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Nasennebenhöhlen: Chronisch entzündet

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Eingriff bei chronischer Sinusitis Freiheit für die Nebenhöhlen

Die Nase ist über Monate verstopft, der Geruchssinn funktioniert kaum noch: Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen kann die Betroffenen stark belasten. Ein neuer Eingriff soll die Nase schonend wieder durchlüften. Doch er eignet sich nicht für jeden.

Fast jeder kennt die Sinusitis, vor allem aus den kalten Wintermonaten. Es beginnt mit einem banalen Schnupfen, doch dann ist die Nase komplett verstopft. Im Kopf scheint es zu pochen, rechts und links von der Nase schmerzt es, wenn man dagegen drückt. Darunter liegen die Nasennebenhöhlen, mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume, die über schmale Kanäle mit der Nase verbunden sind.

Verschließen sich diese Verbindungen, etwa weil die Schleimhäute angeschwollen sind, kann in den Nebenhöhlen gebildetes Sekret nicht mehr richtig abfließen. Die Flüssigkeit staut sich an und bietet Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern einen perfekten Nährboden. Die Folge: Die Nasennebenhöhlen entzünden sich. Bleiben die Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen, gilt die Entzündung als chronisch.

Die Symptome sind bei der chronischen Form zwar häufig viel schwächer als bei der akuten, zum Teil kommt es jedoch zu Schüben mit stärkeren Schmerzen. Weitere Probleme wie eine dauerhaft verstopfte Nase und ein gedämpfter Geruchsinn können die Lebensqualität zusätzlich einschränken. Versagen Medikamente, stehen die Betroffenen häufig vor zwei Fragen: Sollen sie ihre Nebenhöhlen operieren lassen? Und wenn ja, wie?

Erkrankte Nasennebenhöhlen: Geschwollene Schleimhäute, verstopfte Durchgänge

Erkrankte Nasennebenhöhlen: Geschwollene Schleimhäute, verstopfte Durchgänge

Foto: SPIEGEL ONLINE

Mit einem Ballon die Nase lüften

"Wenn die Schleimhautschwellung mehr oder weniger kontinuierlich vorhanden ist und die Nasennebenhöhlen nicht mehr richtig belüftet werden, müssen die Verbindungsgänge zwischen Nasennebenhöhlen und Nase wieder geöffnet werden", sagt der HNO-Mediziner Rainald Knecht, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Vor allem niedergelassene HNO-Ärzte nutzen dafür einen relativ neuen Eingriff, bei dem sie die verschlossenen Verbindungsgänge mit einem Ballon aufdehnen, die sogenannte Ballondilatation oder Sinuplastie. Der mit einem Katheter eingebrachte Ballon soll die knöchernen Strukturen so verschieben, dass die Nebenhöhlen dauerhaft wieder belüftet werden können. Die chronisch entzündete Schleimhaut der Nasennebenhöhlen schwillt ab und kann sich regenerieren.


BESCHWERDEN BEI EINER CHRONISCHEN SINUSITIS

Die Betroffenen haben häufig dauerhaft Probleme damit, durch die Nase zu atmen. Vor allem, wenn sie ihren Kopf vorbeugen, können Schmerzen und ein Druckgefühl im Gesicht hinzukommen. Auch das Schmecken und Riechen kann nur eingeschränkt funktionieren. Da die Verbindungen zwischen Nase und Nebenhöhlen verschlossen sind, fühlt sich die Nase bei den meisten dauerhaft verstopft an und kann laufen.


"Die Sinuplastie eignet sich nur für einfache Fälle einer chronischen Sinusitis, wenn zum Beispiel die Öffnung zur Nase hin zu klein ist, aber keine Nasenpolypen oder anatomische Fehlbildungen vorliegen", sagt Knecht. Bei stark ausgeprägten Nasenpolypen (gutartigen Wucherungen der Schleimhaut) oder komplizierteren anatomischen Verhältnissen sei sie dagegen völlig ungeeignet.

Mit Kameras die Nasennebenhöhlen operieren

In der HNO-Klinik werden vor allem die komplizierteren Sinusitis-Fälle behandelt. "Deshalb setzen wir die Sinuplastie viel seltener ein als die niedergelassenen Kollegen oder verwenden sie nur als unterstützende Maßnahme", erklärt der Hamburger Mediziner.

Die Alternative ist ein endoskopischer Eingriff in der HNO-Klinik, bei dem die Ärzte über die Nasenlöcher operieren und bei dem zum Beispiel eine schiefe Nasenscheidewand begradigt werden kann. "Wir verwenden Endoskope, die mit Kameras bestückt sind, so dass die OP unter Sicht erfolgen kann", sagt Knecht. Diese endoskopische Vorgehensweise sei viel schonender als die ältere OP-Variante, bei der der Eingriff unterm Mikroskop erfolgt. Die Patienten bräuchten gar keine oder höchstens noch für einen Tag eine Tamponade in der Nase, um die Blutung zu stillen. Bei der Mikroskopie sei diese dagegen unverzichtbar.

"Zudem sind Risiken zum Beispiel einer Nachblutung bei der älteren Variante auch viel größer", sagt Knecht. Abstände seien durchs Mikroskop nicht gut erkennbar, und man könne damit schlichtweg nicht wie beim Endoskop ums Eck schauen. Eine schlechte Sicht erschwere jedoch den Eingriff. "Für mich ist die Methode deshalb überholt", so das Fazit des Arztes.

Selbst vorbeugen mit einem starken Immunsystem

Nicht alle Ursachen einer chronischen Sinusitis lassen sich mit einer Operation beheben. Genetische Veranlagungen können dazu führen, dass sich die Entzündungsreaktion verselbständigt. Mitunter haben die Betroffenen zudem eine Pollen- und Hausstaubmilbenallergie, durch die die Schleimhaut in der Nase und in den Nasennebenhöhlen ständig angeschwollen ist. Eine mögliche Ursache der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung kann auch eine Zahnwurzelentzündung im Oberkiefer sein, die in die Kieferhöhle durchbrechen kann.

Wer das Risiko für eine akute, nicht chronische Nasennebenhöhlenentzündung reduzieren möchte, kann aktiv etwas dafür tun. "Mit Sport, Sauna und einer gesunden Ernährung kann man sein Immunsystem fit machen, so dass es schnell auf Erreger reagiert", rät Knecht. Normalerweise bestehe ein Gleichgewicht zwischen Erregern und Abwehr. Kleine Scharmützel zwischen beiden bekomme man gar nicht mit, sagt er.

Ist die Abwehr geschwächt, können sich die Erreger jedoch stark vermehren und überhandnehmen. Reagiert das Immunsystem dann erst, bekommt man einen Schnupfen. "Er ist ein klarer Hinweis auf eine verzögerte Abwehr", sagt der Hamburger Mediziner.

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