Risiko für Herzkrankheiten So schnell lohnt sich der Rauchstopp

Selbst bei starken Ex-Rauchern sinkt wenige Jahre nach dem Aufhören das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Herz kann sich sogar fast komplett erholen.

"Es lohnt sich immer, mit dem Rauchen aufzuhören, selbst wenn man zu den starken Rauchern gehörte"
Robert Herhold/ Getty Images

"Es lohnt sich immer, mit dem Rauchen aufzuhören, selbst wenn man zu den starken Rauchern gehörte"


Dass es sich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, ist klar. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie lange das Herz braucht, um sich von den Folgen zu erholen.

Demnach sinkt das Risiko eines Ex-Rauchers für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach 10 bis 15 Jahren annähernd auf das Level eines Nichtrauchers. Nach fünf Jahren gebe es jedoch bereits eine deutliche Verbesserung, berichten US-Forscher im Fachmagazin "JAMA".

Für ihre Auswertung nutzten die Wissenschaftler Daten von Teilnehmern der Framingham-Herz-Studie. Diese dokumentiert seit 1948 Herzerkrankungen und Lebensstil der Bewohner in der Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts. Die Wissenschaftler beschränkten sich auf Daten der ersten Studienteilnehmer sowie Daten von deren Kindern, die ab 1971 in die Studie einbezogen wurden.

Insgesamt lagen Informationen von 8770 Teilnehmern vor, von denen 2371 stark geraucht hatten oder noch stark rauchten - also mindestens 20 Jahre lang eine Schachtel täglich konsumierten. Im beobachteten Zeitraum von durchschnittlich 26 Jahren entwickelten 2435 der Teilnehmer eine schwerwiegende Krankheit des Herz-Kreislauf-Systems, hatten etwa einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder Herzversagen.

Selbst für starke Raucher lohnt sich das Aufhören

Die starken Ex-Raucher hatten laut der Auswertung fünf Jahre nach dem Aufhören ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten als Teilnehmer, die weiterhin rauchten:

  • Während bei den Rauchern statistisch innerhalb eines Jahres im Schnitt 12 von 1000 Personen erkrankten, waren es bei den Teilnehmern, die vor fünf Jahren aufgehört hatten, sieben von 1000 Personen.
  • Bis sich das Risiko der Ex-Raucher dem der Nichtraucher annäherte, dauerte es jedoch 10 bis 15 Jahre. In dieser Gruppe erkrankten innerhalb eines Jahres im Schnitt sechs von 1000 Ex-Rauchern, bei den Teilnehmern, die nie geraucht hatten, waren es fünf.

Diese Zeitspanne sei länger als in einigen früheren Untersuchungen angenommen, schreiben Meredith Duncan und ihr Team vom Vanderbilt University Medical Center. Im Schnitt waren die Teilnehmer erst 42 Jahre alt.

"Es lohnt sich immer"

"Bislang nahm man an, dass das Risiko sich bereits nach fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers normalisiert", sagt Harm Wienbergen vom Klinikum Links der Weser in Bremen. Raucher sollten sich durch die längere Zeitspanne jedoch nicht entmutigen lassen: "Die Studie zeigt klar, dass es sich immer lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, selbst wenn man zu den starken Rauchern gehörte."

Das gelte zumindest für das Risiko von Herzerkrankungen, andere gesundheitliche Folgen des Rauchens wie Schäden an der Lunge oder Krebserkrankungen hatten die Wissenschaftler nicht berücksichtigt.

Für Ärzte seien Informationen über die Herzgesundheit ehemaliger Raucher unter anderem wichtig für die Therapieplanung, sagt Wienbergen. "Bislang werden Ex-Raucher nach fünf Jahren Abstinenz wie Nichtraucher behandelt. Die Studie legt nun nahe, dass sie für längere Zeit in eine höhere Risikogruppe einzuordnen sind."

Am besten vor dem 45. Lebensjahr aufhören

Kürzlich hatten australische Wissenschaftler ermittelt, dass Raucher ein etwa dreimal so hohes Risiko wie lebenslange Nichtraucher haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, sei bei ihnen doppelt so hoch, hatten die Forscher im Fachmagazin "BMC Medicine" berichtet.

