Mythos oder Medizin Fördert Rote Bete die Blutbildung?

Eisenmangel ist vor allem bei Frauen und Vegetariern ein Problem, auch nach Operationen ist der Bedarf nach dem Mineral und damit auch das Risiko einer Blutarmut erhöht. "Kann Rote Bete der Blutbildung in solchen Fällen auf die Sprünge helfen?", fragt V. Carstensen.
Rote Bete: Für die Blutbildung ist Eisen aus der Nahrung entscheidend

Rote Bete: Für die Blutbildung ist Eisen aus der Nahrung entscheidend

Foto: Corbis

Eine gewisse Assoziation mit Blut erzeugt sie schon mal: Unter den grünen Blättern lugen rötliche Stängel hervor, an ihnen hängt eine Knolle, in deren Inneren sich purpurrotes Fruchtfleisch verbirgt. Die Rote Bete kommt im Herbst und Winter in zahlreichen Haushalten in Deutschland auf den Tisch. Gesund ist das Gemüse allemal. Aber schützt es auch vor Blutarmut?

Entscheidend dafür ist vor allem der Eisengehalt. Eisen ist der zentrale Baustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der Sauerstoff in den Körper und Kohlendioxid aus dem Körper heraus transportiert. Fehlt Eisen, wie es in den meisten Fällen von Blutarmut der Fall ist, wird der Organismus nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das zeigt sich durch Müdigkeit, Blässe oder Leistungsstörungen bis hin zu Ohnmacht. Besonders anfällig sind Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase, Frauen bis zur Menopause sowie Schwangere und Stillende.

Rote Bete enthält ein Milligramm Eisen pro 100 Gramm. Damit wäre der Bedarf eines Erwachsenen von ein bis zwei Milligramm am Tag theoretisch fast gedeckt. Doch so einfach geht die Rechnung nicht auf, denn über den Darm kann der Körper nur 10 bis 15 Prozent des Eisens aus der Nahrung aufnehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt  Jugendlichen und Erwachsenen daher, jeden Tag zwischen 10 und 15 Milligramm Eisen zu sich zu nehmen, Schwangeren sogar 30 Milligramm täglich.

Eisen ist nicht gleich Eisen

Erschwerend hinzu kommt, dass Pflanzen vor allem dreiwertiges Eisen enthalten, das im Darm erst zu zweiwertigem Eisen umgebaut werden muss, bevor es aufgenommen werden kann. "Rote Bete spielt für die Blutbildung daher kaum eine Rolle", sagt Anthony Ho von der Abteilung für Hämatologie des Uni-Klinikums Heidelberg. "Die besten Eisenlieferanten sind Fleisch und Fisch." In ihnen steckt zweiwertiges Eisen, das vom Darm zwei- bis dreimal besser aufgenommen wird als die pflanzliche Variante, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) .

Einen hohen Eisengehalt haben allgemein eher tierische Nahrungsmittel: 100 Gramm Salzhering etwa enthalten 20 Milligramm Eisen; Leber, Milz oder Niere vom Schwein 10 bis 20 Milligramm und Rinderfilet, -lende oder -rippe immerhin noch 2 bis 2,6 Milligramm pro 100 Gramm Fleisch. Nur wenige pflanzliche Produkte können da mithalten: Rote Bete ist mit einem Milligramm weit abgeschlagen. Karotten, Feldsalat, Grünkohl oder Erbsen schneiden mit zwei Milligramm Eisen in 100 Gramm besser ab. Besonders viel Eisen steckt mit sechs bis sieben Milligramm pro 100 Gramm beispielsweise in Linsen oder weißen Bohnen.

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Vitamine machen pflanzliches Eisen attraktiv

Inwieweit genau der Körper das Eisenangebot aus pflanzlicher Nahrung nutzt, hängt von mehreren Faktoren ab. Gehen die Speicher zur Neige, ist er eher bereit, pflanzliches Eisen aufzunehmen. "So können bei niedrigem Eisenstatus auch pflanzliche Lebensmittel bedeutend zur Eisenversorgung beitragen", schreiben Anja Carlsohn und ihre Kollegen von der Universität Potsdam in der "Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin" (PDF hier ).

Zusätzlich gibt es ein paar Tricks: Landet pflanzliches Eisen beispielsweise zusammen mit Vitamin C, Zitronen- oder Milchsäure im Magen, kann der Körper es besser verwerten. Zur nächsten Linsensuppe also ein Glas Orangensaft trinken, ein paar Spritzer Zitrone über die Rote Bete träufeln oder zum Nachtisch etwas Obst essen. Auch Karotinoide, etwa aus Möhrengemüse, wirken sich positiv aus. Kaffee, Grüner und Schwarzer Tee oder Cola-Getränke zum Essen verschlechtern dagegen die Aufnahme von pflanzlichem Eisen.

Einen Eisenmangel mit Symptomen bekommt man jedoch in der Regel trotz aller Tricks nur mit Fleisch, Fisch oder in schwereren Fällen Eisentabletten in den Griff. "Da enthält eine Tablette dann so viel Eisen wie zwei Kilogramm Rindersteak", erklärt Mediziner Ho. Wann Eisentabletten nötig sind, sollte man mit einem Arzt absprechen. Gleichzeitig zur Behandlung muss bei Mangelernährung das Essverhalten insgesamt umgestellt werden. Rote Bete kann dabei eine Rolle spielen, sie bringt aber nicht den Durchbruch.

Fazit: Als Eisenlieferant schneidet Rote Bete im Vergleich schlecht ab. Am besten nimmt der Körper das Mineral aus Fleisch und Fisch auf. Vegetarier können ihren Körper mit Vitamin-C-reichen Säften oder Früchten zur Aufnahme von pflanzlichem Eisen motivieren.

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