Organspende-Skandal in Göttingen Klinikum beschließt Aus für Leistungsprämien

Der Medizinskandal in Göttingen hat das Vertrauen in die Organspende erschüttert und eine Debatte über schärfere Kontrollen ausgelöst. Jetzt zieht die Universitätsklinik erste harsche Konsequenzen: Ab sofort ist die Höhe der Ärzte-Gehälter nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt.
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Folgen des Organspende-Skandals sind noch nicht absehbar

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Folgen des Organspende-Skandals sind noch nicht absehbar

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Göttingen - Als Folge des Organspende-Skandals ist die Höhe von Ärzte-Gehältern an der Göttinger Universitätsmedizin ab sofort nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt. Der Vorstand habe damit Konsequenzen aus der Affäre um einen früheren Oberarzt gezogen, erklärte ein Sprecher am Dienstag.

Der leitende Transplantationsmediziner habe einen Vertrag mit einer Leistungskomponente gehabt. Details könne er nicht nennen, sagte Uniklinik-Sprecher Stefan Weller.

Der Arzt soll durch Manipulationen von Krankenunterlagen dafür gesorgt haben, dass seine Patienten auf der Warteliste nach oben rutschten und dadurch früher Spenderlebern erhielten. Es geht um bisher 25 Fälle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Unter der Leitung des Arztes war am Göttinger Uniklinikum die Zahl der Leber-Transplantationen in den Jahren 2009 und 2010 stark angestiegen.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als größter deutscher Transplantationsklinik habe es derartige leistungsbezogene Verträge für Mediziner nie gegeben, sagte Sprecher Stefan Zorn. Ärzte hätten zu keinem Zeitpunkt finanzielle Vorteile infolge gestiegener Zahlen von Organübertragungen gehabt.

Nach dem Organspende-Skandal in Göttingen verstärkten sich die Forderungen nach einer strengeren Kontrolle der Patientenakten. So forderte etwa Hans Lilie, der Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK), dass Laborwerte künftig nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft werden sollen. Experten glauben, dass dadurch die Sicherheit vor Ort und die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Betrügereien erhöht würde, wenn zwei Ärzte die Befunde unterschreiben müssten.

Andere dagegen zweifeln, dass ein solches Verfahren Fälschungen verhindern könne. Für manche Entscheidungen sei es zudem nicht günstig und praktisch auch nicht immer umsetzbar. Stattdessen müssten alle Transplantationszentren darauf überprüft werden, ob dort bisher richtig gearbeitet wurde. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte die Kammern und die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) aufgefordert, den Skandal konsequent aufzuklären und die Verantwortlichen zu bestrafen.

cib/dpa