Meditation Wie Achtsamkeit das Herz stärkt

Wer sein Herz gesund halten will, kann es mit Meditation versuchen - empfiehlt ab jetzt offiziell die US-Herzgesellschaft. Allerdings mit einer Einschränkung.

Heben Sie in der Bahn Ihre Augen vom Buch, vom Smartphone. Beobachten Sie die Menschen um Sie herum. Folgen Sie mit Ihrem Blick dem Alltäglichen. Bewerten Sie nicht, was Sie sehen, denken Sie nicht weiter darüber nach, sondern schauen Sie nur.

Spätestens mit dem Boom der Achtsamkeit ist Meditation auch hierzulande sehr populär geworden. Momente der Ruhe finden, wieder richtig genießen lernen, Stress abbauen, zufriedener sein. Es gibt eine ganze Reihe von Effekten, die sich Menschen von solchen Übungen erhoffen.

Die US-amerikanische Herzgesellschaft fügt einen weiteren dazu: das Herz gesund halten. Meditation kann demnach als Ergänzung der bekannten Maßnahmen - darunter ausreichend Bewegung, Nichtrauchen, Bluthochdruck behandeln - sinnvoll sein.

In einer wissenschaftlichen Stellungnahme  hat sich ein Expertenteam mit der wissenschaftlichen Datenlage zum Thema Meditation und Herzgesundheit auseinandergesetzt. Die Fachleute haben sich dabei nur Meditationsformen ohne Bewegung angeschaut - denn Yoga, Tai-Chi oder andere Techniken, die körperliche und geistige Übungen verbinden, können sich ja allein schon wegen der Bewegung positiv aufs Herz auswirken.

Die große Einschränkung bei ihrem Ratschlag: Die Datenlange ist bescheiden. Viele Studien hatten wenige Teilnehmer oder eine kurze Laufzeit. Oft haben dieselben Forscher mehrmals zum Thema veröffentlicht - darunter solche, die offensichtlich große Meditationsfans und deshalb möglicherweise nicht ganz objektiv sind. Ob Meditieren das Herz schützt, ist also wissenschaftlich nicht bewiesen. Bisher lässt sich nur sagen: Es ist möglich.

Anzeige
Schröder, Felix, Weber, Nina

Was das Herz begehrt: Wie wir unser wichtigstes Organ bei Laune halten

Verlag: Edel Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Seitenzahl: 240
Für 16,95 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Günstig und ungefährlich

Folgende mögliche Effekte schreiben die Forscher Achtsamkeit, Zen-Meditation und ähnlichen Techniken zu:

  • Sie können möglicherweise helfen, den Blutdruck zu senken, wobei unklar ist, in welchem Maß (wenn überhaupt).
  • Sie können eventuell unterstützend wirken, wenn jemand mit dem Rauchen aufhört. Zigarettenkonsum ist nicht nur ein Risikofaktor für Krebs, sondern erhöht auch die Gefahr von Herzkreislaufleiden.
  • Ob Meditation das Risiko eines Herzinfarktes senkt? Auch dazu gibt es nur sehr wenige Untersuchungen, so dass sich noch kein sicherer Schluss ziehen lässt.
  • Generell scheint Meditation mit einem geringeren Stresslevel, besserem Schlaf und damit auch einem höheren Wohlbefinden zusammenzuhängen. Das kann wiederum das Herz entlasten, das zum Beispiel bei chronischem Stress mitleidet.

Zwei weitere Gründe sprechen aus Sicht der Experten dafür, die Techniken zu empfehlen: Zum einen ist es nicht teuer, Meditationstechniken zu erlernen - für den Einstieg kann ein Buch oder ein Online-Tutorial reichen. Zum anderen ist das Risiko schädlicher Nebenwirkungen gering, heißt es in der Stellungnahme.

Immer noch aktuell: Bewegung, gesunde Ernährung, Nichtrauchen

Das Expertenteam weist darauf hin, dass Meditation nicht die aktuellen Empfehlungen ersetzt, sondern nur eine mögliche Ergänzung darstellt.

Die Gesellschaft rät unter anderem zu einer abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie mit Nüssen, Vollkorn, Pflanzenölen, Geflügel und Fisch. Regelmäßige Bewegung sollte Teil des Alltags sein; möglichst mindestens 2,5 Stunden Bewegung mittlerer Intensität (zum Beispiel schnelles Gehen, Gartenarbeit) oder 75 Minuten hoher Intensität (zum Beispiel Laufen, schnelles Schwimmen, Fußball) wöchentlich. Erhöhter Blutdruck sollte behandelt werden. Und wer raucht, würde seinem Herzen guttun, indem er damit aufhört - vielleicht gelingt das ja mithilfe der Achtsamkeit.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angaben zur empfohlenen Bewegung präzisiert.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.