Gebärmutter-Myome Diese Krankheit trifft fast jede vierte Frau

Viele Frauen haben Wucherungen in der Gebärmutter, sogenannte Myome. Sie können die Periode zur Qual machen und Probleme in der Schwangerschaft bereiten. Die wichtigsten Antworten zu dem weitverbreiteten Leiden.
Von Judith Merkelt-Jedamzik
Symbolbild

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Foto: Martin Dimitrov/ Getty Images

Anja Herbst (Name geändert) ist Ende dreißig, als ihre Periode immer massivere Beschwerden verursacht. Sie hat schmerzhafte Krämpfe, blutet stärker und übersteht die Monatsblutung nur noch unter Schmerzmitteln. Die Ursache: Herbst hat Myome, das sind gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Myome entstehen aus den Muskelzellen der Gebärmutter und wachsen unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen.

Wie häufig die Myome sind, ist schwer zu schätzen, weil viele Studien nur Frauen berücksichtigen, bei denen Beschwerden auftreten. Doch auch das ist extrem häufig der Fall: 20 bis 25 Prozent aller Frauen  im fruchtbaren Alter erhalten irgendwann die Diagnose.

Welche Anzeichen deuten auf Myome hin?

Oft machen sich Myome wie bei Anja Herbst durch Veränderungen der Regelblutung bemerkbar. Diese kann mit langanhaltenden Schmerzen und Krämpfen verknüpft sein, mit besonders starken Blutungen einhergehen oder länger als sieben Tage andauern.

Daraus kann sogar ein Eisenmangel entstehen, weil die Frauen in der Periode recht viel Blut verlieren. Die sogenannte Anämie führt zu Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit.

Manchmal entdecken Ärzte bei Routineuntersuchungen per Ultraschall Myome, die keine Beschwerden verursachen. Das war auch bei Anja Herbst der Fall. Sie erhielt die Diagnose mit Ende zwanzig, lebte aber jahrelang problemlos damit. "Ich hatte so lange keine Symptome, dass ich gar nicht daran gedacht habe, dass meine Beschwerden von den Myomen kommen könnten", sagt sie.

Die Wucherungen können zudem Beschwerden auslösen, die nicht mit der Periode zusammenhängen:

  • Druck auf die Blase mit vermehrtem Harndrang,
  • Druckgefühl auf den Darm, verbunden mit Schmerzen und Blähungen,
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
  • ein Fremd- oder Schweregefühl im Becken,
  • Schmerzen im Rücken oder in die Beine ziehend.

Es gibt allerdings weitere Erkrankungen wie etwa Endometriose, die ähnliche Symptome wie Myome auslösen können.

Wie entstehen Myome?

Warum sich Myome bilden, ist noch nicht vollständig geklärt. Bekannt sind aber einige Risikofaktoren.

"Wir wissen, dass zum Beispiel Übergewicht das Myom-Risiko erhöht, wohingegen die Einnahme der Anti-Baby-Pille eher davor zu schützen scheint", sagt Matthias David, der an der Berliner Charité am Campus Virchow-Klinikum eine spezielle Myom-Sprechstunde leitet.

Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle. Aus den USA ist bekannt, dass Afroamerikanerinnen ein erhöhtes Risiko haben. Außerdem können die gutartigen Tumore familiär gehäuft vorkommen.

Anja Herbst sagt: "Meine Mutter hat auch unter Myomen gelitten - bei ihr musste schlussendlich sogar die Gebärmutter entfernt werden."

Wie werden Myome behandelt?

Eine Therapie ist meist nur nötig, wenn die Myome tatsächlich Beschwerden verursachen. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  • Mit Hilfe von fokussiertem Ultraschall können Myome ohne Operation behandelt werden. Der Ultraschall zerstört die Gewebewucherungen durch Hitze, die Myome verkleinern sich um bis zu 40 Prozent.
  • Bei der sogenannten Embolisation wird eine Gelatinekugel in die kleinen Schlagadern eingebracht, die die Myome mit Blut versorgen. Das passiert über einen schmalen Schnitt in der Leistengegend. Innerhalb weniger Monate schrumpft das Myom so um bis zu 50 Prozent.
  • Bei der Ausschälung entfernen Ärzte die Wucherungen per OP. Die Gebärmutter selbst bleibt intakt.
  • Bei allen Methoden, die die Gebärmutter erhalten, besteht die Gefahr, dass sich nach einiger Zeit wieder Myome bilden. Das letzte Mittel ist deshalb die komplette Entfernung der Gebärmutter, die sogenannte Hysterektomie.

