Lungenkrankheit COPD-Patienten gehen leichtfertig mit Symptomen um

Chronischer Husten, zäher Schleim, Atemnot: Die Lungenerkrankung COPD zählt zu den Volkskrankheiten - und wird oft unterschätzt. Das zeigt eine weltweite Online-Befragung von Betroffenen. Dabei droht im schlimmsten Fall der Tod.
Ständiges Husten: Eine mögliche Ausprägung der COPD

Ständiges Husten: Eine mögliche Ausprägung der COPD

Foto: obs/ Boehringer Ingelheim und Pfizer

Es ist eine Volkskrankheit mit vielen Gesichtern: Die entzündliche chronisch-obstruktive Erkrankung der unteren Atemwege, kurz COPD, plagt Betroffene mal mit ständigem Husten, mal mit vermehrt zähem Schleim oder aber mit Atemnot, obwohl die Lunge voller Luft ist.

In Europa leiden 15 bis 20 Prozent der über 40-Jährigen an dieser schleichenden Lungenkrankheit, die drastische Folgen haben kann: "Jährlich sterben europaweit 300.000 Menschen daran", sagt Klaus Rabe, Ärztlicher Direktor der LungenClinic Großhansdorf und einer der Standortdirektoren des Deutschen Zentrums für Lungenforschung.

Ein besonders auffälliges Merkmal der Lungenerkrankung: COPD-Patienten sind zu 80 Prozent Langzeitraucher - fast jeder zweite Langzeitraucher bekommt COPD. Feinstäube, Industrie- und Autoabgase sowie Nanopartikel in der Luft sind für die restlichen 20 Prozent der COPD-Fälle verantwortlich.

Wechselwirkung mit anderen Krankheiten noch ungeklärt

Welche Gefahren von dem Volksleiden wirklich ausgehen, wissen die wenigsten Betroffenen. Das zeigte jüngst die Ergebnisse einer weltweiten Online-Befragung von 2000 COPD-Patienten aus 14 Ländern, die im Fachjournal "BMC Pulmonary Medicine" erschienen sind : Etwa 40 Prozent der Patienten mit COPD-Symptomen bevorzugen die Strategie nach dem Motto "Abwarten und Tee trinken", anstatt der Krankheit vorzubeugen oder sie richtig behandeln zu lassen.

Der Grund: Kurze Phasen, in denen sich die Symptome verschlimmern oder vermehren, werden laut Rabe von vielen Patienten häufig nicht richtig wahrgenommen. Mediziner nennen diese Phasen Exazerbationen. "Sie beschleunigen das Fortschreiten einer COPD deutlich, verschlechtern die Lebensqualität und die Prognose stark", warnt der Lungenexperte.

Doch bereits bei einer leichten COPD treten Exazerbationen bei jedem Fünften auf. Wer an einer schweren COPD leidet, hat viele dieser Phasen, und jeder Zweite zusätzlich eine verschlechterte Herzfunktion, eine Diabetesvorstufe und diverse andere Gesundheitsprobleme. Ob diese Begleiterkrankungen eine Folge der chronischen Entzündung bei COPD sind oder eher altersbedingt auftreten, ist bisher ungeklärt. "Dabei ist die Sterblichkeit bei einer schweren Exazerbation bei schwerer COPD nahe an jener bei einem Herzinfarkt", sagt Rabe.

Die Online-Befragung von Neil Barnes und Kollegen des britischen London Chest Hospitals zeigte auch: Obgleich Exazerbationen bei den Teilnehmern recht oft auftraten und diese ihre Lebensqualität verschlechterten, gaben die meisten an, ihre Erkrankung unter Kontrolle zu haben. Im Fall einer leichten bis mittelschweren COPD waren es drei Viertel der Befragten; bei moderater bis schwerer COPD waren es 60 Prozent.

Gleichwohl machten sich viele Betroffene Sorgen wegen ihrer Langzeitgesundheit und hatten Angst, aufgrund der Lungenerkrankung vorzeitig zu sterben. "Diese Ergebnisse sind beunruhigend, weil sie zeigen, dass Exazerbationen immer noch unterschätzt werden", sagt Rabe, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Nichtrauchen und Bewegung

Nach Aussage des COPD-Experten wäre es wichtig, möglichst rasch der nächsten Exazerbation gezielt vorzubeugen. "Ziel ist es, die Patienten nach ihren individuellen Krankheitsmerkmalen, Bedürfnissen und Voraussetzungen zu therapieren", so Rabe. Neben dem Verzicht auf Rauchen und vermehrter körperlicher Aktivität, sei es sehr wichtig, Begleiterkrankungen konsequent zu behandeln.

"Es klingt paradox, aber schon wer seine Zigaretten selbst zu Fuß holt, hat eine bessere Prognose als jener, der sie sich bringen lässt", sagt der Lungenexperte Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Angemessene Aktivität und Konditionsaufbau, etwa im Rahmen einer Lungensportgruppe, können die Belastungsgrenze von COPD-Patienten auch ohne Medikamente deutlich erhöhen. Ein zusätzlicher Vorteil: Muskel-, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern sich. Zudem ist es ratsam, Atemtechniken und atmungserleichternde Körperpositionen zu erlernen.

Rabe und Welte raten COPD-Patienten auch, sich gegen Grippeviren und Pneumokokken impfen zu lassen, da Viren und Bakterien die Lungenfunktion immer wieder verschlechtern. Vor allem in fortgeschrittenen Stadien sei für die Patienten die Ernährung wichtig. "Durch sie lässt sich der Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen", sagt Rabe.

Zur Therapie gehört aber immer auch eine medikamentöse Behandlung, die vom Schweregrad abhängt: Sogenannte Bronchodilatatoren stellen die unteren Atemwege weit und werden sowohl vorbeugend als auch während einer Exazerbation eingesetzt. Kortison wird, wenn viele Verschlechterungsphasen auftreten, wegen seiner entzündungshemmenden Effekte inhaliert. Ein Antibiotikum kann eine zusätzliche Option sein.

Nähere Informationen zur COPD finden Betroffeneauf dem Portal des Lungeninformationsdienstes  sowie bei Gesundheitsinformation.de .

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