Fußschmerzen Wenn der Vorfuß zur Baustelle wird

Fußschmerzen können das Leben zur Qual machen. Das Problem: Die Ursachen für eine sogenannte Metatarsalgie sind vielfältig - ebenso die möglichen Therapien. Nicht immer ist eine OP nötig.
Fuß-Anatomie (Illustration): Schmerzen im Vor- und Mittelfuß sind Häufig eine Folge von Belastungen

Fuß-Anatomie (Illustration): Schmerzen im Vor- und Mittelfuß sind Häufig eine Folge von Belastungen

Foto: Corbis

Manchmal ist es der Skischuh, der schlimmste Qualen bereitet, manchmal sind es die High Heels oder die Anzugschuhe mit harten Kunststoffsohlen. Mitunter aber schmerzt es bei jedem Schritt - egal für welches Schuhwerk man sich entschieden hat. Ganz unabhängig von ihrer Ursache werden diese Fußschmerzen unter dem Begriff Metatarsalgie zusammengefasst. Etwa 50 Prozent aller über 50-Jährigen haben immer wieder Fußschmerzen, auch die Jüngeren klagen bereits.

Die Ursachen für die Schmerzsymptome sind unterschiedlich: Häufig ist es eine gestörte Mechanik des Vorfußes, wie sie etwa bei einem Spreizfuß auftritt, die zu Schmerzen und Schwielen im Bereich der Grundgelenke der zweiten und dritten Zehe führt.

Menschen mit Spreizfuß haben häufig auch Krallenzehen: Aufgrund der Instabilität im Vorfuß versuchen die Betroffenen, sich mit den Zehen festzukrallen und so stabiler zu stehen. Mitunter haben Menschen mit Spreizfuß zudem einen Hallux valgus, also einen schiefstehenden Großzeh.

Übergewicht und High Heels können das Problem verstärken

All diese Probleme können zu einer Metatarsalgie führen. "Wobei ein schwaches Bindegewebe und eine schlecht trainierte Fußmuskulatur mindestens eine so große Rolle spielen, wie die häufig zitierten spitz zulaufenden Schuhe", sagt Markus Walther, Ärztlicher Direktor der Schön Klinik München Harlaching und Chefarzt des Zentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie.

Übergewicht, entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder das Tragen hochhackiger Schuhe können die gestörte Vorfußmechanik verstärken. Ebenso kann es zu einer Überlastung der Mittelfußknochen kommen, wenn der Druck bei der Abrollbewegung stark erhöht ist, weil die Achillessehne oder die Wadenmuskulatur chronisch verkürzt sind. Ursache dafür ist wiederum häufig das regelmäßige Laufen in High Heels. Durch geeignetes Training ist es möglich, die Sehnenverkürzung rückgängig zu machen.

Auch ein fehlendes Fettpolster kann Schmerzen im Vorfuß verursachen. Je dünner das Fettpolster auf der Fußsohle ist, desto empfindlicher wird der Vorderfuß. "Besonders anfällig hierfür sind schlanke, athletische Menschen in der zweiten Lebenshälfte, manchmal trifft es aber auch schon magersüchtige Frauen zwischen 20 und 30 Jahren", sagt Walther.

Schmetterlingsrolle hilft

Was aber können Betroffene tun, um ihre Qualen beim Laufen zu lindern? Eine Operation sei nicht immer nötig, um die Schmerzen zu stoppen, sagt Walther.

So können individuell angefertigte Einlagen mit eingebautem Polster helfen, den Druck gleichmäßiger zu verteilen. Zudem sollten Betroffene Schuhwerk verwenden, das im Bereich des Vorfußes weich ist. Möglich ist auch das Anbringen einer sogenannten Schmetterlingsrolle: Diese dünne Zusatzsohle in Schmetterlingsform und mit einer Aussparung im Vorfußbereich wird unter die Sohle geklebt. Auf diese Weise steht der Fuß nicht mehr mit dem schmerzenden Mittelfußknochen auf dem Boden, und die Belastung verteilt sich auf die Randbereiche des Fußes.

In manchen Fällen kann ein Eingriff sinnvoll sein: Krallenzehen können zwar anfangs konservativ behandelt werden. In fortgeschrittenem Zustand aber kann aber eine OP nötig sein, weil sich benachbarte Zehen über- und untereinander schieben. Auch bei einem Hallux valgus kann man zunächst eine Spreizbandage einsetzen. Allerdings ist der Langzeiteffekt umstritten. Und um eine knöcherne Fehlstellung zu korrigieren, ist meistens eine Operation erforderlich.

Wer einer gestörten Fußmechanik vorbeugen will, kann vor allem eines tun: zu Hause oder im Gras möglichst oft barfuß laufen.

HILFE BEI FUßSCHMERZEN

Wenn Skischuhe zur Qual werden

Schmerzt das Tragen von Skischuhen, kann ein Morton-Neurom dahinter stecken. Neurome sind gutartige Tumore, die aus Nervenzellen und -fasern bestehen. Besonders der Nerv zwischen der dritten und vierten Zehe ist davon betroffen.
Im Laufe des Lebens wird das umgebende Bindegewebe hart und drückt auf den dort verlaufenden Nerv. Die Behandlung erfolgt mit Injektionen direkt am Nerv. Oder es muss operiert werden. "Indem man das Bindegewebe durchtrennt, verschaffen wir dem Nerv Platz. Hat sich ein Nervenknoten gebildet, wird er entfernt", erklärt Markus Walther, Ärztlicher Direktor der Schön Klinik München Harlaching und Chefarzt des Zentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie.

Überlastung stresst den Knochen

Die Überlastung des Vorderfußes kann haarfeine Risse verursachen, die zunächst nur in einer Kernspin-Aufnahme zu sehen sind (MRT). Vor allem jüngere Menschen sind von solchen Stressfrakturen betroffen. Bei älteren Menschen kann es dazu kommen, weil sich die Knochendichte - altersbedingt oder durch einen Vitamin-D-Mangel - vermindert hat. "Diese Betroffenen sollten täglich 1000 IE Vitamin D3 einnehmen und die Belastung des Fußes für mindestens sechs Wochen stark reduzieren", sagt Walther.

Rheuma beginnt häufig in den Zehen

Etwa 50 Prozent der Rheumapatienten haben anfangs Fußschmerzen, weil ihr Rheuma in den Zehengelenken beginnt. Typische Veränderungen im Röntgenbild und ein Blutbild zur Bestimmung der Rheumafaktoren führen zur richtigen Diagnose. Die Therapie besteht aus weichen Einlagen und einer Behandlung des Rheumas.

Zur Autorin

Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

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