Masern in Europa Weltgesundheitsorganisation fordert zum Impfen auf

Nicht nur in Berlin grassieren die Masern. In osteuropäischen Ländern gibt es Tausende Fälle. Die Weltgesundheitsorganisation mahnt zur Impfung.
Kombi-Impfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps: Die Masern sind wieder da

Kombi-Impfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps: Die Masern sind wieder da

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Eigentlich sollten die Masern im Jahr 2015 in Europa ausgerottet sein - so hatte es die Weltgesundheitsorganisation WHO geplant. Das Vorhaben ist offensichtlich gescheitert. Allein in Berlin haben sich seit Oktober 2014 fast 600 Menschen mit den Masern angesteckt. Ein Kleinkind starb wegen der Erkrankung.

In Osteuropa sind die Zahlen teils noch höher. Laut WHO haben sieben europäische Länder im Jahr 2014 sowie in den ersten Monaten 2015 insgesamt mehr als 22.000 Masern-Fälle gemeldet:

  • In Kirgisistan erkrankten zwischen Mai 2014 und Februar 2015 insgesamt 7477 Menschen an den Masern, zwei einjährige Kinder starben.
  • Bosnien und Herzegowina meldet 5340 Fälle seit Februar 2014, betroffen waren vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.
  • In Russland erkrankten 3247 Menschen im Jahr 2014 an den Masern - vor allem über 20-Jährige.
  • In Georgien gab es 3191 Masern-Fälle im Jahr 2014, dazu rund hundert Fälle seit dem Jahreswechsel.
  • Kasachstan meldete 2014 insgesamt 317 Masern-Fälle, allein im Januar dieses Jahres erkrankten 220 weitere Menschen.
  • 1674 Fälle gab es 2014 in Italien, die Mehrheit der Erkrankten war zwischen 15 und 39 Jahre alt.
  • Dazu kommen die knapp 600 Fälle in Deutschland.

"Wenn wir bedenken, dass wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Masern-Fallzahlen um 96 Prozent reduzieren konnten und nun nur einen Schritt von der Ausrottung der Krankheit in Europa entfernt sind, sind wir angesichts dieser Zahlen bestürzt", sagt Zsuzsanna Jakab, WHO-Leiterin für die Region Europa. Es sei nicht akzeptabel, dass die Masern immer noch Todesopfer fordern, nachdem 50 Jahre lang an wirksamen und sicheren Impfstoffen gearbeitet wurde.

Es komme weiterhin zu Ausbrüchen, weil es Bereiche mit vielen nicht oder nicht ausreichend geimpften Menschen gebe, die anfällig für die Masern seien, so die WHO. Dies liege insbesondere an Eltern, die entweder Impfungen ihrer Kinder bewusst ablehnen oder nur schwer Zugang zu medizinischer Hilfe finden.

Um die Ausbrüche einzudämmen, werden in vielen der betroffenen Länder nun gezielt jene Menschen geimpft, die am stärksten gefährdet sind, sich mit den Masern anzustecken.

In Deutschland wird wegen des Ausbruchs in Berlin zurzeit auch über eine mögliche Impfpflicht diskutiert.

wbr
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