Präventionsplan Vier Maßnahmen sollen chronische Krankheiten stoppen

Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden: Eine Allianz deutscher Fachgesellschaften schlägt Alarm, weil chronische Krankheiten immer häufiger auftreten. Ihr Vier-Punkte-Konzept soll dem entgegenwirken. Vor allem an Schulen und Kitas müsse sich etwas ändern.
NCD-Forderungen: "Appelle an die Vernunft des Einzelnen sind gescheitert"

NCD-Forderungen: "Appelle an die Vernunft des Einzelnen sind gescheitert"

Foto: A3472 Frank May/ dpa

Berlin - Typ-2-Diabetes, Krebs, Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Leiden wie Bluthochdruck - daran leiden Millionen Menschen in Deutschland. Ärzte warnen vor einer drastischen Zunahme dieser Krankheiten - und starten in einer Allianz aus elf Fachgesellschaften einen Anlauf für wirksamere Prävention.

Der Grund: Übergewicht und Bewegungsmangel gehören zu den Hauptrisiken für diese nicht übertragbaren Krankheiten. "Appelle an die Vernunft des Einzelnen sind gescheitert. Wir müssen weg von vielen Einzelmaßnahmen, die nur wenige erreichen", sagte der Diabetologe und Sprecher der Deutschen Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD Allianz) Dietrich Garlich, in Berlin.

Die Allianz fordert von der Politik deshalb strukturelle Änderungen und hat einen Vier-Punkte-Plan aufgestellt:

  • Täglich eine Stunde Sport in Schule und Kita: Hier werde der spätere Lebensstil geprägt. Täglich 60 bis 90 Minuten moderate Aktivität wie Spazierengehen oder Fahrrad fahren reicht laut NCD aus, um Kinder an ein gesundes Leben heranzuführen.
  • Zucker- und Fettsteuer auf ungesunde Lebensmittel: Wenn in Lebensmitteln ein bestimmter Anteil an Fett, Zucker oder Salz überschritten wird, sollten sie durch eine Steuer verteuert werden, fordern die Mediziner. So könnte das Verbraucherverhalten stark beeinflusst werden.
  • Qualitätsstandards für Kita- und Schulessen: Nachmittagsunterricht und Ganztagsschulen mache Bildungseinrichtungen immer mehr zum zentralen Lebensraum von Kindern und Jugendlichen - hier müsse auch ihr Ernährungsverhalten positiv geprägt werden.
  • Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet: Werbung für Süßwaren wie stark zuckerhaltige Frühstückscerealien, Milchprodukte und Softdrinks sowie fett- und salzreiche Knabberwaren fördere ungesundes Essverhalten, so die NCD. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben sich zudem als wirkungslos erwiesen.

Die vier Maßnahmen werden auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Globalen Aktionsplan gegen nichtübertragbare Krankheiten 2013-2020  empfohlen.

Zu den elf an der NCD Allianz beteiligten Fachgesellschaften gehören etwa die Adipositas Gesellschaft, die Herzstiftung, die Krebsgesellschaft, der Hausärzteverband und das Krebsforschungszentrum.

joe/dpa
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