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14. Mai 2013, 18:57 Uhr

München

Behörde warnt vor Masern-Epidemie

Das Münchner Gesundheitsreferat warnt vor einer drohenden Masern-Epidemie. Per Rundschreiben sind alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen alarmiert worden. In den letzten vier Wochen sind 40 Menschen erkrankt, 21 innerhalb von nur einer Woche.

München - Das Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) warnt vor einer drohenden Masern-Epidemie. Seit dem 11. April sind in der bayerischen Landeshauptstadt 40 Masern-Fälle an das RGU gemeldet worden, alleine in der vergangenen Woche 21 Fälle. Sechs der Patienten sind noch minderjährig, der Großteil der Erkrankten ist nach 1970 geboren.

Nach Angaben der Stadt werden täglich mehrere Infektionsfälle neu gemeldet. Um die Masern effektiv eindämmen zu können, sei eine gute Impfquote in der Bevölkerung unerlässlich, so das RGU in einer Mitteilung: Masern-Ausbrüche seien schnell begrenzbar, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Die Stadt München ruft daher die Bevölkerung auf, sich testen oder impfen zu lassen, um eine Epidemie verhindern zu können. Bricht die Krankheit aus, können nur die Beschwerden gelindert werden, das Virus selbst kann nicht behandelt werden.

Unter manchen Eltern gibt es große Vorbehalte gegen eine Impfung. Doch die Spätfolgen einer Infektion können lebensbedrohlich sein. Das Robert Koch-Institut in Berlin hatte erst im April mitgeteilt, die Impfquote unter jungendlichen und jungen Erwachsenen sei problematisch.

In der Regel sollten Kinder in den ersten beiden Lebensjahren zweimal gegen Masern geimpft werden, dazu gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte sich ursprünglich das Ziel gesteckt, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten - ist davon jedoch wegen der niedrigen Impfraten weit entfernt. Jetzt soll das Ziel bis 2015 erreicht werden.

Masern können als Folgeschäden Gehirnentzündungen, Hirnhaut- und Lungenentzündungen hervorrufen. Auch in Deutschland kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu örtlichen Masern-Ausbrüchen wie jetzt in München, mit teilweise mehreren hundert Erkrankten und auch Todesfällen.

Wer mit als Nichtgeimpfter Kontakt mit einem Masernkranken hat, darf für die Dauer der Inkubationszeit (14 Tage) vor einem möglichen Ausbruch der Krankheit nicht in medizinischen und Pflegeberufen arbeiten oder auch in Gemeinschaftseinrichtungen. Das bedeutet zum Beispiel, das nichtgeimpfte Kinder nicht in die Kindertagesstätte oder Schule dürfen. Die Münchner Behörden befürchten, dass die Masern sich in der Pfingstferienzeit über die Stadtgrenze hinaus ausbreiten könnten.

Besonderen Wert legen Münchner RGU und die Ständige Impfkommission (Stiko) auf die Empfehlung, dass sich nach 1970 geborene Erwachsene gegen die vermeintliche Kinderkrankheit impfen lassen sollten: die meisten Betroffenen des aktuellen Ausbruchs gehören dieser Altersgruppe an.

Übertragen werden die Masern durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen. Das Virus ist sehr ansteckend, praktisch jeder Kontakt einer nichtgeimpften Person mit einem Erkrankten führt zur Infektion.

2011 gab es in Deutschland die letzte starke Masernausbreitung mit insgesamt 1500 Fällen. In München kam es mit 184 Fällen damals zu fast der Hälfte aller in Bayern gemeldeter Fälle.

dba

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