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08. August 2019, 18:19 Uhr

Krankenkassen-Auswertung

In Deutschland sind offenbar weniger Kinder gegen Masern geimpft als gedacht

Masern, Mumps, Röteln - gegen gefährliche Infektionskrankheiten sind wohl noch weniger Kinder in Deutschland geimpft als befürchtet. Das zeigt eine Auswertung der Barmer Krankenkasse. Viele haben sogar keinerlei Impfschutz.

Laut einer Analyse der Barmer Krankenkasse gibt es in Deutschland deutlich größere Impflücken als bislang bekannt.

Die Kasse hat unter anderem für rund 45.700 Schulanfänger Abrechnungsdaten geprüft, die 2017 bei ihr versichert waren. Demnach waren bei keiner wichtigen Infektionskrankheit wie Masern, Mumps oder Röteln ausreichend Kinder immunisiert, teilte die Barmer in ihrem Arzneimittelreport mit.

Die Impfquoten lagen laut Kasse durchweg unter 90 Prozent. Das sei alarmierend, sagte Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. Denn für eine Schutzwirkung in der Gesellschaft seien Immunisierungsraten von mindestens 95 Prozent nötig. "Die Impflücken bei Kleinkindern in Deutschland sind größer als bisher bekannt", sagte Daniel Grandt, Mitautor des Barmer-Arzneimittelreports und Chefarzt am Klinikum Saarbrücken.

So war unter den Barmer-Versicherten mehr als jedes fünfte Kind, das 2015 geboren wurde, in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft. Die Durchimpfungsrate - also der Anteil der Kinder, die die zwei vorgesehenen Masernimpfungen bekommen hatten - lag lediglich bei 78,9 Prozent. Bei sechsjährigen Kindern, die 2011 zur Welt kamen, betrug die Masern-Impfquote bei Barmer-Versicherten 88,8 Prozent.

Daneben hat die Barmer bei ihren Versicherten auch analysiert, wie viele der Kinder in den ersten beiden Lebensjahren überhaupt keine der 13 empfohlenen Impfungen erhalten hatten: Das waren 1855 Kinder, die 2015 zur Welt kamen - rund drei Prozent.

"Zu viele Kinder in Deutschland sind unnötig gefährdet"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht sich nach diesen neuen Zahlen bei der geplanten Masern-Impfpflicht bestätigt. "Egal, wie man es rechnet, es bleibt dabei: Zu viele Kinder in Deutschland sind unnötig gefährdet, denn zu wenige Kinder sind gegen Masern geimpft", sagte der CDU-Politiker.

Das Bundeskabinett hatte Mitte Juli ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Der Bundestag muss dem Gesetz noch zustimmen.

Nach den offiziellen Daten der Schuleingangsuntersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Impfquote bei der ersten Masernimpfung 2017 bei rund 97 Prozent. Bei der zweiten Masernimpfung waren es fast 93 Prozent. Allerdings hatten rund neun Prozent der Schulanfänger keinen Impfausweis.

Die angegebenen Impfquoten seien deshalb möglicherweise etwas zu hoch, räumte das RKI selbst ein. Würde man alle Kinder ohne Impfpass als ungeimpft ansehen, ergäbe sich nur eine Impfquote von 81,4 Prozent. Die Barmer-Daten mit 88,8 Prozent lägen zwischen dieser ungünstigsten Annahme und der günstigsten von fast 93 Prozent.

Positiver Trend

Die Auswertung der Barmer sei gründlich, teilte das RKI weiter mit. "Mit den Daten werden jedoch nur rund elf Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland abgebildet und es bleibt offen, wie repräsentativ dieses Versichertenklientel für Deutschland ist."

Die Krankenkassen AOK und TK haben nach eigenen Angaben noch keine Impf-Erhebungen für ihre Versicherten durchgeführt. Es existiert jedoch eine Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung, die ebenfalls mit Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten arbeitet. Die jüngsten Daten für 2014 ergeben bei Zweijährigen bundesweit eine Masern-Impfquote von 73,9 Prozent - allerdings mit großen regionalen Unterschieden von 68,9 Prozent in Baden-Württemberg bis 80,5 Prozent in Hamburg.

Trotz der kritisierten Impflücken zeigt die Barmer-Statistik aber auch einen positiven Trend: Bei Masern nahmen die Quoten zu - von 73,8 Prozent beim Jahrgang 2010 auf 78,9 Prozent beim Jahrgang 2015. Eine ähnlich positive Entwicklung gab es auch bei Mumps und Röteln. Die Kassenärztliche Vereinigung dokumentierte einen ähnlichen Zuwachs. Die jüngsten Daten für 2014 kommen bundesweit auf eine Masern-Impfquote von 73,9 Prozent, rund drei Prozentpunkte mehr als 2010.

irb/dpa

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