Daten aus 204 Ländern Suizidrate geht weltweit zurück

Eine Analyse internationaler Bevölkerungsdaten zeigt, dass sich relativ gesehen immer weniger Menschen das Leben nehmen. Bei den über 70-Jährigen ist die Suizidrate weltweit jedoch am höchsten.
In einer Altersstufe ist die Suizidrate höher als in anderen: Im Alter ab 70

In einer Altersstufe ist die Suizidrate höher als in anderen: Im Alter ab 70

Foto: ozgurcankaya / Getty Images

Der Anteil an Suiziden ist in den vergangenen 30 Jahren weltweit gesunken. Das geht aus einer Analyse internationaler Daten hervor, die online in der wissenschaftlichen Zeitschrift »Injury Prevention«  veröffentlicht worden ist. Die Gesamtzahl der Todesfälle, die durch einen Suizid verursacht worden sind, ist im betrachteten Zeitraum demnach um rund 20.000 gestiegen – relativ zur wachsenden Bevölkerung gesehen ist das aber ein Rückgang.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nehmen sich jährlich weltweit rund 800.000 Menschen das Leben , viele mehr begehen einen Suizidversuch. Die aktuelle Analyse der chinesischen Forscher um Paul Siu Fai Yip zeigt auch, dass Suizide in einer Altersklasse eine besonders große Rolle spielen: In fast allen Regionen der Welt war die Selbstmordrate bei den über 70-Jährigen am höchsten. Für eine Weltgesellschaft, die immer älter wird, ist das ein Problem.

Weltweit gibt es große Unterschiede

Für die Erhebung nutzten die Forscher Daten aus der Global Burden of Disease Study (GBD) 2019. Diese Studie enthält Bevölkerungsschätzungen für 204 Länder und Gebiete für den Zeitraum zwischen 1950 und 2019, aufgeschlüsselt nach Ort, Alter und Geschlecht. Außerdem wurden Informationen zu 369 Krankheiten und Verletzungen von 1990 bis 2019 nach Alter und Geschlecht erfasst.

Die Wissenschaftler untersuchten, welchen Einfluss Altersstruktur und Bevölkerungswachstum auf die Suizidrate hatten und schlüsselten die Ergebnisse für vier Einkommensregionen auf, die die Weltbank definiert: eine Region mit niedrigem Einkommen, eine mit einem unteren mittleren Einkommen, eine mit einem oberen mittleren Einkommen und eine Region für ein hohes Einkommen.

Hat das Geschlecht einen Einfluss aus die Selbstmordrate?

Konkret fanden sie heraus: Lag die Suizid-Rate im Jahr 1990 weltweit bei 13,8 pro 100.000 Einwohner, sank sie bis zum Jahr 2019 auf einen Wert von 9,8 pro 100.000 Menschen. Die absolute Zahl der Suizidtoten stieg von 738.799 im Jahr 1990 auf 758.696 im Jahr 2019.

Und es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei den Männern sank die Rate innerhalb des untersuchten Zeitraums von 16,6 auf 13,5 pro 100.000. Bei Frauen verringerte sich der Anteil von 11 auf 6,1 pro 100.000 – und damit stärker als bei Männern.

Das Einkommen ist relevant

Als prägend erwies sich auch die Einkommensstruktur: Am stärksten sank den Forschern zufolge der Anteil der Suizide in den Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich – um 6,25 Fälle pro 100.000 Einwohner. An zweiter Stelle folgten die Länder mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich, mit einem Rückgang von 2,51 pro 100.000.

»Die Gründe für den signifikanten Rückgang der Suizidraten in allen Einkommensregionen müssen noch ermittelt werden«, schrieben die Forscher. Eine Rolle könnten die weltweiten Bemühungen der WHO und der Vereinten Nationen zur Förderung nationaler Initiativen zur Suizidprävention gespielt haben, vermuten sie.

Die »schnell alternde Bevölkerung« ist eine Herausforderung

Deutlich zeigte sich aber auch der Alterseffekt: In der Gruppe mit einem Alter ab 70 Jahren lag der Anteil an Suiziden überdurchschnittlich hoch, über alle Einkommensregionen verteilt. Dazu heißt es in der Analyse: »Da die Selbstmordraten bei älteren Menschen in fast allen Regionen der Welt bei beiden Geschlechtern am höchsten sind, wird die schnell alternde Bevölkerung weltweit eine große Herausforderung für die Verringerung der Zahl der Selbstmordtoten in der Zukunft darstellen.«

Doch besonders in Weltregionen mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei es notwendig, mehr Unterstützung und mehr Ressourcen für die Suizidprävention bereitzustellen. Darüber hinaus werde die Suizidprävention bei älteren Menschen angesichts der rasch alternden Weltbevölkerung in allen Einkommensregionen immer wichtiger.

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vki
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