Neuseeland Tod nach exzessivem Cola-Konsum

Zehn Liter Cola täglich sind nach Überzeugung eines neuseeländischen Richters mitschuldig am Tod einer Frau. Coca-Cola soll deshalb koffeinhaltige Produkte künftig mit einem Warnhinweis versehen. Der Konzern ziert sich.
Coca-Cola-Truck: Welche Menge Koffein ist riskant?

Coca-Cola-Truck: Welche Menge Koffein ist riskant?

Foto: ? Mike Blake / Reuters/ REUTERS

Natasha Harris ist mit nur 30 Jahren gestorben, das war bereits 2010. Vor ihrem Tod soll sie Unmengen Coca-Cola getrunken haben, bis zu zehn Liter täglich. Im Sommer 2012 war die Aufregung groß, als ein neuseeländisches Gericht entschied, die koffeinhaltige Brause sei zwar nicht ursächlich für Harris' Tod, könne aber dazu beigetragen haben. Jetzt drohen dem weltweit führenden Getränkehersteller wenigstens in Neuseeland Konsequenzen aus dem Tod der Kundin: Ein Untersuchungsrichter fordert Warnhinweise auf allen koffeinhaltigen Coca-Cola-Produkten.

Der exzessive Coca-Cola-Konsum hat nach Meinung von Untersuchungsrichter David Crerar maßgeblich zu Harris' Tod beigetragen. Bei Ansicht aller vorliegenden Beweise komme er zu dem Schluss, dass die 30-jährige Mutter von acht Kindern nicht "zu dem Zeitpunkt und auf die Art" gestorben wäre, hätte sie nicht solche "sehr großen Mengen" Cola getrunken, erklärte Crerar am Dienstag. Er forderte den Coca-Cola-Konzern auf, seine koffeinhaltigen Produkte mit Gesundheitswarnungen zu versehen.

Konzern-Stellungnahme: Exzessiver Genuss immer gefährlich

Die aus Invercargill im Süden Neuseelands stammende Natasha Harris trank nach Crerars Angaben jahrelang rund zehn Liter Coca-Cola am Tag, bevor sie im Februar 2010 starb. Harris hatte demnach mehrere Gesundheitsprobleme, die in Verbindung mit dem "extremen" Konsum der koffeinhaltigen Limonade gebracht werden könnten und eine Rolle bei den Herzrhythmusstörungen spielten, an denen sie schließlich starb.

Tödliche Koffeindosis für einen gesunden Erwachsenen

Getränk Frau (60 Kg) Mann (85 kg)
Kaffee 84 Tassen 119 Tassen
Tee 192 Tassen 272 Tassen
Coca-Cola 87 Liter 112 Liter
Red Bull 28 Liter 40 Liter
Espresso 3 Liter (117 Tässchen) 4 Liter (166 Tässchen)
Tödliche Dosis beim Verzehr innerhalb von 24 Stunden.

Eine Untersuchung der Toten hatte ergeben, dass sie eine vergrößerte Leber hatte. Dies wurde auf Fettablagerungen zurückgeführt, die durch exzessive Zuckerzufuhr und einen geringen Kaliumgehalt im Blut ausgelöst wurden. Dadurch können die Herzfunktionen beeinträchtigt werden. Harris trank keinen Alkohol.

Die Familie von Harris hatte berichtet, dass diese vor ihrem Tod über Herzrasen geklagt hatte. Die achtfache Mutter sei süchtig nach Coca-Cola gewesen. "Sie flippte aus, wenn (keine Cola) mehr da war (...), sie fing an zu zittern, hatte Entzugserscheinungen, wurde wütend, nervös, bissig", sagte ihre Schwiegermutter Vivien Hodgkinson bei einer Befragung zum Tod der 30-Jährigen. Nach Angaben der Familie mussten Harris alle Zähne gezogen werden, die wegen des übermäßigen Cola-Konsums völlig verfault waren.

Umsatzsteigerungen für Coca-Cola

Zwar seien alle Inhaltsstoffe von Coca-Cola legal, fügte Crerar hinzu. Das Unternehmen könne nicht für die Gesundheit von Konsumenten verantwortlich gemacht werden, die "ungesunde Mengen" der Brause tränken. Er empfehle aber Coca-Cola zu prüfen, ob es künftig Warnungen vor übermäßigem Konsum auf seine koffeinhaltigen Produkte drucke.

Coca-Cola hatte bereits im Sommer 2012 in einer Stellungnahme  auf die Diskussion über die mögliche Todesursache von Natasha Harris reagiert: "Wir stimmen mit der Darstellung der Gerichtsmedizin überein, dass die grob exzessive, innerhalb eines kurzen Zeitraums erfolgende Aufnahme jedweden Lebensmittels einschließlich Wasser, im Verbund mit einer unangemessenen Aufnahme wichtiger Nährstoffe und dem Versäumnis, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn dies angeraten ist, zu dramatischen Symptomen führen kann." Zu deutsch: Jedes Lebensmittel, das nicht in Maßen genossen wird, kann die Gesundheit gefährden.

Zur aktuellen Forderung des neuseeländischen Gerichts hat der Konzern sich noch nicht geäußert. Der weltgrößte Hersteller von Softdrinks teilte am Dienstag seine neuesten Quartalszahlen mit, nach denen sich die Getränke steigender Beliebtheit erfreuen: Im abgelaufenen Quartal verdiente der Konzern 1,87 Milliarden Dollar. Das sind knapp 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 11,46 Milliarden Dollar. Das Unternehmen, dem auch Marken wie Fanta und Sprite gehören, profitierte von Zuwächsen in Schwellenländern, die Rückgänge in Europa mehr als ausglichen.

Kann Cola tödlich sein?
Foto: SCOTT OLSON/ AFP

Kann man sich mit koffeinhaltigen Getränken zu Tode trinken?Wer sollte aufpassen?

Lesen Sie hier mehr über die möglichen Gesundheitsgefahren durch Cola.

cib/AFP
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