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11. März 2014, 14:30 Uhr

Studie

Nur häufiges Massieren hilft bei Nackenschmerzen

Schmerzt der Nacken, erhoffen sich Betroffene oft Hilfe von einer Massage. Ob die wirklich nutzt, ist jedoch fraglich. Eine kleine US-Studie kommt nun zu dem Schluss: Viel Massage muss es sein - mindestens 60 Minuten am Stück, mehrmals die Woche.

Der Nacken ist verspannt und schmerzt - seit Wochen. Eine klare Ursache dafür konnte der Arzt nicht finden. Kein Tumor, keine neurologischen Probleme und auch sonst keine körperlichen Störungen verursachen den Schmerz.

Hält die Pein mehr als zwölf Wochen an, gilt sie als chronisch. Viele, die so lange vom Schmerz geplagt werden, wünschen sich Linderung durch Massagen. Doch Ärzte zögern zu Recht, ehe sie diese verschrieben, denn die Auswertung diverser Studien zeigte, dass Massagen kaum helfen. "Allenfalls ist Massage als Bestandteil eines multimodalen Behandlungsprogramms wirksam - wenngleich auch hierfür keine ausreichende Evidenz vorliegt", heißt es in der Leitlinie zur Behandlung von Nackenschmerzen.

Dort wird stattdessen zu Krankengymnastik geraten sowie zur Kräftigung der Muskulatur. Auch Akupunktur zählt zu den Therapieoptionen. Die sei vermutlich wirksamer als Massage, wobei aber der positive Einfluss von Massage ohnehin begrenzt sei, schreiben die Autoren der Leitlinie.

Ein Team von US-Medizinern um Karen Sherman von der University of Washington in Seattle ist nun der Frage nachgegangen, ob in vielen Studien schlicht zu kurz und zu selten massiert wurde und die Methode deshalb kaum Wirkung zeigte. Tatsächlich konnten die Forscher laut ihrem Bericht in den "Annals of Family Medicine" einen Dosiseffekt messen.

Kein aussagekräftiger Effekt für die 30-Minuten-Massagen

228 Patienten mit chronischem Nackenschmerz nahmen an der Studie teil, die von dem Zweig der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA, der sich mit Alternativmedizin beschäftigt, finanziert wurde. Die Probanden wurden in sechs Gruppen eingeteilt, fünf davon erhielten über vier Wochen Massagen. Je nach Gruppe zweimal oder dreimal 30 Minuten pro Woche beziehungsweise einmal, zweimal oder dreimal 60 Minuten pro Woche. Die sechste Gruppe stand auf einer Warteliste, bekam also keine Massage.

Die Masseure sollten den Betroffenen keine Tipps geben, wie sie mit Hilfe von zu Hause durchgeführten Übungen den Schmerz bekämpfen können. Schließlich sollte der Effekt der Massage selbst untersucht werden.

Fünf Wochen nach Studienbeginn wurden die Teilnehmer zu ihren Schmerzen befragt. Das Ergebnis: Diejenigen, die zwei- oder dreimal pro Woche je 30 Minuten lang oder einmal eine Stunde lang massiert worden waren, klagten fast genauso stark über Schmerzen wie jene Probanden, die auf der Warteliste standen. Allerdings waren die Unterschiede nicht groß genug, um bei der kleinen Teilnehmerzahl mit Sicherheit sagen zu können, dass sie nicht rein zufällig entstanden sind.

Lieber drei- als zweimal pro Woche

Nur die Probanden, die zwei- oder dreimal die Woche je 60 Minuten massiert wurden, hatten laut Befragung nach fünf Wochen eindeutig weniger Schmerzen. Dreimal pro Woche half demnach auch besser, als wenn die Patienten nur zweimal wöchentlich massiert wurden.

Dass Massage ausgesprochen beliebt ist, spiegelte die Studie wider: Die meisten Teilnehmer nahmen einen Großteil der für sie angebotenen Termine in Anspruch. Unerwünschte Nebenwirkungen traten selten auf, nur wenige Probanden klagten über zeitweise verstärkte Schmerzen infolge der Massagen.

Möglicherweise wurde in früheren Studien also zu wenig und zu kurz massiert, schließt das Team um Karen Sherman. In folgenden Untersuchungen, die sie empfehlen, sollten aus ihrer Sicht Probanden deshalb über mehrere Wochen mehrmals pro Woche 60 Minuten lang massiert werden, zusätzlich Tipps für Übungen gegen Nackenschmerzen erhalten und über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, um den langfristigen Nutzen der Massage besser zu beurteilen.

wbr

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