Leukämie-Studie Manipulierte Immunzellen fegen Blutkrebs weg

Nicht mit einem Medikament, sondern mit körpereigenen, geschickt veränderten Immunzellen bekämpfen US-Ärzte hartnäckige Formen von Leukämie. Mit der experimentellen Methode konnten sie das Leben von Patienten bereits retten. Die Therapie birgt aber auch Gefahren.
T-Zellen bei der Arbeit (künstlerische Darstellung): Genmanipulierte Immunzellen erkennen Krebszellen als feindlich

T-Zellen bei der Arbeit (künstlerische Darstellung): Genmanipulierte Immunzellen erkennen Krebszellen als feindlich

Foto: Corbis

Die Aussichten der 16 Erwachsenen waren schlecht: Sie alle litten unter akuter lympathischer Leukämie (ALL), einer aggressiven Form von Blutkrebs. In ihrem Fall handelte es sich um eine B-ALL, da bei ihnen die sogenannten B-Zellen, ein bestimmter Typ von Immunzellen, unkontrolliert wucherten.

Zwar ist die Erkrankung für gewöhnlich heutzutage gut heilbar. Doch bei den 16 Patienten war der Blutkrebs entweder nach der Chemotherapie zurückgekehrt, oder die Behandlung hatte nicht angeschlagen. In solchen Fällen, schreibt ein Ärzteteam vom New Yorker Memorial Sloan-Kettering Cancer Center im Fachjournal "Science Translational Medicine" , lebten die Betroffenen im Schnitt höchstens noch sechs Monate.

Ein experimentelles Verfahren scheint den Patienten jedoch das Leben retten zu können: Im Rahmen einer kleinen Studie sprachen 15 der 16 Erkrankten auf die neue Therapie an. Sieben von ihnen wurde anschließend Knochenmark transplantiert, was als Voraussetzung dafür gilt, den Krebs langfristig zu überstehen. Nach der normalerweise durchgeführten Chemotherapie erreichen nur etwa fünf Prozent der erwachsenen Patienten diesen Behandlungsschritt, schreiben Michel Sadelain, Renier Brentjens und ihre Kollegen.

Dramatische Nebenwirkung

Die Behandlung ist eine Art der sogenannten Immuntherapie: Die Ärzte entnahmen den Patienten Blut und isolierten daraus T-Zellen, ebenfalls ein spezieller Typ von Immunzellen. Im Labor programmierten sie die T-Zellen genetisch um. Diese veränderten T-Zellen waren nun in der Lage, eine Oberflächenstruktur zu erkennen, die sich auf den krankhaften B-Zellen findet. Wieder in den Körper gespritzt, starteten die T-Zellen einen Angriff auf die im Blut zirkulierenden Krebszellen.

Dieser Prozess ist jedoch alles andere als ungefährlich: Bei der schnellen Vernichtung der vielen Krebszellen kann es zu einem sogenannten Zytokinsturm kommen. Der Körper schüttet dabei verschiedene Substanzen aus, die heftiges Fieber hervorrufen, aber auch Schwindel, Durchfall oder Atemnot auslösen können. Bricht der Zytokinsturm aus, müssen die Ärzte sofort mit fiebersenkenden und krampflösenden Mitteln gegensteuern. In manchen Fällen müssen die Patienten zeitweise beatmet werden.

Nicht jeden trifft diese schwere Nebenwirkung gleichermaßen. Die Ärzte haben deshalb nach Anzeichen gesucht, mit deren Hilfe sie vorhersagen können, wer voraussichtlich wegen eines Zytokinsturms intensiv betreut werden muss - und wer nicht. Dem Fachartikel zufolge sind sie fündig geworden, bestimmte Blutwerte könnten also eine Prognose ermöglichen.

Weitere Studien geplant

"Unsere ursprünglichen Ergebnisse hatten auch in einer größeren Patientengruppe Bestand", sagt Sadelain. Nun bereite man weitere klinische Studien vor, um die Methode weiter zu verbessern. Bis die Methode jenseits solcher Studien oder im Rahmen experimenteller Heilversuche angewendet wird, werden - auch wenn sie sich weiter bewährt - allerdings noch Jahre vergehen.

Die New Yorker Mediziner sind nicht die einzigen, die die T-Zell-Methode erforschen: 2011 hatten Forscher der University of Pennsylvania ebenfalls eine Pilotstudie veröffentlicht; seit 2012 kooperiert die Universität mit dem Pharmakonzern Novartis, um die Therapieform weiter zu etablieren. Forscher aus beiden Gruppen halten Patente, die mit der Manipulation der T-Zellen in Verbindung stehen.

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