Notrufnummern Was tun, wenn die Arztpraxis geschlossen ist?

Der Bauch schmerzt, aber die Hausärztin hat am Wochenende keine Sprechstunde? Warum in solchen Fällen die Notrufnummer 112 nicht immer die beste Wahl ist.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft, wenn der Hausarzt frei hat
Tim Brakemeier/ DPA

Der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft, wenn der Hausarzt frei hat


Der Fuß ist seit Tagen dick, die Erkältung hält sich hartnäckig oder das Kind hat sich im Schwimmbad den Zeh angestoßen: Wer mit solchen Beschwerden in die Notaufnahme geht, muss oft stundenlang auf eine Behandlung warten, weil echte Notfälle immer Vorrang haben.

Was viele nicht wissen: Es gibt auch schneller Hilfe. Neben dem Notruf 112 für akute Notfälle gibt es auch eine Nummer für nicht lebensbedrohliche Erkrankungen - die 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdiensts.

Wann muss ich die 112 oder die 116 117 anrufen? Wann sollte ich direkt ins Krankenhaus fahren, wann lieber zum Hausarzt? Der Überblick.

Ist jemand in Lebensgefahr, dann sollte man die Notrufnummer 112 wählen, rät Bundesarzt Peter Sefrin vom Deutschen Roten Kreuz. Die Zentrale schickt gegebenenfalls einen Rettungswagen mit Notarzt zum Patienten, der diesen in die Klinik fährt. Man kann auch selbst die Notaufnahme aufsuchen.

Bei weniger schlimmen Beschwerden wie akuten Bauchschmerzen, Fieber oder anhaltendem Brechdurchfall hilft der Hausarzt oder die Hausärztin. Sind sie nicht zu erreichen, weil es abends ist, Wochenende oder Feierabend, ist die Bereitschaftspraxis die nächste Anlaufstelle oder die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdiensts 116 117.

Wie geht es weiter, wenn ich die 116 117 gewählt habe?

Am anderen Ende der Leitung informiert speziell geschultes Personal, was am besten zu tun ist. Sie geben beispielsweise die Adresse der nächsten geöffneten Bereitschaftspraxis durch oder die eines Hausarztes oder einer Hausärztin, die vorbeikommen.

Ist das Leiden weniger akut, gibt es manchmal den Rat, am nächsten Tag zum Hausarzt zu gehen - oder einfach nur etwas im Bett zu bleiben und sich auszukurieren.

Wie merke ich, ob ein Patient in Lebensgefahr ist?

Hat jemand schwere Verletzungen, Atemnot oder heftige Brust- oder Herzschmerzen, kann er oder sie in Lebensgefahr schweben.

Dagegen ist alles, womit Patienten normalerweise zum Hausarzt gehen würden, meist ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Auch wenn es nicht so schlimm ist: Lohnt es sich nicht auf jeden Fall, in die Notfallambulanz zu fahren, um die beste Pflege zu erhalten?

Nein. Wer wegen einer Bagatelle zur Notaufnahme geht, muss gewöhnlich lange warten. Das können in einer überfüllten Abteilung gut mal sechs Stunden sein, sagt Mediziner Sefrin.

Manchmal würden die Patienten bei Bagatellen auch nach Hause geschickt - mit dem Hinweis, sich einfach bei nächster Gelegenheit beim Hausarzt zu melden. Das passiere beispielsweise, wenn jemand schon eine Woche lang Schmerzen am Knie hat und dann am Wochenende eine Notfallambulanz aufsucht - um nicht auf einen Termin beim Hausarzt warten zu müssen.

Einige hätten zudem den Irrglauben, in der Notaufnahme gebe es eine Art Rundum-Check. Das sei aber nicht der Fall, sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesversicherung. Handelt es sich nicht um einen Notfall, erfährt man bei der 116 117 schneller, was man tun kann, damit es dem Patienten besser geht.

Was, wenn doch ein Notfall vorliegt?

Die Mitarbeiter des ärztlichen Bereitschaftsdiensts sind darauf geschult, Notfälle zu erkennen und können im Zweifel sofort den Rettungsdienst alarmieren.

Langfristig sollen ohnehin beide Nummern - 112 und 116 117 - zusammengelegt werden. Mitarbeiter der Notfall-Leitstelle würden dann einschätzen, ob ein Patient in die Notaufnahme muss oder nicht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will damit erreichen, dass weniger Patienten in die oft überfüllten Notaufnahmen gehen.

Neben der 112 und der 116 117 gibt es noch Spezialnummern - wie kinderärztlichen oder augenärztlichen Bereitschaftsdienst. Wie sind diese zu erreichen?

Diese Dienste gibt es in einigen Regionen. Informationen dazu bekommen Patienten ebenfalls über die Rufnummer 116 117 oder diese Website. Bei starken Zahnschmerzen hilft beispielsweise der zahnärztliche Bereitschaftsdienst. Verschlucken Kinder versehentlich Tabletten, unterstützt der Giftnotruf. Zudem gibt es teils auch gynäkologische oder psychiatrische Hilfe am Abend und am Wochenende.

Was kostet ein Anruf bei diesen Nummern?

Nichts - egal, ob Patienten per Handy oder Festnetz anrufen.

Im Video: Überlastete Notaufnahmen - Lebensretter am Limit

SPIEGEL TV

von Anne-Sophie Galli/koe/dpa



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