Masern Ärztepräsident Montgomery plädiert für Impfpflicht

"Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll": Im SPIEGEL fordert Ärztepräsident Montgomery eine Impfpflicht. Das Gesundheitsministerium arbeitet an einem Gesetzentwurf.

Impfstoff (Archivbild)
Lindsey Wasson/ REUTERS

Impfstoff (Archivbild)


In der aktuellen Debatte über Masernausbrüche in Deutschland fordert der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery, dass eine Impfpflicht eingeführt wird. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll", sagt Montgomery in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. "Wer sich impfen lässt, übernimmt nicht nur Verantwortung für sich, sondern für die Gesellschaft." Dass die Regierung angesichts der Häufung von Masernfällen eine solche Pflicht prüfe, sei zu begrüßen, so Montgomery. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+).

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Heft 14/2019
Der bizarre Streit um den Schutz unserer Kinder

Nach SPIEGEL-Informationen arbeitet das Bundesgesundheitsministerium derzeit an ersten Überlegungen für eine Impfpflicht gegen Masern. Konkret erwogen werde eine Impfpflicht nur für Kinder: Sie sollen Kitas oder Schulen demnach nur dann besuchen dürfen, wenn sie gegen Masern geimpft sind. Spätestens bei der Anmeldung zur Schule hätte das eine durchschlagende Wirkung, da in Deutschland Schulpflicht herrscht.

Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und damit den Schulbesuch unmöglich machen, müssten mit Konsequenzen rechnen. Auch für Lehrer oder Erzieher in solchen Gemeinschaftseinrichtungen könnte eine Impfung möglicherweise zur Pflicht werden. Denkbar wäre außerdem, dass Ärzte künftig regelmäßig den Impfstatus erwachsener Patienten kontrollieren und diese gegebenenfalls beraten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
kaiser.friedrich 29.03.2019
1. Absolut sinnvoll
In der DDR gab es die Impflicht seit den 60er Jahren und dank dieser sind die Fälle von Kinderlähmung schlagartig zurückgegangen. Es ist nun mal wissenschaftlich erwiesen, dass die Vorteile des Impfens potentielle Nachteile deutlich überwiegen und der Staat hat eine Fürsorgepflicht, was auch den Schutz vor Plagen und Seuchen beinhaltet. Grundsätzlich wäre es schön, wenn Politiker wieder mehr auf wissenschaftliche Meinungen vertrauen, statt immer nur die Populismus-Karte zu spielen. Hätte man dem Populismus nicht nachgegeben und die Kernkraftwerke nicht angefangen im Hauruck-Verfahren abzuschalten, hätte Deutschland jetzt nicht derartige Probleme, seine Klimaziele zu erreichen.
rosenblum64 29.03.2019
2. Bravo Herr Montgomery
Ist doch mal schön, wenn es zwischen medizinischer Notwendigkeit, den Interessen der Bevölkerung, der Geldgier von Ärzten und Pharmaindustrie eine Schnittmenge gibt. Da erinnert sich sogar Herr Montgomery an seinen hippokratischen Eid. Bravo. Impfpflicht muss kommen.
c.PAF 29.03.2019
3.
Impfplicht? Erinnert mich an die Gurtpflicht. Hätte man die nicht eingeführt, hätten wir eine ganz andere Todesrate bei Verkehsunfällen, weil es genug Dumme gegeben hätte, die sich nicht angeschnallt hätten.
arago 29.03.2019
4. na denn mal los...
Das Thema wird in Form eines quasireligiösen Feldzuges geführt. Da nimmt man es mit der Wahrheit nicht so genau bzw. überhöht dessen Relevanz. Hier die Fakten: 1. Die Risiken der Masern-Impfung gegen den (sicher unbestrittenen) Nutzen abwägen (Anzahl der Masernfälle in D. 2018 = 677 auf 82 Mio. EW). Impfungen werden nicht komplett ohne Nebenwirkungen ablaufen können, d.h. ein gewisses (vielleicht kleines) Restrisiko besteht. Sollte dies bei einer Miniquote von 0,01 % liegen, hätten wir immerhin mehr als 10 x so viel Impfopfer wie zur Zeit Masernfälle. 2. Masern ist zwar unangenehm, verläuft aber in übergrosser Anzahl harmlos ab. Die offiziellen Statistiken unterstellen ungefähr 1 Todesfall pro 1000 Erkrankungen, die sich auf Fälle konzentrieren, wo bereits erhebliche Vorschäden/Kofaktoren vorliegen. 3. Die im Spiegel vor ca. 2 Jahren veröffentlichen geografischen Analysekarten ergeben keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Impfquote und Erkrankungsraten. 4. Mein Fazit: Masern galt früher als normale Kinderkrankheit, die heute in D. so gut wie keine Rolle mehr spielt. Bei gesunden und halbwegs gesunden Menschen dürften keine langfristigen Schäden zu erwarten sein. Wer mag, soll sich durchaus impfen lassen. Aber wie rechtfertigen sich daraus Zwangsmaßnahmen?
mullertomas989 29.03.2019
5. Und ich plädiere ....
... für eine strikte Trennung von Wirtschaftslobbyismus und medizinischer Wissenschaft!! Auch das wäre aus medizinisch-wissenschaftlciher Sicht absolut sinnvoll!! Und vor allem würde es langfristig wohl noch viel mehr Menschenleben retten als eine Impfpflicht!!
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