Die gute Nachricht: Wer es schaffe, vor dem 45. Lebensjahr mit dem Rauchen aufzuhören, könne etwa 90 Prozent des durchs Rauchen verursachten Risikos für Herz-Kreislauf-Probleme schwinden lassen, hatten auch diese Forscher ermittelt.

irb/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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hw7370 22.08.2019
1. Mentale Frage
Ich habe 40 Jahre lang geraucht, in den letzten Jahren bis zu 3 Paeckchen am Tag. Von heute auf morgen habe ich aufgehoert. Einfach stop. Die ersten drei Monate waren muehelos und erst danach traten einige Suchterscheinigungen auf. Ich sagte mir, dass ich schoen bloede sien muesste, dem Drang wieder nachzugehen. Das war im Jahr 2000, also vor fast 20 Jahren. Ich habe in der Zwischenzeit drei Herzinfarkte bekommen und alle drei ueberlebt. Die Aerzte und ich waren der gleichen Ansicht: dass ich nicht mehr rauche hat mir das Leben gerettet. Und ich hatte bemerkt, dass das aufhoeren keine Frage der koerperlichen Abhaengigkeit ist, sondern mental bestimmt wird. All die Versuche jeden Tag etwas weniger zu rauchen sind Sinnlos und Selbstbetrug. Man muss zu seiner Entscheidung innerlich stehen, dann geht es. Auch diese Elektrozigarettenn gehoeren meiner Ansicht nach zur Gefahr fuer den Koerper und das Leben.
Humanfaktor 22.08.2019
2. Promillewerte
Bei genauer Betrachtung, und wenn alle Faktoren in die Betrachtung einfließen, ist der gesundheitliche Vorteil des Aufhörens mit dem Rauchen zwar im direkten Vergleich deutlich erkennbar, aber in der Totalen doch recht überschaubar. Aus der Gruppe der Menschen, die nie geraucht haben erkranken 6 pro Mille und aus der Gruppe der Raucher 12 Promille an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese singuläre Betrachtung hat einen recht geringen Entscheidungswert, meine ich. Dazu kommen all die nicht erwähnten/untersuchten Faktoren, was die Aussagekraft noch deutlich reduziert. Ich habe aufgehört zu rauchen als ich 44 war und es ging mir bereits im ersten Jahr gesundheitlich und hinsichtlich der Leistungsfähigkeit deutlich besser. Vor allem aber habe ich in diesen 13 Jahren das Geld eingespart, das davor üblicherweise in die Luft gegangen ist. in diesen 13 Jahren kamen immerhin rund 24.000 €uro zusammen -netto/netto/netto. Wen das nicht überzeugt, wird sich von ein paar Jahren mehr oder weniger, oder Chancen auf bessere Gesundheit im rechnerischen im Promillebereich, auch nicht verlocken lassen, möchte ich wetten.
johannmeier 22.08.2019
3. Grober Unfug..
nach langen Jahre Rauchen sind bei 90 % der Raucher die Kappilargefaesse irreversibel veraengt durch Kalkablagerungen an den Innenwaenden der Gefasse - was zu grosser Infarktgefahr fuert. Lungen koennen sich sehr gut neu generieren - Herzgefasse nicht.
claus7447 22.08.2019
4. Gut zu lesen!
2007 nach ich weiß nicht genau wieviel Anläufen final aufgehört. OK so ca. 4 kg blieben auf den Rippen. Auch ein guter Freund - allerdings erst nach einem Augeninfarkt. Man konnte ihm helfen. Er fragte den Arzt - "lebe ich länger?" - trocken die Antwort: "Nein aber sie sterben gesünder!"
PeterVietz 22.08.2019
5. Was nie wieder aus dem Körper verschwindet...
...ist der Teer in der Lunge. 20 Zigaretten pro Tag heißt eine Kaffeetasse Teer im Jahr. Teer verschwindet deswegen nie wieder aus der Lunge, weil dieser so zähflüssig ist. Und Lösungsmittel oder Hitze kann bei der Lunge ja schlecht angewendet werden.
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