Malaria Resistente Erreger breiten sich in Südostasien aus

Mehr als 200 Millionen Menschen erkranken pro Jahr an Malaria. Gegen die Krankheit gibt es wirksame Medikamente. Doch in Südostasien verbreiten sich zunehmend Erreger, die auf die wichtigsten Mittel nicht mehr ansprechen.

Kampf gegen Malaria: Arbeiter sprüht in Mumbai, Indien, Insektenschutzmittel gegen Moskitos
DPA

Kampf gegen Malaria: Arbeiter sprüht in Mumbai, Indien, Insektenschutzmittel gegen Moskitos


Mediziner sind alarmiert: Parasiten, die gegen das Medikament Artemisinin resistent sind, breiten sich in Südostasien immer weiter aus. Inzwischen seien sie in den Grenzregionen im Norden und Westen von Kambodscha, im Osten von Burma, in Thailand und Vietnam nachgewiesen worden, berichtet die Tracking Resistance to Artemisinin-Collaboration. Auch im Landesinneren von Burma, im Süden von Laos und im Nordosten von Kambodscha gebe es Anzeichen für Resistenz, heißt es in der Studie im "New England Journal of Medicine".

Die Forscher untersuchten Blutproben von 1241 Malariapatienten aus zehn Ländern: Die Kranken lebten in Kambodscha, Thailand, Laos, Vietnam, Burma, Bangladesch oder Indien sowie in Kenia, Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo. Im Gegensatz zu den Malariapatienten aus Südostasien fanden die Mediziner bei den Personen aus den afrikanischen Staaten keine Erreger, die gegen Artemisinin resistent sind.

"Nur wenig Zeit"

"Es könnte noch möglich sein, die Ausbreitung von Artemisinin-resistenter Malaria über Asien und dann nach Afrika zu verhindern und sie zu eliminieren", schreibt das Team um den Tropenmediziner Nicholas White von der britischen Oxford University. "Aber dafür bleibt nur wenig Zeit." Eine mögliche Maßnahme sei, die Behandlung mit dem Medikament von bisher drei Tagen auf sechs Tage zu verlängern.

"Artemisinin-Medikamente sind wohl die besten Anti-Malaria-Mittel, die wir jemals hatten", erklärte die Hauptautorin der Studie, Elizabeth Ashley. "Wir müssen sie in Gebieten beibehalten, wo sie noch funktionieren."

Malaria
Die Krankheit
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Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
Schutzmaßnahmen
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
Chemische Vorbeugung
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").
Die Mittel werden oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt, diese Mischungen seien größtenteils noch effektiv, berichten die Forscher. Es besteht jedoch die Sorge, dass Malariaerreger auch auf diese Wirkstoffe irgendwann nicht mehr ansprechen.

Malariaerreger können unter anderem gegen Medikamente resistent werden, wenn die Behandlung zu früh beendet wird. Dann sind noch nicht alle Erreger abgetötet, die Parasiten mutieren und können gegen das Medikament immun werden. In der Vergangenheit entwickelten Parasitenstämme immer wieder eine Resistenz gegen bestimmte Malariamedikamente.

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankten im Jahr 2012 rund 207 Millionen Menschen an Malaria, 627.000 Infizierte starben an der Krankheit. Die meisten Todesfälle gab es in afrikanischen Ländern südlich der Sahara und bei Kindern unter fünf Jahren.