"Welche Behandlungsoption die richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt sehr von der einzelnen Patientin ab. Alter, Anzahl der Myome und die Frage, ob noch ein Kinderwunsch besteht, sind wichtige Faktoren", sagt Matthias David.

Können Medikamente helfen?

"Es gibt leider nur wenige Medikamente, die wir bei Myomen einsetzen können", sagt David. Manche Frauen nehmen die Anti-Baby-Pille, weil sie die Symptome bei der Monatsblutung lindert, so der Arzt.

Im Jahr 2012 kam Esmya, ein Medikament für die Behandlung von Myomen, auf den Markt. Doch das Mittel mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat steht zurzeit im Verdacht, Leberschäden zu verursachen, und soll daher keinen neuen Patientinnen verschrieben werden, bevor die Risikobewertung durch die Europäische Arzneimittelbehörde nicht abgeschlossen ist.

Der Gynäkologe David hielte das Aus von Esmya für ein großen Verlust: "Das Medikament führte manchmal zum Schrumpfen von Myomen, sorgte aber vor allem dafür, dass während der Einnahme die Monatsblutung ausblieb und deshalb für die Operation keine Bluttransfusionen benötigt wurden", erklärt er. Auch bei Patientinnen kurz vor der Menopause wurde das Medikament zur Überbrückung eingesetzt. In den meisten Fällen bilden sich Myome durch die Hormonumstellung nach den Wechseljahren zurück.

Wie kann es sein, dass eine Krankheit so viele Frauen betrifft und es kaum Medikamente dagegen gibt? "Ich glaube, es liegt daran, dass den Pharmafirmen der Anreiz für Studien fehlt. Wir können bei Myomen wegen der Nebenwirkungen jeweils nur begrenzte Zeit mit Medikamenten arbeiten, daher lohnt es sich wohl für sie nicht", mutmaßt Matthias David.

Beeinflussen Myome Fruchtbarkeit oder Schwangerschaft?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Auf der einen Seite existieren Hinweise, dass es mit bestimmten Gebärmutterwucherungen schwieriger ist, schwanger zu werden. "Wenn der Gebärmutterknoten zum Beispiel direkt vor den Eileitern liegt, kann er den Eingang regelrecht blockieren", sagt der Gynäkologe David. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Patientinnen mit Myomen, die problemlos schwanger geworden sind und Kinder bekommen haben.

Fest steht, dass bei Kinderwunschpatientinnen lediglich in ein bis zwei Prozent der Fälle Myome als alleinige Ursache der Unfruchtbarkeit festgestellt werden. Meist sind es also andere Gründe.

In der Schwangerschaft können große Myome oder welche mit ungünstiger Lage Komplikationen auslösen. Häufiger liegt das Kind in Becken-End-Lage, was die Geburt erschwert. Auch das Risiko für Frühgeburten ist höher. Zusätzlich ist bei Myom-Patientinnen öfter ein Kaiserschnitt nötig, oder es kann zu starken Blutungen nach der Geburt kommen.

Allerdings fehlen große Studien, die untersuchen, ob es bei einem Kinderwunsch wirklich sinnvoll ist, die Myome zu entfernen und welche Methode dann die besten Ergebnisse erzielt, sagt David.

Anja Herbst sucht noch die passende Therapie. "Eigentlich ist eine Entfernung der Gebärmutterschleimhaut für mich die beste Option, aber ich möchte mir die Möglichkeit auf eine Schwangerschaft noch nicht endgültig nehmen lassen", sagt die heute 41-Jährige. Über einen solchen Schritt will sie erst in ein paar Jahren nachdenken.

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