Medizinische Forschung Deutsche Unis halten Studienergebnisse zurück

Studie abgeschlossen, Ergebnis in der Schublade: Deutsche Universitäten veröffentlichen sehr oft Versuchsergebnisse nicht, geht aus einem aktuellen Bericht hervor. Das kann Patienten schaden.
Symbolbild

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Foto: Tom Werner/ Taxi/ Getty Images

Es geht um Medikamente gegen Multiple Sklerose, Therapien nach einer Nierentransplantation, die Behandlung von Kindern mit hohem Diabetesrisiko und vieles mehr: Laut einem Bericht  der Organisationen Transparimed und Buko Pharma-Kampagne wird ein Großteil der medizinischen Forschungsergebnisse deutscher Universitäten nicht rechtzeitig in der dafür vorgesehenen EU-Datenbank EudraCT veröffentlicht.

Wer eine klinische Studie in der Datenbank anlege, sei verpflichtet, die Ergebnisse spätestens ein Jahr nach Abschluss der Studie dort zu veröffentlichten. Passiere dies nicht, sei das ein Verstoß gegen EU-Regeln, heißt es im Bericht.

Laut der Untersuchung haben 35 deutsche Universitäten in der Datenbank 477 Studien hinterlegt, die nachweislich seit mindestens einem Jahr abgeschlossen sind. Doch nur in 32 Fällen - knapp sieben Prozent - wurden die Studienergebnisse veröffentlicht. In 445 Fällen fehlten dagegen zum Zeitpunkt der Auswertung die Informationen.

Dies kann durchaus negative Folgen für Patienten und für die weitere Forschung haben: Ergibt eine klinische Studie etwa, dass eine Therapie weniger hilft, als bislang vermutet, sollten Ärztinnen und Ärzte dies wissen, damit sie es bei künftigen Entscheidungen berücksichtigen können. Für andere Forscher ist es ebenfalls wichtig, etwa um weitere Studien entsprechend zu planen.

Zuerst hatten NDR, WDR und SZ über den Report berichtet . Die deutschen Hochschulen halten sich demnach weniger an die Vorgaben als Institute in anderen Ländern: Universitäten in Europa hätten im Schnitt 63 Prozent der Studienergebnisse in der EU-Datenbank veröffentlicht.

Der Bericht offenbart große Unterschiede zwischen den deutschen Universitäten: Während etwa die Uniklinik Münster 61 Prozent der Studienergebnisse innerhalb der Frist in der Datenbank veröffentlichte, taten andere Unis dies zum Teil überhaupt nicht.

"Sehr aufwendig"

Wie lässt sich das Versäumnis erklären? Laut NDR "reden sich auf Anfrage zahlreiche deutsche Universitäten damit heraus, die Veröffentlichung sei nicht verbindlich". Dem widerspricht allerdings das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Die Uni Freiburg teilte mit, die Veröffentlichung in der EU-Datenbank sei "sehr aufwendig". Mehrere verwiesen zudem darauf, dass sie die Ergebnisse in der deutschen Datenbank hochladen würden. Dies ist jedoch mit Blick auf internationale Forschung nicht ausreichend.

Der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler, sagte dem NDR, die öffentliche Förderung von Studien sollte davon abhängig gemacht werden, ob vorher durchgeführte Projekte in der vorgeschriebenen Weise veröffentlicht worden sind.

wbr