Medizin-Historie Das Rätsel um Leonardo da Vincis rechte Hand

In seinen letzten Lebensjahren plagten Leonardo da Vinci Probleme mit seiner rechten Hand. Bisher haben Mediziner vermutet, dass der Maler einen Schlaganfall erlitt. Jetzt präsentieren zwei Ärzte eine andere Theorie.


"Man kann von ihm keine gute Arbeit mehr erwarten, weil eine Lähmung seine rechte Hand verkrüppelt hat", schreibt Antonio de Beatis, Assistent eines Kardinals, im Jahr 1517 über Leonardo da Vinci. Der Maler und Gelehrte war zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre alt, knapp zwei Jahre später starb er.

Was zur Lähmung von da Vincis rechter Hand führte, lässt sich heute, rund 500 Jahre später, nicht mehr mit Sicherheit klären. Dennoch versuchen die italienischen Ärzte Davide Lazzeri und Carlo Rossi nun, das Rätsel zu lösen, worüber sie im "Journal of the Royal Society of Medicine" berichten.

Bisher nahm man an, dass der Maler einen Schlaganfall erlitten hatte. Dies kann zu dauerhaften Lähmungen auf einer Körperseite führen. Chirurg Lazzeri und Nervenarzt Rossi haben jedoch eine andere Vermutung. Sie stützen sich dabei auf ein Porträt (hier zu sehen) da Vincis, das Giovan Ambrogio Figino gemalt hat. Es zeigt das Genie in höherem Alter. Seine rechte Hand ragt unter seiner Kleidung hervor, sie erscheint steif, die Finger sind abgespreizt und leicht gebeugt.

In dem Gemälde "Heraklit und Demokrit" hat Giovan Ambrogio Figino einen griechischen Philosophen mit ähnlicher Handhaltung dargestellt (rechts) wie in seinem Da-Vinci-Porträt
Leemage/ imago images

In dem Gemälde "Heraklit und Demokrit" hat Giovan Ambrogio Figino einen griechischen Philosophen mit ähnlicher Handhaltung dargestellt (rechts) wie in seinem Da-Vinci-Porträt

War es ein Nervenschaden?

Die Haltung passe nicht zur Diagnose Schlaganfall, urteilen die Ärzte. Sie vermuten vielmehr, dass da Vinci unter einer sogenannten Ulnarislähmung litt. Sie entsteht, wenn der Ellennerv geschädigt ist, was die Fingermuskulatur stark beeinträchtigt. Dies führt zu einer sogenannten Krallenhand, welche die Ärzte in dem Porträt erkennen wollen. Die Nervenlähmung kann zum Beispiel Folge eines Unfalls sein.

Da Vinci zeichnete trotz der Beeinträchtigung seiner rechten Hand weiter - vielen Einschätzungen zufolge tat er dies sein Leben lang mit der linken Hand. Allerdings hielt ihn die Lähmung wohl vom Malen mit Pinsel und Palette ab, weil er hier immer seine rechte Hand eingesetzt hatte, so die Mediziner. Aus diesem Grund blieben einige seiner späten Werke unvollendet.

wbr



insgesamt 21 Beiträge
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DorianH 04.05.2019
1.
Im verlinkten Bild soll es ein Da Vinci-Portrait sein, im Artikelfoto ein griechischer Philosoph. Beide Bilder zeigen dieselbe Person. Wer hat hier Mist gebaut?
adama. 04.05.2019
2. Die Phantasie ist Schuld
Der Künstler kannte weder Heraklit noch Demokrit und konnte über deren Aussehen nur spekulieren. Er nahm dann einfach das Portrait von Leonardo als Vorbild für Demokrit.
scosima 04.05.2019
3. Medianuslähmung
Passt doch besser - der alte Spruch: ich schwöre beim Medianus , dass wenn ich vom Rad ( radislis) falle ich der Ulna ( ulnaris) die Augen auskratzen....
bestregards 04.05.2019
4. Wie bitte ?
In beiden Fällen (rechts und links) wird eine linke Hand dargestellt !
fvaderno 04.05.2019
5. Abgesehen von Kritikpunkten, die andere Kommentatoren
oben beschrieben haben, ist ein anderer Fakt zu berücksichtigen: Aus minimalen Details werden unwichtige Diagnosen gestellt. Ein Arzt nutzt für seine Diagnose viele Fakten, erst dann trifft er seine Entscheidung. Ist es interessant, wie viele Krankheiten in Frage kommen könnten? Kann so ein Gemälde hinreichend genau sein oder hat der Maler vielleicht Regie bei der Körperhaltung geführt? Wir wissen, dass Da VInci in seinen letzten Jahren die rechte Hand nur noch eingeschränkt nutzen konnte und dass es verschiedene Ursache dafür geben könnte.
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