Masern-Daten von Gesundheitsämtern Sieben Prozent der Schulanfänger sind unzureichend geimpft

In Deutschland sind nur knapp 93 Prozent der Kinder ausreichend gegen Masern geimpft - zu wenige, um die Krankheit auszurotten. In Ost- und Westdeutschland sind die Impflücken verschieden groß.
Bei der Einschulung erfragt das Gesundheitsamt in der Regel den Impfstatus

Bei der Einschulung erfragt das Gesundheitsamt in der Regel den Impfstatus

Foto: Arne Dedert/ DPA

Deutschland diskutiert über eine Masern-Impfpflicht. Jetzt zeigt eine Veröffentlichung, dass viele Bundesländer tatsächlich wichtige Impfziele verfehlen. Dabei schneidet der Osten deutlich besser ab als der Westen.

Als Basis für den Bericht dienten die Daten von Schuleingangsuntersuchungen, bei denen Gesundheitsämter den Impfstatus der Kinder dokumentieren. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2017 und wurden jetzt im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts  veröffentlicht.

Zwar erreichten alle Bundesländer eine gute Quote bei der ersten Masernimpfung. Der Anteil der geimpften Kinder stieg in den vergangenen Jahren von 95,9 Prozent (2008) auf 97,1 Prozent (2017). Damit Kinder (und auch Erwachsene) ausreichend vor der Krankheit geschützt sind, benötigen sie jedoch noch eine weitere, zweite Impfung.

Hier lag die Impfquote deutschlandweit niedriger als gewünscht. Nur 92,8 Prozent der Schulanfänger hatten die zweite Spritze gegen die Masern erhalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, mindestens 95 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren. Nur dann ist es realistisch, die Masern auszurotten.

Mecklenburg-Vorpommern führt, Baden-Württemberg am Ende

Diese Quote erreichten bei der zweiten Impfung nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Im bundesweiten Vergleich am schlechtesten schnitt Baden-Württemberg ab, hier hatten nicht mal 90 Prozent die zweite Dosis bekommen. "Die Impflücken bei Masern sind weiterhin zu groß", schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nahm die Zahlen zum Anlass, um erneut eine Impfpflicht zu fordern: "Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen. Deshalb muss die Masernimpfung in Kindergärten und Schulen verpflichtend werden", sagte er. "Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft."

Eigentlich rät die am Robert Koch-Institut ansässige Ständige Impfkommission (Stiko) dazu, Kinder im Alter von elf bis 14 Monaten das erste Mal gegen Masern zu impfen. Im Alter von 15 bis 23 Monaten sollte die zweite Dosis folgen.

Alle Impfungen: Der Osten liegt vorn

Neben den Masernimpfungen beobachtete das Robert Koch-Institut auch bei den anderen, von der Stiko empfohlenen Impfungen, ein deutliches Ost-West-Gefälle. Bei allen empfohlenen Behandlungen hatten die Kinder in den östlichen Bundesländern einen besseren Schutz als die Kinder im Westen. Besonders groß war der Unterschied bei der Hepatitis-B-Impfung. Hier lag die Quote mit 90,5 Prozent in den östlichen Bundesländern um 4,3 Prozentpunkte höher als in den westlichen.

Daneben dokumentierten die Experten einen generellen, negativen Trend. Zwar entscheidet sich heute die große Mehrheit der Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Zwischen 2014 und 2017 sind die Quoten vieler etablierter Impfungen bei Schulanfängern jedoch kontinuierlich zurückgegangen, darunter die Zahlen für Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten oder Kinderlähmung.

So sank etwa die Prozentzahl der Kinder, die vollständig gegen Tetanus geschützt sind, zwischen 2014 und 2017 in Baden-Württemberg, Bremen und dem Saarland um zwischen drei und fünf Prozentpunkte. Nur in einem Bundesland deutschlandweit gab es eine Ausnahme: Mecklenburg-Vorpommern.

irb
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