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Naturkosmetik: Grüner Etikettenschwindel

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Naturkosmetik Grüner Etikettenschwindel

Hersteller verleihen ihren Produkten gerne ein grünes Image - auch wenn in den Tiegeln alles andere als reine Natur steckt. Ein grünes Blatt auf der Verpackung macht noch lange keine Naturkosmetik, warnen Experten. Wer sichergehen will, muss die Inhaltslisten studieren.

Dortmund - Natur ist in: In Drogerien und Parfümerien reihen sich Produkte aneinander, die laut Verpackung biologisch, organisch oder natürlich sind. Viele Hersteller wollen ihren Kosmetika so einen grünen Anstrich verleihen. Doch nicht überall, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin. "Viele Kosmetikmarken versuchen, ihre Produkte grüner zu trimmen und damit auf den Zug aufzuspringen", sagt Elfriede Dambacher, die einen Branchenreport für Naturkosmetik  herausgebracht hat.

Denn mit Naturwaren lässt sich viel Geld verdienen. "Naturkosmetik ist ein langanhaltender Trend und seit Jahren das verlässlichste Wachstumssegment innerhalb des Kosmetikmarktes", erklärt Dambacher. Insgesamt 860 Millionen Euro Umsatz sei mit den grünen Produkten 2012 erzielt worden. Das entspreche einem Wachstum von 5,5 Prozent.

Doch das Greenwashing der Hersteller führt Verbraucher in die Irre: Wie viel Natur steckt wirklich in der als grün deklarierten Kosmetik? Das hat das Magazin "Ökotest" im Juni 2013  untersucht. Die Experten analysierten vermeintlich grüne Produkte ohne anerkannte Naturkosmetiksiegel. Ihr Ergebnis: Der Etikettenschwindel ist gewaltig. Betroffen seien sowohl konventionelle Hersteller als auch solche, die sich ganz eindeutig als grün darstellten, etwa Yves Rocher oder The Body Shop, heißt es in dem Bericht. Die Produkte suggerierten mit ihrer Verpackung Natürlichkeit oder täuschten mit Bio oder Natur im Namen.

Dabei stecke oft nur eine Mini-Dosis Naturstoff in den Produkten - der Rest der Substanzen sei rein chemisch, darunter Fette auf Erdölbasis oder künstliche Farb- und Konservierungsstoffe, die im Verdacht stehen, Allergien auszulösen. Viele der eingesetzten Stoffe seien bedenklich, schreibt "Öktotest", dazu gehörten Substanzen, die krebsverdächtiges Formaldehyd abspalten könnten.

Etikettenschwindel ist legal

Verboten ist dieser Etikettenschwindel allerdings nicht. Was als natürlich gilt, ist in Deutschland nicht per Gesetz definiert. Verbraucher sollten sich deshalb nicht nur aufgrund der Verpackung für den Kauf entscheiden, sondern auch das Kleingedruckte lesen: "Wenn ein Produkt kein Naturkosmetik-Siegel trägt, ist es ratsam, sich die Liste der Inhaltsstoffe anzusehen", sagt Jenny Pohl, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) in Mannheim. In der Liste seien die Substanzen nach ihrer Menge geordnet absteigend aufgeführt - was am meisten enthalten ist, steht also vorne. Mit Smartphone-Apps wie "Codecheck.info" lässt sich zudem der Barcode eines Produkts scannen und eine Auswertung der Inhaltsstoffe einsehen.

Wer Wert auf Naturkosmetik legt, sollte laut Pohl Produkte im Regal stehenlassen, die Silikone oder Paraffine enthalten - bei beiden handelt es sich um künstliche Fette. Auch sogenannte Polyethylenglykole (PEGs) seien schädlich, weil sie die Haut sehr durchlässig machten, so Pohl. "Echte Naturkosmetik zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Inhaltsstoffe auf pflanzlicher Basis hergestellt sind", sagt Joachim Banzhaf, Leiter der Zertifizierungsstelle EcoControl, die Natursiegel wie Demeter oder den NCS vergibt. Konventionelle Kosmetik werde dagegen auf Mineralöl-Basis hergestellt.

Ganz ohne chemische Prozesse komme jedoch auch Naturkosmetik nicht aus: "Um Wasser, Öl und Fette in der Kosmetik zusammenzubringen, braucht es Emulgatoren", erklärt Banzhaf. "Sonst könnte man gar keine Creme produzieren." Diese Emulgatoren dürften allerdings ausschließlich aus Pflanzenrohstoffen gewonnen werden. Zur Herstellung seien nur ausgewählte chemische Prozesse erlaubt, die sich so auch in der Natur abspielten.

Verloren im Siegel-Dschungel

Konservierungsstoffe machen die Kosmetik haltbar. "Auch diese sind in der Natur zu finden - teilweise allerdings nur in kleinen Mengen wie die Ameisensäure", erklärt Pohl. Da es technisch nicht machbar wäre, diese Substanzen in größeren Mengen aus der Natur zu gewinnen, werden sie chemisch nachempfunden. Allerdings sind laut Banzhaf nur eine Handvoll solcher naturidentischen Konservierungsstoffe zugelassen.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann auf Siegel für Naturkosmetik vertrauen, zum Beispiel das BDIH-Prüfzeichen für kontrollierte Naturkosmetik und NaTrue. Diese Label bescheinigen, dass der jeweilige Standard für Naturkosmetika eingehalten wird. Das BDIH-Label etwa gibt eine lange Liste von Stoffen vor, die in Bio-Qualität enthalten sein dürfen. Trägt das Produkt das Wort Bio im Namen, sollten 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.

Auch beim NaTrue-Label gibt es Vorgaben für die verwendeten Naturstoffe. Wenn ein Hersteller ein Produkt nicht nur als "Naturkosmetik" zertifizieren lassen will, sondern als "Naturkosmetik mit Bio-Anteil", müssen mindestens 70 Prozent der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Für die Bezeichnung "Biokosmetik" sind es 95 Prozent.

Da es aber neben dem NaTrue- und dem BDIH-Siegel auch noch Siegel von Demeter, Ecocert und vielen weiteren gibt, fällt die Orientierung gar nicht so leicht. Hilfe kann hier etwa die Broschüre "Raus aus dem Label-Dschungel"  der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik (GfaW) bieten.

Maria Fiedler/dpa
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