Omikron-Variante auf dem Vormarsch Was ein »milder« Coronaverlauf bedeutet

Menschen, die sich mit der Omikron-Variante infizieren, scheinen seltener schwer zu erkranken. Doch selbst bei einem milden Verlauf drohen mehr Beschwerden, als manche vermuten.
Eine Krankenschwester in Düren: Arbeiten am Anschlag

Eine Krankenschwester in Düren: Arbeiten am Anschlag

Foto: Thomas Banneyer / dpa

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Die Omikron-Variante verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Eigenschaften : Für den einzelnen ist sie wahrscheinlich weniger gefährlich als ihre Vorgängerin, die Delta-Variante. Für die Gesellschaft aber ist sie gefährlicher, da das Virus so ansteckend ist, dass Fachleute durch die Masse an Fällen mit überlasteten Krankenhäusern rechnen.

Zumindest wer eine dritte Impfung bekommen hat, darf trotz der bedrohlichen Szenarien im schlimmsten Fall auf einen milden oder moderaten Verlauf hoffen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen? In der Medizin existieren dafür klare Definitionen.

Schwerer Verlauf: Nur bei einer schweren Lungenentzündung

Das Robert Koch-Institut (RKI) unterscheidet in einem Papier  zwischen asymptomatischen Infektionen, leichten beziehungsweise moderaten Erkrankungen, schweren Erkrankungen und kritischen Erkrankungen. Dabei orientiert sich das Institut an einer Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) .

  • Als asymptomatisch gilt ein Verlauf, wenn bei einer Person eine Sars-CoV-2-Infektion nachgewiesen wurde, sie aber keinerlei Beschwerden entwickelt. In diesem Fall spricht man auch nicht von Covid-Erkrankten, sondern nur von Infizierten, da ja keine Erkrankung vorliegt.

  • Komplizierter wird es bei einer leichten beziehungsweise moderaten Erkrankung. Sie macht aus, dass die Betroffenen zwar Beschwerden entwickeln, aber keine, die auf eine schwere Erkrankung zutreffen. Wer leicht oder moderat erkrankt, kann trotzdem unter einer Vielzahl an Symptomen leiden. Dazu zählen unter anderem Geschmacks- und Geruchsstörungen, Fieber, Durchfall, Husten, eine verstopfte Nase und Abgeschlagenheit.

  • Schwer an Covid-19 erkrankt ist nur, wer auch eine schwere Lungenentzündung entwickelt. Die Rahmenbedingungen dafür sind genau definiert: In einem geschlossenen Raum muss die Sauerstoffsättigung im Blut auf unter 90 bis 94 Prozent fallen (die WHO zählt schwere Verläufe erst bei einer Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent). Eine weitere Voraussetzung ist bei Erwachsenen eine Atemfrequenz von mehr als 30 Atemzügen pro Minute. Sie zeigt, dass der Körper versucht, den Sauerstoffmangel auszugleichen. Außerdem muss die Lungenentzündung so starke Spuren im Körper hinterlassen haben, dass sie auf einem Röntgenbild erkennbar sind.

  • Wer noch schwerer, also kritisch an Covid-19 erkrankt, dessen Leben ist in Gefahr. Bei den Betroffenen kommt es zu einem akuten Lungenversagen (ARDS), einer Sepsis, also einer lebensbedrohlichen Überreaktion des Immunsystems, oder einem multiplen Organversagen.

Omikron-Ausbruch bei Geimpften in Norwegen: Husten, Fieber und noch mehr

Einen kleinen Eindruck von dem, was als mild klassifizierte Covid-Erkrankungen bedeuten, vermittelt eine aktuelle Untersuchung aus Norwegen , die allerdings nicht repräsentativ ist. Für die Studie befragten Forschende mehr als 80 Personen, die sich bei einer Weihnachtsfeier Ende November mit Corona infiziert hatten. Bei 66 wurde die Omikron-Variante sicher nachgewiesen, bei 15 bestand ein Omikron-Verdacht. Fast alle waren doppelt geimpft, aber niemand geboostert. Im Schnitt waren die Erkrankten 38 Jahre alt.

Von den 81 Personen entwickelte nur eine Person gar keine Beschwerden, 74 litten unter mindestens drei Symptomen. Am häufigsten waren Husten (83 Prozent), gefolgt von einer laufenden Nase (78 Prozent), Abgeschlagenheit (74 Prozent), Halsschmerzen (72 Prozent), Kopfschmerzen (68 Prozent) und Fieber (54 Prozent).

Als sie den Grad ihrer Beschwerden auf einer Skala von eins (keine Symptome) bis fünf (erhebliche Symptome) einschätzen sollten, antworteten 42 Prozent mit einer drei, elf Prozent sogar mit einer vier. Ins Krankenhaus musste niemand. Zum Zeitpunkt der Befragung, weniger als eine Woche nach der Weihnachtsfeier, hatte ein Großteil seine Erkrankung allerdings auch noch nicht überstanden.

Wie macht sich ein schwerer Verlauf bemerkbar?

Bei Menschen, die einen schweren Verlauf entwickeln, beginnt die Erkrankung häufig wie bei einem milden Verlauf mit Beschwerden wie Husten oder Fieber. Einige Tage später verschlechtert sich der Zustand jedoch, es kommt zu Atemnot und einem Sauerstoffmangel. Grund dafür ist, dass die Viren einige Zeit brauchen, um von den oberen Atemwegen in die Lunge zu gelangen und dort Schaden anzurichten. Beschränkt sich die Infektion auf die oberen Atemwege, bleibt sie in der Regel zwar unangenehm, aber harmlos.

Gefährlich ist, dass es bei einem schweren Covid-Verlauf gerade bei älteren Personen auch zu einer sogenannten stillen Hypoxie kommen kann. Die Betroffenen fühlen sich noch gut und haben keine Atemnot, obwohl der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut schon viel zu niedrig ist. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, gerade bei Risikopatientinnen und Risikopatienten mit einer Covid-Erkrankung die Sauerstoffsättigung im Blut oder die Atemfrequenz zu beobachten.

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