Trend zu Naturhaarfarben Walnussbraun oder Hibiskusrot?

Wir essen Bio, kaufen regional und reisen nachhaltig. Warum also mit Chemie die Haare färben? Pflanzliche Haarfarben sind längst mehr als Henna für Öko-Fuzzis. Verbraucher schätzen natürliche Inhaltsstoffe - und für manch einen Teenager sind sie die einzig legale Möglichkeit, die Haarfarbe zu wechseln.
Frisurentrends: Bei der Haarfarbe setzen viele Verbraucher und Friseure auf Natur

Frisurentrends: Bei der Haarfarbe setzen viele Verbraucher und Friseure auf Natur

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Merle Baumann ist 32, Architektin und lebt in Köln. Sie kauft vorwiegend Bio-Produkte, macht Carsharing und will überhaupt bewusst und nachhaltig leben. Anna Liebnitz ist 15, Schülerin und kommt aus einem Dorf im Ruhrgebiet. Sie geht gerne mit ihren Freunden aus, singt in einer Band und ist schwer damit beschäftigt, erwachsen zu werden.

Was diese beiden Frauen eint: Sie färben sich den Schopf mit Pflanzenhaarfarbe. Merle Baumann, weil ihr gesunde Inhaltsstoffe wichtig sind. Anna Liebnitz, weil sie laut Gesetzgeber gar keine chemischen Produkte verwenden darf.

Naturhaarfarbe ist lange Zeit unter dem Begriff Henna vor allem von klassischen Ökos verwendet worden. In jüngster Zeit aber findet sie Einzug in den Mainstream. "Der Trend ist ganz eindeutig", sagt Elfriede Dambacher, Expertin für Naturkosmetik. Der Markt für Pflanzenhaarfarben, die auch mit Naturkosmetik-Siegeln zertifiziert werden, wächst zweistellig. Zudem haben sich die Vertriebswege verbreitert, Naturkosmetik-Produkte sind in Drogerien erhältlich und erreichen so einen größeren Kundenstamm. Und selbst in herkömmlichen Färbeprodukten werden inzwischen weniger chemische Substanzen verwendet, auf Stoffe wie Ammoniak wird größtenteils verzichtet.

Verzicht auf allergene Substanzen

Bereits seit September 2011 dürfen Jugendliche unter 16 Jahren weder beim Friseur noch im Drogeriemarkt chemische Haarfärbeprodukte kaufen. Der Grund ist, dass diese toxische Stoffe enthalten, die starke Allergien auslösen können. "Da aber gerade Jugendliche gerne mit ihrer Haarfarbe experimentieren, greifen sie jetzt verstärkt auf Naturprodukte zurück", sagt Jenny Pohl von Logocos, dem größten kommerziellen Anbieter von Naturhaarfarbe-Produkten für Endverbraucher in Deutschland.

Pohl beobachtet ein generell gestiegenes Interesse an natürlichen Produkten: Hand in Hand mit dem Lohas-Trend ("Lifestyle of Health and Sustainability") achten Konsumenten nicht nur bei Nahrungsmitteln, sondern auch bei Kosmetik und Haarfarben auf gesunde Inhaltsstoffe. Schließlich nimmt man diese auch über Haare und Haut auf.

Besonders problematisch sind die sogenannten Phenylendiamine, organische Verbindungen, die Kontaktallergien auslösen können und zudem im Verdacht stehen, krebsauslösend zu sein. Pikanterweise ist aber auch nicht jedes Henna-Färbeprodukt frei von dieser Gefahr. 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Henna-Produkten aus Asia-Shops , in denen erhöhte Mengen des gefährlichen p-Phenylendiamin (PPD) nachgewiesen worden waren.

Naturfarben sind nicht so intensiv

Seit der schleichenden Rückkehr der Naturfarben in den siebziger Jahren ist mit vielen Rohstoffen experimentiert worden: Neben Henna bestehen moderne Farben aus Walnussschalen, Weizenauszügen, Blauholz, Salbei, Oregano, Kaffee, Hibiskus, schwarzem Tee und Roter Beete. Das sind nur einige Inhaltsstoffe, die dann je nach Farbton kombiniert werden.

Und doch taugt die Farbe noch nicht für den Massenmarkt: "Die Konsumenten erwarten ein bestimmtes Ergebnis, ähnlich dem chemischer Färbemittel", erklärt Beraterin Dambacher. "Das kann man mit den eingeschränkten Möglichkeiten von natürlichen Stoffen aber noch nicht erreichen." Denn während chemische Haarfarben die Haarstruktur aufbrechen, den natürlichen Farbton entziehen und neue Pigmente im Haar einlagern, legen sich Naturfarben nur auf dem Haar ab. Es wird also nicht im herkömmlichen Sinne gefärbt.

Ironischerweise lässt sich gerade chemisch vorbehandeltes Haar besser mit Naturfarben tönen. "Je kaputter das Haar, desto besser", sagt Michael Sonntag, Geschäftsführer von Oliebe. Das Unternehmen stellt seit etwa 40 Jahren Naturfarben für Friseure her. Die Kunden waren jahrelang reine Naturfriseure - aber in den vergangenen Jahren sind mehr und mehr konventionelle Haarprofis dazu gekommen. "So wie Bio-Lebensmittel erst in Genossenschaften, dann kleinen Läden, später in Supermärkten und jetzt sogar in Discountern angeboten werden, so entwickelt sich auch der Markt für Naturfarben", sagt er.

Naturhaarfarben
Foto: FRANK AUGSTEIN/ ASSOCIATED PRESS

Für welche Haare eignen sich Naturprodukte?Wie kann man den Färbeeffekt verstärken?Gibt es auch günstige Alternativen?

Viele Friseure böten Naturhaarfarben als hochwertige Premiumprodukte an, auch deshalb, weil chemische Färbungen durch die pflanzlichen Produkte verbessert werden können. So können sie zudem mehr Geld verlangen, nach oben sind die Grenzen offen. Architektin Merle Baumann hat allein für die Erstberatung in einem exklusiven Kölner Naturkosmetikgeschäft über 200 Euro bezahlt - eine stolze Summe.

Welche Haare lassen sich mit Naturprodukten besonders gut färben? Was muss man dabei beachten? Und welche günstigen Alternativen gibt es? Die wichtigsten Antworten zu Naturhaarfarben finden Sie hier.

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