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22. Februar 2017, 18:18 Uhr

Efsa-Bericht

Neue Antibiotikaresistenzen in der EU entdeckt

Jedes Jahr sterben 25.000 Menschen in der EU an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Bakterien. Nun haben Behörden wieder neue Resistenzen entdeckt und warnen vor einer ernsthaften Bedrohung.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat vor zunehmender Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika gewarnt. Die Widerstandsfähigkeit der Krankheitserreger stelle eine "ernsthafte Bedrohung für Mensch und Tier" dar, heißt es in dem Bericht. In der EU sterben jährlich etwa 25.000 Menschen an den Folgen einer von resistenten Bakterien ausgelösten Infektion.

Antibiotikaresistenzen können entstehen, wenn die Medikamente dauerhaft oder falsch eingesetzt werden. Auch deshalb weisen Ärzte daraufhin, dass Patienten ihre Antibiotika immer bis zum Schluss nehmen sollen. Setzen sie die Mittel vorher ab, können überlebende Mikroorganismen lernen, sich gegen die Medikamente zu schützen. Sie werden resistent. Auch der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tiermast trägt zur Resistenzentwicklung bei.

Besonders sorgen sich die Sachverständigen der EU derzeit um Resistenzen bei Salmonellen. Die von ihnen ausgelöste Salmonellose gilt als zweithäufigste unter den über Lebensmittel übertragenen Erkrankungen in der EU. Nun wurden neue Resistenzen bei den Keimen entdeckt:

Zuvor waren bereits andere Resistenzen des Erregers bekannt und wurden im aktuellen Bericht bestätigt. So dokumentierte die Efsa Resistenzen gegen das Antibiotikum Colistin in Schweinen und Rindern. Colistin wird üblicherweise gegen Infektionen bei Schweinen eingesetzt, kommt aber auch beim Menschen zum Einsatz, wenn andere Antibiotika versagen.

Allerdings weisen die Sachverständigen daraufhin, dass die Resistenzen gegen die hochwirksamen Antibiotika noch sehr selten sind. Die Erfolgschancen auf Genesung seien also weiterhin hoch.

Mehr Resistenzen in Süd- und Osteuropa

"Der bedachte Einsatz von Antibiotika in Menschen und Tieren ist extrem wichtig", sagte Mike Catchpole vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), das ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Wir alle sind dafür verantwortlich, dass Antibiotika wirksam bleiben." Erst im Januar 2017 wurde der Fall einer Frau aus den USA bekannt, bei der 26 Antibiotika versagten. Sie starb.

In dem aktuellen EU-Bericht wurde auch deutlich, dass die Widerstandsfähigkeit der Bakterien regional variiert. Im Norden und Westen Europas ist sie demzufolge geringer als im Süden und Osten. Die Forscher führen dies vor allem auf eine unterschiedlich starke Anwendung von Antibiotika zurück - auch bei Tieren.

In Ländern, in denen Landwirte angehalten seien, den Einsatz von Antibiotika bei Tieren zu verringern, seien weniger neue Antibiotikaresistenzen sowie rückläufige Tendenzen zu beobachten, sagte Marta Hugas, Leiterin des EFSA-Referats für biologische Gefahren.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) fordert deshalb einen "zurückhaltenden" Einsatz der Medikamente.

jme/AFP/Reuters

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