Medikamente gegen Sodbrennen Ärzte warnen vor Allergien durch Magensäureblocker

Millionen Menschen in Deutschland schlucken Tabletten, die die Säureproduktion im Magen dämpfen. Die Mittel sind schon lange umstritten - nun haben Forscher eine weitere mögliche Nebenwirkung ausgemacht.

Bei langfristiger Einnahme können Magensäureblocker zu Knochenbrüchen und Magnesiummangel führen
Susann Prautsch/ DPA

Bei langfristiger Einnahme können Magensäureblocker zu Knochenbrüchen und Magnesiummangel führen


Die Einnahme von Magensäureblockern erhöht offenbar das Risiko für Allergien, berichten österreichische Forscher nach der Auswertung von Millionen Krankenkassendaten. Patienten, denen Medikamente gegen Magensäure verschrieben wurden, bekamen demnach in den Jahren darauf häufiger auch Medikamente gegen Allergien.

Magensäureblocker hemmen die Magensäureausschüttung fast vollständig und sind dadurch sehr gut wirksam gegen Magengeschwüre, Sodbrennen und Aufstoßen. Oft werden sie auch prophylaktisch zusammen mit Schmerzmitteln eingesetzt. Bei langfristiger Einnahme jedoch drohen gefährliche Nebenwirkungen wie Knochenbrüche durch Osteoporose oder ein schwerer Magnesiummangel, der zu Herzrhythmusstörungen und Krampfanfällen führen kann. Zudem fällt es vielen Patienten schwer, die Mittel wieder abzusetzen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Laut Zahlen der Barmer Krankenversicherung bekamen im Jahr 2018 rund 11,5 Millionen Versicherte in Deutschland eine Verordnung von Magensäureblockern - fast jeder siebte Einwohner. Die sogenannten Protonenpumpenhemmer sind zudem auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Fast jeder Siebte bekommt Magensäureblocker

Die Forscher um Galateja Jordakieva von der Universität Wien hatten Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Sie boten Einblick in die Behandlung von über 8,2 Millionen Patienten, was nahezu der gesamten österreichischen Bevölkerung entspricht. Die Wissenschaftler prüften, wie oft die Menschen zwischen 2009 und 2013 bestimmte Medikamente verschrieben bekamen.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen zwei Erkrankungen: Die Wahrscheinlichkeit, ein Allergiemedikament zu benötigen, war bei Patienten, die schon einen Magensäureblocker verordnet bekommen hatten, zweimal so hoch wie bei anderen Patienten. Besonders stark waren demnach Frauen von der erhöhten Allergiegefahr betroffen, zudem auch ältere Menschen, berichtet das Team im Fachmagazin "Nature Communications".

Dabei machte es keinen Unterschied, welches Medikament verschrieben wurde. Da Magensäureblocker auf ganz unterschiedliche Weise wirken, vermuten die Forscher, dass ihr Effekt - der veränderte Säurewert (pH) im Magen - für die Allergien verantwortlich sein könnte. Proteine, die über die Nahrung aufgenommen werden, könnten demnach im Magen nicht mehr so gut zerlegt werden und dann Allergien hervorrufen. Es könnte auch sein, so die Forscher, dass die Medikamente Signalwege aktivieren, über die Allergien ausgelöst werden.

Einen eindeutigen Beweis, dass Magensäureblocker zu Allergien führen, liefert die Studie allerdings nicht. Sie zeigt jedoch einen auffälligen statistischen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Tabletten und einer später folgenden Medikation wegen Allergien. Experten kritisieren schon seit Jahren, dass die Mittel zu oft und leichtfertig verschrieben würden, obwohl die Pillen Patienten schaden können.

Ulrich Fölsch vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein rät, Magensäureblocker nicht unbedarft zu nehmen. "Das sind sehr gute Medikamente, welche bei einigen Patienten die Lebensqualität erheblich verbessern können, wobei die Nebenwirkungen sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen." Sie sollten aber nicht vorsorglich, zum Beispiel grundsätzlich zu Schmerztabletten, eingenommen werden.

Außerdem sollten Magensäureblocker nach einiger Zeit wieder abgesetzt werden, so Fölsch. Manche nähmen sie jahrelang ein. "Wir haben einen Zusammenhang mit Allergien zwar bisher nicht gesehen, aber die Studie zeigt das auf und interessanterweise ganz unabhängig davon, welches Medikament zur Hemmung der erhöhten Magensäure genommen wird."

koe/dpa



insgesamt 69 Beiträge
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Bharo 31.07.2019
1. Magensäure
Ich verweise auf das Buch "Ein Lob der Magensäure". Das Problem in den meisten Fällen ist nicht ein Zuviel, sondern ein Zuwenig an Magensäure. Die Magensäureblocker sind einfach nur ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie. Wenn die Magensäure blockiert ist, kann keine gesunde Verdauung und Nährstoffaufnahme mehr stattfinden. Der Mensch gerät in einen Mangel mit all seinen schädlichen Folgen.
fiktiv 31.07.2019
2. Kann ich nur bestätigen
aus eigener Erfahrung. War gezwungen wegen einer Gastritis das Medikament Pantoprazol einzunehmen. Dies zeigte nach einigen Wochen das mein Organismus mit direkter Sonneneinstrahlung nicht mehr klar kam. Das Medikament wurde abgesetzt, trotzdem vertrage ich seitdem nur noch eine gewisse Zeit in der prallen Sonne bis ich fast zusammen breche. Es gab vor der Einnahme nie euch nur ein ähnliches Problem. Lg
grusswillis 31.07.2019
3. Bei Sodbrennen ...
... empfehle ich ein Glas Milch. Das wirkt in Sekunden und ist nicht einmal schädlich für die Knochen.
zeisig 31.07.2019
4. Harmlos
Von was sprechen die? Ich weiß genau, wann ich eine derartige Tablette brauche. Am Tag danach, wenn ich zuviel Alkohol getrunken habe. Bei Weißwein und Sekt brauche ich so ein Ren....i sogar noch abends vor dem Schlafengehen. Und wenn ich hungrig bin und mich gleichzeitig körperlich anstrenge. Und as seit vielen Jahrzehnten und ich habe nicht das Gefühl, daß es mir schadet.
egonv 31.07.2019
5.
Wenn die Magenschmerzen einen gewissen Umfang und eine gewissen Intensität erreichen, kann so ein Medikament sehr sehr entlastend sein. Ich hatte es mal wegen einer Infektion im Magen-Darm-Trakt eingenommen und ich möchte betonen: Ohne wäre es nicht gegangen, die Schmerzen wären unerträglich. Die geringere Magensäuremenge soll ja eigentlich den Heilungsprozess der Magenschleimhaut fördern. Insofern sollten diese Blocker lediglich übergangsweise eingenommen werden und die eigentlich Ursache der Probleme bekämpft werden. Ein schrittweises Ansetzen der Blocker gelang mir nach einigen Monaten gut. Allerdings muss jedem von Beginn an klar sein, dass das keine Dauerlösung ist.
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