Masern Gesundheitsminister Bahr will Impfregeln verschärfen

Gesundheitsminister Bahr prüft nach SPIEGEL-Informationen die Möglichkeit, nichtgeimpfte Schüler bei Masernausbrüchen vom Unterricht auszuschließen. Mehrere Politiker fordern auch eine Impfpflicht für Kita-Kinder.
Masernimpfung: Erhöhter Druck oder Impfpflicht

Masernimpfung: Erhöhter Druck oder Impfpflicht

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plant nach Informationen des SPIEGEL neue Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Masern. So prüfen seine Beamten, ob nichtgeimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden können. Bisher gibt es diese Möglichkeit nur für erkrankte Kinder.

Außerdem erwägt Bahr, die Gesundheitsämter zu verpflichten, künftig schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht dies zu Schulbeginn. Allerdings könnten beide Maßnahmen erst nach der Wahl vom Bundestag verabschiedet werden. Zudem fordert die Bundesärztekammer weitergehende Maßnahmen.

Ungeimpfte Kinder gefährden kranke Kinder

"Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist eine Impfpflicht das einzig Sinnvolle", sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. "Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckendende Erkrankung mit hohem Gefahrenpotential für die nichtgeimpfte Bevölkerung. Daher wäre es gut, wenn alle Kinder geimpft wären." Allerdings sei eine Impfpflicht in Deutschland gesellschaftspolitisch schwer durchzusetzen.

Eine Impfpflicht für Kita-, Kindergarten- und Schulkinder befürwortete in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn. Ungeimpfte Kinder gefährdeten andere Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnten, so Spahn. Ähnlich äußerte sich die SPD-Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas in der "FAS". Der FDP-Obmann im Gesundheitsausschuss des Bundestags, Jens Ackermann, dagegen hält laut "FAS" eine Impfpflicht für nicht durchsetzbar.

Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI), Jan Leidel, sagte der "FAS", eine Impfpflicht sei kontraproduktiv.

Zuletzt hatte ein Masernausbruch in der Nähe von Köln für Aufsehen gesorgt. An einer Waldorfschule hatten sich insgesamt 29 Schüler mit Masern infiziert, nur ein Viertel aller Schüler der Schule war gegen die Krankheit geimpft. In einer danach durchgeführten repräsentativen Umfrage unterstützten 80 Prozent der Deutschen eine Impfpflicht für Kinder.

dba