Pharmafirmen So viel Geld bekamen Österreichs Ärzte

Honorare für Vorträge, Spesen für Fortbildungen: Auch in Österreich erhalten viele Mediziner Gelder von der Pharmaindustrie. Allerdings ist dort kaum ein Arzt zu Transparenz bereit.
Apotheke in Österreich

Apotheke in Österreich

Foto: © Heinz-Peter Bader / Reuters/ REUTERS

Pharmafirmen haben im vergangenen Jahr mehr als 106 Millionen Euro an Österreichs Ärzte, Apotheker und andere Fachleute des Gesundheitswesens bezahlt. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Rechercheverbund Correctiv in Kooperation mit der Zeitung "Standard" und dem Österreichischen Rundfunk durchgeführt hat .

Die Initiative zur Offenheit kam von den Unternehmen selbst. 2016 veröffentlichten die Mitglieder des europaweiten Pharmaverbands Efpia erstmals einen Teil ihrer Zahlungen an Ärzte im Detail. Im Rahmen der selbsternannten Transparenzinitiative stellten die Unternehmen Listen mit den Namen von Medizinern, der Höhe der Zahlungen an diese und Angaben zum Zweck der Zahlungen ins Internet.

Datenbank: Auch mehr als 20.000 Einträge aus Deutschland

Das Problem: Die Daten wurden nirgends gebündelt, stattdessen veröffentlichte jedes Unternehmen ein PDF-Dokument mit zum Teil Hunderten Namen auf seiner Webseite. Correctiv und seine Partner haben diese jetzt in einer Datenbank zusammengefasst, in der Patienten nach ihrem österreichischen Mediziner suchen können (hier geht es zur Datenbank für Österreich ).

Die Angaben aus Österreich ergänzen Daten aus Deutschland und der Schweiz , die Correctiv im Vorfeld in Kooperation mit SPIEGEL ONLINE und "Der Beobachter" ausgewertet hat. Somit enthalten die Datenbanken jetzt die Namen von 20.500 Ärzten, Apothekern und anderen Fachleute des Gesundheitswesens aus Deutschland, 4.200 aus der Schweiz und 3582 aus Österreich.


Hier finden Sie alle Artikel zum Transparenzkodex bei SPIEGEL ONLINE.


Ein weiteres Problem: Taucht der Name eines Mediziners nicht in der Datenbank auf, bedeutet das nicht automatisch, dass er keine Honorare von der Pharmaindustrie erhalten hat. Die Unternehmen nennen nur die Namen von Medizinern, die der Veröffentlichung ihrer Daten zugestimmt haben. Die Bereitschaft zu einer solchen Transparenz war in Österreich noch deutlich niedriger als in Deutschland, berichtet Correctiv.

Demnach sind in Österreich nur 18 Prozent aller Geldflüsse an Ärzte und weitere Angehörige der Fachkreise direkt namentlich zurückzuverfolgen, in Deutschland waren es 29 Prozent. "Der aktuelle Verhaltenskodex bestraft die Mutigen und hält die anderen im Dunkel", sagte Franz Piribauer, Leiter der Arbeitsgruppe Gesundheit bei Transparency International gegenüber Correctiv. "Ohne eine gesetzliche Pflicht wird sich daran auf Jahre nur langsam marginal etwas ändern."

Wie es anders geht, zeigt ein Blick in die USA. Dort verpflichtet ein Gesetz die Pharmafirmen seit 2010 dazu, die Namen aller Ärzte mit den jeweils gezahlten Summen und Leistungen zu veröffentlichen - gebündelt, in einer für jeden durchsuchbaren Datenbank. Dennoch bietet die Transparenzinitiative einen Einblick in die Geldflüsse zwischen Ärzten und Industrie, der in Europa bislang einmalig ist.

Gefahr durch Interessenkonflikt

So lässt sich für Österreich herauslesen, dass jede der genannten Personen im Schnitt 1187 Euro erhielt. Das Geld wurde entweder als Honorar für Vorträge, Beratungen oder Studien im Auftrag des Pharmaunternehmens eingesetzt. Alternativ diente es dazu, Spesen im Zusammenhang mit Veranstaltungen zu begleichen. Direkte Zahlungen der Pharmafirmen an Mediziner, die nicht mit einer Gegenleistung verbunden sind, gelten als Korruption und sind verboten.

Allerdings kann auch die Zahlung für eine Gegenleistung zu einem Interessenkonflikt führen. Dieser birgt die Gefahr, dass der Arzt nicht mehr unvoreingenommen urteilen kann. Studien deuten zum Beispiel darauf hin, dass Ärzte, die Honorare eines Unternehmens erhalten, häufiger dessen Medikamente verschreiben (mehr zum Thema Interessenkonflikte lesen Sie in diesem FAQ zur deutschen Veröffentlichung).

irb
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