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01. Oktober 2018, 15:29 Uhr

Medizin-Nobelpreis 2018

Wie Selbstheilungskräfte den Krebs besiegen

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Die Immunforscher Tasuku Honjo und James Allison erhalten den Medizin-Nobelpreis. Denn sie erforschten, wie sich die Körperabwehr im Kampf gegen Krebs entfesseln lässt.

James Allison musste sich schon früh mit Krebs auseinandersetzen. Er war ein Kind, als seine Mutter an der Krankheit starb. Auch Allisons Bruder erlag vor einigen Jahren einer Krebserkrankung.

Heute hilft die Forschung des US-Amerikaners, manchen Menschen ein solches Schicksal zu ersparen. Denn Allison entdeckte eine Möglichkeit, das Immunsystem dabei zu unterstützen, Krebszellen effizienter anzugreifen. Entsprechende Medikamente, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, sind bereits auf dem Markt.

Für seine Arbeit erhält Allison, der an der University of Texas arbeitet, in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Mit ihm zusammen wird der Japaner Tasuku Honjo von der Universität Kyoto geehrt, der diese Mechanismen ebenfalls erforscht.

Die beiden Forscher hätten den Kampf gegen Krebs entscheidend vorangebracht, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees.

Medizin-Nobelpreis: Krebsforscher ausgezeichnet

Krebs von innen bekämpfen

Das Immunsystem bei der Bekämpfung von Krebs zu nutzen, das klingt plausibel - schließlich ist es ja sein Job, im Körper Fremdes und Krankes zu entsorgen. Die praktische Umsetzung jedoch entpuppte sich als sehr schwierig. Mehr als hundert Jahre lang hätten Forscher dies mit mäßigem Erfolg versucht, schreibt die Nobelpreis-Stiftung. Erst die Arbeit der nun ausgezeichneten Wissenschaftler habe den Durchbruch gebracht und damit die Krebstherapie revolutioniert.

Um ihre Forschung zu verstehen, muss man einen grundlegenden Aspekt des Immunsystems kennen: Es muss ständig sehr genau abwägen, ob eine Struktur fremd oder krankhaft verändert ist und zerstört werden muss - oder ob sie zum Körper gehört, gesund ist und damit in Ruhe gelassen werden sollte.

Immunzellen erkennen deshalb Signale anderer Zellen und werden entsprechend aktiv. Honjo und Allison entdeckten zwei Proteine, die an diesem Prozess entscheidend beteiligt sind, der Japaner das sogenannte PD-1, der Amerikaner das CTLA-4.

Die Bremsen lösen

Beide Proteine arbeiten als Bremsen; sie können eine Immunantwort verhindern. Das Immunsystem vor Überaktivität zu bewahren, ist wichtig. Greift es eigenes Gewebe unbegründet an, macht es nicht gesund, sondern krank. Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose sind die Folge. Die Idee, diese Bremsen bei der Therapie von Autoimmunkrankheiten einzusetzen, ist nahe liegend - Allison hatte jedoch Mitte der Neunzigerjahre eine andere: Wie wäre es, die Bremse zu lösen, damit das Immunsystem Krebszellen angreifen kann? Denn Krebszellen nutzen zum Teil eben jene Bremsen, um dem Immunsystem zu entgehen.

Erste Versuche an Mäusen waren erfolgreich, später folgten Studien mit Patienten. Als erstes Medikament kam der Checkpoint-Inhibitor Ipilimumab auf den Markt, der die Bremse CTLA-4 löst. Das Mittel ist in Europa zur Behandlung von fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs zugelassen. Inzwischen sind weitere Medikamente verfügbar, die sich gegen das von Honjo entdeckte PD-1 richten. Zum Teil werden die Mittel bei der Krebstherapie kombiniert.

Die Behandlung kann schwere Nebenwirkungen haben, allerdings gilt das für alle Krebstherapien. Sie hilft auch nur einem Teil der Patienten, bei anderen schlägt sie nicht an. Und es ist bisher noch kaum gelungen, die Checkpoint-Inhibitoren gegen einige der häufigsten Krebsformen zu richten - Darmkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs. Auch über die Preise, die Pharmaunternehmen für die neuartigen Medikamente aufrufen, kann man streiten - die Kosten eines Behandlungszyklus sind fünf- oder sogar sechsstellig.

Trotz dieser Einschränkungen bescherte die Arbeit von Allison und Honjo der Krebstherapie einen wahren Durchbruch. Dabei hatte Allison trotz seiner Familiengeschichte dies ursprünglich gar nicht als Ziel. Er sagt, er wollte die Prozesse der T-Zellen im Immunsystem besser verstehen - "diese unglaublichen Zellen, die durch unseren Körper reisen und uns beschützen". Nun können diese Zellen das manchmal, dank seiner Arbeit, noch ein bisschen besser.

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