Mittel gegen Mücken Sssssssss - Problem gelöst!
Nicht kratzen: Ein Enzym im Mückenspeichel löst den Juckreiz aus
Foto: Andreas Lander / dpaDieses unheilvolle Summen neben dem Ohr verwandelt auch den ruhigsten Menschen in ein aggressives Rumpelstilzchen: Sommerzeit ist Mückenzeit. Die Weibchen sind jetzt auf der Suche nach Nährstoffen, die sie brauchen, um nach der Befruchtung Eier bilden zu können. Und die bekommen sie, indem sie bei Menschen oder Tieren Blut saugen.
In diesem Sommer müssen sich die Deutschen auf besonders viele Stiche einstellen. Gerade in den Hochwassergebieten des Landes hatten die Mücken ideale Brutbedingungen. In einem Quadratmeter Uferbereich einer Hochwasserpfütze können bis zu 50.000 Mückeneier heranreifen. Innerhalb weniger Wochen schlüpft daraus die nächste Mückengeneration. Die aktuelle Hitzewelle tut ihr übriges, vielerorts tanzen dunkle Schwärme mit Tausenden Insekten durch die Luft.
Wer sich von den Plagegeistern nicht die Lust auf Garten, Park oder See vermiesen lassen möchte, muss sich schützen. Für Fans pflanzlicher Wirkstoffe ist es ratsam, sich ätherische Öle wie Zitronenöl auf die Haut aufzutragen. Die abschreckende Wirkung halte aber nicht besonders lange an, warnt Frank Siebenhaar, Facharzt am Allergiezentrum der Berliner Charité. "Wirksamer sind künstliche Wirkstoffe. Nach dem aktuellen Kenntnisstand wirkt der Stoff DEET (Diethyltoluamid) am effektivsten und längsten."
Die Substanz ist im Handel zum Beispiel unter dem Namen Anti-Brumm erhältlich. Sie hat aber auch Nachteile: DEET kann unter Umständen die Haut reizen. Außerdem sollten Schwangere, Mütter in Stillzeit sowie Kinder unter drei Jahren DEET lieber nicht anwenden. Besondere Vorsicht gilt auch bei gleichzeitiger Anwendung von Sonnencremes, das Mückenabwehrmittel vermindert den Schutz deutlich.
Weihrauchgewächse als Mückenabwehr hält der Dermatologe hingegen für wenig sinnvoll, genauso wie Duftkerzen: "Es gibt keine Studie, die die Wirkung solcher Alternativen systematisch untersucht hätte. Ich würde mich nicht darauf verlassen." Allerdings gebe es einige Pflanzen mit einer abweisenden Wirkung. Darunter fallen Lavendel, Minze oder Basilikum, die alle ätherische Öle produzieren.
Mückenweibchen lieben Schweiß
Grundsätzlich jedoch reagieren Mücken, anders als Bienen und Wespen, nicht so stark auf Düfte. Das hat auch einen Vorteil: von blumigen Parfums etwa werden die Plagegeister nicht so schnell angezogen. Körpergeruch hingegen kann Mücken anlocken, erklärt der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), Klaus Strömer: "Neuere Forschungsergebnisse scheinen zu bestätigen, dass tatsächlich die Zusammensetzung des Körperschweißes, aber auch die Schweißmenge Einfluss auf das Stechverhalten der Mückenweibchen haben."
Die beste Prävention sei immer noch das eigene Verhalten, sagt Siebenhaar: "Halte ich mich etwa in Wäldern oder an stehenden Gewässern auf, erhöht das natürlich das Stichrisiko." An solchen Orten ist es sinnvoll, sich mit entsprechender Kleidung zu schützen. Lange Hosen, Socken und langärmlige Oberteile verringern die Gefahr, gestochen zu werden. Dabei sollten die Kleidungsstücke nicht zu dünn sein und nicht zu eng am Körper anliegen. Sonst können die Insekten durch den Stoff stechen. Alternativ ist es auch möglich, unter der Kleidung Schutzmittel aufzutragen. Strömer rät zudem, regelmäßig zu duschen, da die Mücken durch den Geruch von Milch- und Fettsäuren der Haut angelockt werden.
Echte Mückenallergien sind eine Rarität
Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einen Stich erwischt, sollte vor allem eins tun: nicht kratzen. Sonst steigt die Gefahr, dass Bakterien in die dann offene Wunde geraten und Infektionen verursachen. Der Juckreiz stammt übrigens gar nicht vom Stich selbst. Er wird durch ein spezielles Enzym im Mückenspeichel hervorgerufen, das dafür sorgt, dass das Blut nicht so schnell gerinnt und beim Saugen flüssig bleibt.
Lindernde Wirkung verschaffen kühlende Gele oder Aloe-Vera-Lotionen, aber auch Hausmittel wie Zitronensaft oder Essig mildern den Juckreiz. Immer verfügbar und tatsächlich hilfreich ist Spucke. Der Speichel kann zwar keine Wunder vollbringen, seine Wirkung geht aber über den reinen Placeboeffekt hinaus. Verdunstet der Speichel auf der Haut, kühlt er und mildert so den Juckreiz. Bestandteile des Speichels lassen außerdem Wunden besser heilen.
Manche Menschen reagieren überempfindlich auf Mückenstiche. Bei ihnen schwillt der Stich meist stark an, oft bleibt die Schwellung über mehrere Tage erhalten. Bei solchen Symptomen rät Siebenhaar zu Allergietabletten. Antihistaminika, vielen vom Heuschnupfen bekannt, können prophylaktisch eingenommen werden. Wirklich gefährliche Mückenallergien sind dagegen äußert rar. "Das kann bis zum allergischen Schock führen", sagt Siebenhaar. Weltweit seien bisher aber weniger als zehn solcher durch Mückenstiche verursachten Fälle beschrieben worden.