 Menschen erkrankt.

Die Legionellen-Krise selbst gilt seit einigen Tagen als überstanden. Der Krisenstab hatte in der vergangenen Woche die Reisewarnung für Warstein im Sauerland aufgehoben. Nach Ansicht des Kreises Soest besteht kaum noch ein Risiko, sich in der Stadt mit den gefährlichen Bakterien anzustecken. Derzeit besteht lediglich der Hinweis an die Bevölkerung fort, bei auffälligen Symptomen zum Arzt zu gehen.

Seit August waren im Raum Warstein insgesamt 165 Menschen an einer Infektion mit Legionellen erkrankt. Die Bakterien waren in einer kommunalen Kläranlage und in einer Vorkläranlage der Warsteiner Brauerei gefunden worden. Möglicherweise waren sie über die Luft oder über Vogelkot in die Klärbecken gekommen.

Von dort aus gelangten sie nach bisherigen Erkenntnissen bis zu einer Firma und über deren Kühlanlage mit dem Wasserdampf in die Luft. Die Biere (Warsteiner und Frankenheim) sowie die Biermischgetränke der Brauerei sind hingegen nach übereinstimmenden Angaben der Brauerei und der Behörden nicht mit Legionellen belastet.

Legionellen leben weltweit im Boden und in oberflächlichen Gewässern. In geringen Konzentrationen können sie auch im Grundwasser und dadurch im Trinkwasser vorkommen. Die Krankheitserreger führen beim Menschen mitunter zu einer schweren Lungenentzündung, diese sogenannte Legionärskrankheit verläuft bei bis zu einem Viertel der Patienten tödlich. Häufiger ist das sogenannte Pontiac-Fieber, ein grippeähnlicher Verlauf der Infektion mit Legionellen. Gegen die meisten dieser Bakterien helfen Antibiotika, eine Impfung gibt es nicht.

dba/dpa

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