Mers-Virus Südkorea meldet 64 Infizierte und fünf Tote

Immer mehr Menschen infizieren sich in Südkorea mit dem Mers-Virus. Die Regierung will den Ausbruch mit Quarantäne und Hygiene unter Kontrolle bringen.


In Südkorea haben sich bereits 64 Menschen mit dem Mers-Virus angesteckt, fünf von ihnen starben. Allein am Sonntag meldete das Gesundheitsministerium 14 neue bestätigte Fälle. Es ist der größte Ausbruch der schweren Atemwegserkrankung außerhalb des Nahen Ostens. Der geschäftsführende Premierminister Choi Kyoung-Hwan versuchte die Bevölkerung zu beruhigen. Bisher seien alle aktuellen Mers-Fälle auf Infektionen in Krankenhäusern zurückzuführen. Die Regierung könne den Ausbruch unter Kontrolle bringen.

"Mit angemessener Quarantäne und Hygiene wird sich das Virus nicht so sehr verbreiten", sagte der Premierminister. Mehr als 2000 Menschen, die sich angesteckt haben könnten, sind unter Quarantäne gestellt, fast 1300 Schulen und Kindergärten vorübergehend geschlossen.

Mers-Patientin geheilt

Auf wachsenden Druck nannten die Behörden die Namen von 24 Krankenhäusern, in denen Mers-Patienten behandelt wurden. Von den neuen Patienten am Wochenende habe sich die Mehrzahl im Samsung Medical Center in der Zehn-Millionen-Metropole Seoul infiziert, hieß es. Ein 75 Jahre alter Mann sei am Samstag gestorben. Bei ihm wurde das Mers-Virus nach seinem Tod nachgewiesen.

Zudem meldete das Ministerium, dass erstmals eine zuvor mit Mers infizierte Patientin in Südkorea wieder gesund sei. Die Frau des ersten Mers-Patienten habe das Krankenhaus verlassen. Ihr Mann sei ebenfalls auf dem Weg der Genesung, berichteten südkoreanische TV-Sender unter Berufung auf die Behörden.

Bei dem 68-Jährigen war am 20. Mai das Virus nach einer Nahost-Reise nachgewiesen worden. Alle weiteren Infektionen von Patienten, Klinikpersonal oder Besuchern gingen von ihm aus.

Viren stammen von Kamelen

Eine Analyse des Virus-Erbguts habe ergeben, dass es sich nicht von einem Erreger-Stamm unterscheide, der im Nahen Osten vorkomme, teilte das Ministerium mit. Die Viren eines südkoreanischen Mers-Patienten glichen zu 99,55 Prozent einer Virenprobe von einem Infizierten in Saudi-Arabien. Gesundheitsexperten hatten befürchtet, dass sich der Erreger verändert habe und sich so rascher ausbreiten könnte.

Das Mers-Virus wurde 2012 zum ersten Mal in Saudi-Arabien nachgewiesen. Der Erreger wurde nach bisheriger Erkenntnis seit vielen Jahren unerkannt von Kamelen auf Menschen übertragen. Er gehört zu den Coronaviren, zu denen viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zählen. Typische Symptome des "Middle East Respiratory Syndrome" sind Fieber, Atemprobleme, Lungenentzündung und Nierenversagen. Bis zum 4. Juni waren bei der Weltgesundheitsorganisation 1185 bestätigte Mers-Fälle erfasst, mindestens 443 der Patienten starben.

hda/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Alfons Emsig 07.06.2015
1. Gefährlich?
Rund 450 Tote in drei Jahren - bin ich der Einzige, der dieses Virus vergleichsweise harmlos findet? Sollen die Tamiflu-Verkäufe wieder einmal angekurbelt werden, nachdem dieses Präparat in Verruf geraten ist?
feri-aus-berlin 07.06.2015
2.
Ich verstehe die Statistik und Dramatik auch nicht. die Gruppe tötet viel mehr Menschen. vermutlich auch Lungenentzündungen geschweige denn Auto fahren. vielleicht wäre mal ein erklärender Bericht gut, der das Drama und die Zahlen gegenüberstellt. Ich meine das ernst, ich hätte das mal gerne erläutert :-/
Paul Max 07.06.2015
3. ...
oder ist es Milzbrand? Man hat doch gerade eine "Lieferung" erhalten. Nein, die Erreger sind gut unterscheidbar, nur die Syptome können sehr ähnlich sein. Und bei MERS kommt keiner auf die Idee, dass man sich nicht nur in Middle East anstecken kann, und von Mensch auf Mensch geht auch jetzt richtig gut
schaafsnase 07.06.2015
4.
Zitat von Alfons EmsigRund 450 Tote in drei Jahren - bin ich der Einzige, der dieses Virus vergleichsweise harmlos findet? Sollen die Tamiflu-Verkäufe wieder einmal angekurbelt werden, nachdem dieses Präparat in Verruf geraten ist?
Dieses Virus wird offenbar durch Tröpfcheninfektion übertragen, wie Beispielsweise SARS oder die Grippe. Was die Grippe kann sollten sie wissen, was SARS ausgelöst hätte, ohne rigorose Quarantäne, kann man nur ahnen. Mit Tamiflu haben Corona Viren aber auch so rein gar nix zu tun. Das Risiko einer Epedimie aber sehr wohl was mit Stimmungsmache und Bildungslücken, siehe Ebola.
ichbinsjetzt 07.06.2015
5. Dramatisch?
Sicherlich, wenn die Quarantäne nicht wäre. Es ist schon erstaunlich über wss sich Menschen mittlerweile lustig machen. Online Rollenspiele härten scheinbar ab? In der realen Welt ist der Tod für immer.
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