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Gesunde Gefäße Wie Marathontraining das Herz verjüngt

Wer sich erstmals auf einen Marathonlauf vorbereitet, trainiert dabei auch seine Blutgefäße: Sie verjüngen sich um mehrere Jahre, haben Forscher festgestellt. Alte Männer mit hohem Blutdruck profitieren besonders stark.
Von Nina Weber

Man muss nicht besonders schnell laufen, um seiner Herzgesundheit etwas Gutes zu tun. Das ist vielleicht die schönste Erkenntnis einer Studie, bei der Forscher knapp 140 Menschen rund ein halbes Jahr lang begleitet haben, während sie erstmals für einen Marathon trainierten.

Während sich bei allen Teilnehmenden der Zustand der Blutgefäße verbesserte, war dieser Effekt am stärksten bei älteren, männlichen Läufern, die zu Beginn der Studie einen vergleichsweise hohen Blutdruck hatten - und die den Marathon eher langsam liefen. Männer und Frauen waren in der Gruppe in etwa gleicher Zahl vertreten, das Alter der Teilnehmer lag zwischen 21 und 69 Jahren. Den Marathon schafften die Frauen im Schnitt in knapp fünfeinhalb Stunden, die Männer brauchten durchschnittlich viereinhalb Stunden.

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Um zu ermitteln, wie sich das Lauftraining auf Herz und Blutgefäße auswirkte, maß das Forscherteam um Anish Bhuva vom University College London, wie steif die Hauptschlagader, die sogenannte Aorta, der Teilnehmer zu Beginn des Trainings sowie nach Abschluss des Marathons war.

Die Elastizität der Aorta hängt stark mit dem Alter zusammen: Mit zunehmenden Jahren wird das Blutgefäß immer steifer, was durchaus negative Folgen hat. Denn die Aorta sorgt durch genau abgepasstes Weiten und Verengen dafür, dass das Blut möglichst gleichmäßig durch den Körper fließt, obwohl das Herz in Stößen pumpt. Wird die Hauptschlagader steifer, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Laut der Messungen sank das biologische Alter der Aorta bei den Teilnehmenden im Laufe des Marathon-Trainings um durchschnittlich vier Jahre. Zusätzlich fiel auch ihr Blutdruck etwas, berichten die Forscher im "Journal of the American College of Cardiology" .

Der Effekt sei ähnlich groß wie der von Medikamenten gegen Bluthochdruck, sagt Anish Bhuva. "Falls er erhalten bleibt, bedeutet das ein rund zehn Prozent niedrigeres Schlaganfall-Risiko für den Rest des Lebens."

10 bis 20 Kilometer pro Woche

Die Teilnehmer mussten allerdings auch einiges leisten, um ihre Blutgefäße derart zu verjüngen: Sie liefen während des halben Jahres Vorbereitung im Schnitt 10 bis 20 Kilometer pro Woche, bevor sie dann den London-Marathon erfolgreich bewältigten. Vor Studienbeginn liefen die Probanden weniger als zwei Stunden pro Woche.

Das gelang nicht allen, die sich ursprünglich für die Studie gemeldet hatten: Weitere 71 Teilnehmer, die zum Studienstart noch entschlossen waren, liefen den Marathon nicht, 52 von ihnen wegen einer Verletzung. Ganz frei von Risiken und Nebenwirkungen ist auch Laufen nicht.

Etwa einer von 100.000 Marathonläufern erleidet einen Herzstillstand während des Rennens. Vor Kurzem hatten Wissenschaftler berichtet, dass bei Hobbysportlern bei einem Marathon ein Blutwert deutlich ansteigt, der auf akute Schäden am Herzmuskel deutet. Sie vermuten deshalb, dass es für Amateure besser sei, es bei einem Halbmarathon zu belassen.

Allerdings kann gerade der Marathon - oder ein Halbmarathon - ein echter Ansporn sein, die intensive Trainingsphase zu bewältigen. Ohne ein solches Ziel besteht eher die Gefahr, den guten Vorsatz fürs neue Jahr, mehr Sport zu treiben, schon Mitte Januar wieder zu beerdigen.

Update aufgrund vieler Nachfragen zum Trainingsvolumen der Teilnehmer: Das Forscherteam leitete aus den Marathonzeiten der Teilnehmer ab, wie viel sie im Schnitt pro Woche trainiert hatten - viele von ihnen liefen den Marathon relativ langsam. Um die Zeiten zu ermitteln, griffen die Wissenschaftler auf Daten von 27.000 Marathonläufern  zurück, die über ihre Trainingszeiten Auskunft gegeben hatten – dort hatte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Trainingsaufwand und Marathonzeit gezeigt. Daraus ergaben sich die gering anmutenden Trainingszeiten in der aktuellen Studie.

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