Doppelte Widerspruchslösung Baerbock warnt vor Abwehrhaltung durch Zwang bei Organspenden

In der Organspende-Debatte hat Grünen-Chefin Baerbock die Pläne von Gesundheitsminister Spahn kritisiert. Statt einer einmaligen Entscheidung schlägt sie eine regelmäßige Befragung der Bürger vor.

"Große Befürchtungen": Grünen-Chefin Annalena Baerbock
Michael Kappeler / DPA

"Große Befürchtungen": Grünen-Chefin Annalena Baerbock


Die Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, hat die unter anderem von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen neuen Regeln für Organspenden in Deutschland kritisiert. "Ich habe große Befürchtungen nach Gesprächen mit Betroffenen, dem Ethikrat und den Debatten im Bundestag, dass durch diesen Zwang, den der Staat hier ausübt, eine Abwehrhaltung erfolgt", sagte Baerbock im ZDF-"heute journal".

Nach dem am Montag vorgestellten Vorschlag einer Parlamentariergruppe um Spahn sollen alle Volljährigen grundsätzlich als Organspender gelten - bis auf Widerruf. Mit der "doppelten Widerspruchslösung" wäre automatisch jeder Spender. Man könnte dazu aber noch Nein sagen. Sonst wäre - als doppelte Schranke - bei Angehörigen nachzufragen.

Eine ebenfalls fraktionsübergreifende Gruppe um Baerbock schlägt dagegen verbindliche regelmäßige Befragungen der Bürger etwa beim Ausweisabholen in Ämtern vor. Dies sei eine "grundrechtsschonendere Alternative", sagte Baerbock in der ARD-Sendung "Hart aber fair".

Spahn kritisierte in der Sendung, es sei nicht die richtige Atmosphäre, in einem Großraumbüro eines Bürgeramts über Organspenden zu reden. Er verteidigte die Pläne für eine Widerspruchslösung. Es gebe auch andere Bereiche wie Erbschaftsfälle, in denen der Staat bestimmte Rechtsfolgen festlege, falls man nicht selbst zu Lebzeiten etwas erkläre. Bisher sind Organspenden nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung zulässig.

mkl/dpa



insgesamt 58 Beiträge
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dborrmann 02.04.2019
1. Hirntod ist nicht der Tod,
sondern lediglich eine medizinische Diagnose. Daher entnimmt man die Organe nicht einem Toten, sondern einem Lebenden. Der Vergleich von J. Spahn mit gesetzlich festgelegten Erbschaftsregularien ist mithin falsch, sie betreffen Tote. Erst nach der Organentnahme ist der Organspender tot. Das muss man ganz klar und deutlich sagen. Das bedeutet aber auch, die Organspende tötet den Spender. Über die Treffsicherheit der Diagnose Hirntod gibt es übrigens keine eindeutige und letztgültige Statistik. Was man wohl sagen kann, die Diagnose wurde erst entwickelt, als Organspenden in den 1960er Jahren interessant wurden. Die Diagnosekriterien wurden dann immer wieder angepasst. Also ist Hintod 1970 und Hirntod 2020 durchaus etwas voneinander Verschiedenes.
AxelSchudak 02.04.2019
2.
In wie weit eine regelmäßge Befragung bei Behördengängen (Führerschein, Ausweis) der Widerspruchslösung von Spahn widerspricht, kann wohl auch nur Baerbock erkennen. Eine regelmäßige Erinnerung an die Möglichkeit, Widerspruch zu registrieren (zusätzlich natürlich zur generellen Möglichkeit durch aktive Meldung des Widerspruchs) macht die Lösung nur besser. Letztendlich stuft Baerbock das Recht auf "lasst mich in Ruhe, ich will darüber nicht nachdenken" höher ein, als das Recht Kranker auf Leben. Wer nicht spenden will, soll es einfach sagen. Fertig ist. Und wer immer sich NICHT für oder gegen hat registrieren lassen, wird halt alle paar Jahre auf einer Behörde nochmal gefragt, kann aber jederzeit NICHTS sagen, was dann nur praktisch ja und nicht wie heute praktisch nein bedeutet. Da wird keinerlei Recht eingeschränkt.
flaschengaist 02.04.2019
3. Spahnung steigt
Spenden ist ja OK. Aber auf die Spahnsche Art? Wenn dann ein Datendebakel passiert, dann gehts voll los mit der Organzwangsenteignung. Vorsicht: Bald kommt die Spahn Organ App! Aber ist der Datenschutz über Organfreigabe sicher beim Bundesgesundheitsministerium? Wie wird es mit der Datenbanksicherheit ausschauen? Organspende sollte einfach viel mehr Aufklärung erfahren, dann wird bestimmt auch gern gespendet.
practicus 02.04.2019
4. Es gibt eine ganz simple Lösung
Das "Club-Modell". Jeder Spendewillige trägt sich in ein Register der Organspender ein. Da Nicht-Spender ja die Organspende ablehnen und dann sicher auch nicht Empfänger eines Spenderorgans sein wollen, werden "Clubmitglieder" nach einer festgelegten Mindestdauer der Mirgliedschaft (Kinder natürlich ausgenommen) bei der Organvergabe bevorzugt... Das wäre eine völlig gerechte und zwangfreie Lösung...
HenOjiSan 02.04.2019
5. Baerbock-Vorschlag
Der Bearbock-Vorschlag wird exakt so in anderen Ländern praktiziert, wie etwa in den USA. Ich habe nie verstanden, warum das in Deutschland nicht genauso gehandhabt wird.
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