Masern Niedrige Impfquoten - WHO besorgt über Einfluss sozialer Medien

Mehr als jedes zehnte Kind weltweit ist nicht ausreichend vor lebensgefährlichen Krankheiten geschützt, warnt die WHO. Impfgegner und soziale Medien spielen dabei eine wachsende Rolle.

DPA

20 Millionen Kindern fehlte im vergangenen Jahr ein Schutz gegen lebensbedrohliche Krankheiten wie Masern, Diphtherie, Tetanus oder Keuchhusten. Damit hat mehr als jedes zehnte Kind weltweit die nötigsten Impfungen nicht bekommen, schreiben die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und das Kinderhilfswerk Unicef in einem gemeinsamen Bericht.

Die meisten Betroffenen lebten in Konfliktregionen oder in armen Ländern. Die Spezialisten seien aber auch besorgt über den Einfluss von Impfgegnern, die über soziale Medien falsche Informationen verbreiteten, sagte die Direktorin der WHO-Impfabteilung, Kate O'Brian.

Die weltweite Quote der Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten sowie der ersten Dosis gegen Masern stagniert der Auswertung zufolge seit einigen Jahren bei rund 86 Prozent - zu wenig, um Ausbrüche der Krankheiten wirksam zu verhindern. Dafür ist eine Impfquote von mindestens 95 Prozent notwendig.

Zahl der Masernfälle verdoppelt

Während bei vielen Krankheiten vor allem Kinder in den ärmsten Gebieten der Welt von Impflücken betroffen sind, existieren bei den Masern große Schwankungen innerhalb verschiedenster Einkommensstufen. Dies habe im vergangenen Jahr zu verheerenden Ausbrüchen in vielen Teilen der Welt beigetragen, heißt es in dem Bericht.

2018 wurden demnach rund 350.000 Masernfälle gemeldet - fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Allerdings wird nur ein Bruchteil der Fälle erfasst. Allein für 2017 schätzt die WHO die tatsächliche Zahl der Maserninfektionen weltweit auf 6,7 Millionen.

Impfquoten und Masernfälle weltweit

Länder mit den meisten Masernkranken Impfquote 2010 Impfquote 2018
Ukraine 56 91
Demokratische Republik Kongo 74 80
Madagaskar 66 62
Liberia 65 91
Somalia 46 46
Serbien 95 92
Georgien 94 98
Albanien 99 96
Jemen 68 64
Rumänien 95 90

Den Daten zufolge war die Ukraine 2018 das Land, in dem gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Menschen an Masern erkrankten. Da die Impfung jahrelang vernachlässigt wurde, seien viele Erwachsene und ältere Kinder nur unzureichend geimpft, schreibt die WHO. Mittlerweile sei es jedoch gelungen, die Impfquote unter Kindern auf 90 Prozent zu steigern.

In 19 Ländern hingegen ging die Quote für die erste Masernimpfung im vergangenen Jahr um zehn oder mehr Prozent zurück. "Impfgegner hat es schon immer gegeben", sagte O'Brian. "Solche Gruppen sind ein kleines Phänomen, aber sie können ihre Botschaft mit den sozialen Medien heute weiter verbreiten als früher."

Deutschland: Impfpflicht wird immer konkreter

Nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts lag der vollständige Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten in Deutschland nach den Schuleingangsuntersuchungen 2017 bei mehr als 93 Prozent. Die Impfquote für die erste Masernimpfung betrug 97,1 Prozent, die zweite Impfung hatten jedoch nur 92,8 Prozent der Schulanfänger.

Um die Quote weiter zu erhöhen, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Woche einen Gesetzentwurf zur Masern-Impfpflicht ins Bundeskabinett einbringen. Dieser sieht unter anderem vor, nicht geimpfte Kinder aus der Kita auszuschließen und bei Schulkindern Bußgelder von bis zu 2500 Euro aufzurufen. Daneben soll eine Impfpflicht in Flüchtlingsunterkünften sowie für Tagesmütter und Kita-Mitarbeiter eingeführt werden.

Masern sind eine hochansteckende Krankheit, bei der es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen kann. Das gilt auch für Deutschland: Nach Angaben des RKI stirbt einer von tausend Masern-Erkrankten. Eigentlich sollten die Masern seit 2015 in Deutschland ausgerottet sein. Allein in diesem Jahr wurden dem RKI bis Mitte Juni mehr als 400 Fälle gemeldet.

irb/dpa



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