Um Malaria einzudämmen, arbeiten Forscher auch an einem Impfstoff - und an Möglichkeiten, die Übertragung über Moskitos zu verhindern.

wbr/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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Walther Kempinski 31.07.2014
1. 200 Mio?
Mehr als 200 Mio. Neuinfektionen pro Jahr? Das heißt in 35 Jahren wäre die gesamte Weltbevölkerung komplett durchseucht? Sorry, die Zahl erscheint mir ziemlich hoch.
TICKundTOOF 31.07.2014
2. Zahlen stimmen leider
200-300 Infektionen im Jahr und 1-2 Millionen, die daran sterben wobei die Hälfte davon kleine Kinder sind. Nehme selbst Artemisinin, ist eine Art Zellöffner und hat natürlich noch mehr Wirkungen. Bei der Borreliose Therapie hat man bisher Quensyl benutzt, auch aus der Malaria Therapie, aber hat auch Nebenwirkungen. Dann hat man herausgefunden, dass Artemisinin die Aufgabe von Quensyl besser erledigt und weniger Nebenwirkungen hat. Allerdings unterscheidet sich hier das chemisch aufbereitete extrahierte Artemisinin vom Beifuß (Tinktur, Pulver): Es wirkt besser je mehr es noch Pflanze ist. Die Forschung in Bezug auf Borreliose findet im kleineren Rahmen statt. Trotz 100000-800000 geschätzten Neuinfektionen in Deutschland wird es ja totgeschwiegen, FSME Panik verbreitet (weniger als 500 Fälle im Jahr in Deutschland) und die Patienten sind die dummen (falls sie überhaupt diagnostiziert wurden) weil sich die Mediziner streiten und die Richtlinien auf nachweislich den schlechtesten Tests beruhen. Hat wie die Malaria Verbreitung mit dem Temperatur Anstieg zu tun, je wärmer desto mehr Wirte wie v.a. Rehe und Mäuse und Ratten überleben, desto mehr Zecken gibt es wieder. Postantibiotikazeitalter wird kommen, leider.
herrschickhilfe! 01.08.2014
3. Das sagt die WHO dazu
About 3.4 billion people – half of the world's population – are at risk of malaria. In 2012, there were about 207 million malaria cases (with an uncertainty range of 135 million to 287 million) and an estimated 627 000 malaria deaths (with an uncertainty range of 473 000 to 789 000). Increased prevention and control measures have led to a reduction in malaria mortality rates by 42% globally since 2000 and by 49% in the WHO African Region. People living in the poorest countries are the most vulnerable to malaria. In 2012, 90% of all malaria deaths occurred in the WHO African Region, mostly among children under 5 years of age. (März 2014) About 3.4 billion people – half of the world's population – are at risk of malaria. In 2012, there were about 207 million malaria cases (with an uncertainty range of 135 million to 287 million) and an estimated 627 000 malaria deaths (with an uncertainty range of 473 000 to 789 000). Increased prevention and control measures have led to a reduction in malaria mortality rates by 42% globally since 2000 and by 49% in the WHO African Region. People living in the poorest countries are the most vulnerable to malaria. In 2012, 90% of all malaria deaths occurred in the WHO African Region, mostly among children under 5 years of age. Es sind rund 200 Millionen (!) Neuerkrankungen (nicht 200-200 Fälle) pro Jahr. Und eine "Durchseuchung" der (gesamten) Weltbevölkerung findet darum nicht statt, weil Malaria in vielen Teilen der Welt nicht vorkommt. Etwa in grossen Teilen Europas und der USA oder auch im Norden Asiens. Es trifft und dezimiert also immer die selben Bevölkerungsgruppen in den immer gleichen Weltregionen.
der.tommy 01.08.2014
4. @walther kempinski
200 Millionen werden infiziert und davon sterben nur 600000. die übrigen 199 Millionen können sich aber jederzeit wieder infizieren. Es handelt sich ja nicht um einen retrovirus der für immer im Körper bleibt. Googln sie doch einfach mal ein bisschen über malaria
Leserkwelle 03.08.2014
5. Nicht nur in Asien!
Im Dezember 2013 sowie im März 2014 wurde ich in Ostafrika von der Malaria (falciparum) befallen. Beide Male reichte die bisher zuverlässig wirkende 3-tägige Artemisinin-Behandlung (Coartem -Riamet) nicht aus; ich musste um weitere 3 Tage verlängern, erst dann war Ruhe. Die Einheimischen konnten auf ähnliche Erfahrungen zurückgreifen.
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