Organspenden Spahn fordert Debatte über Lebendspenden

Die Entscheidung über die Widerspruchslösung bei Organspenden steht kurz bevor. Nach SPIEGEL-Informationen regt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon jetzt weitere Reformen an.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Lebendspenden sind für Nierenkranke wichtig
Britta Pedersen/ DPA

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Lebendspenden sind für Nierenkranke wichtig

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Der Bundestag steht vor einer seiner schwierigsten Entscheidungen in dieser Legislaturperiode. Voraussichtlich im Dezember werden die Abgeordneten über eine Neuregelung der Organspende im Todesfall entscheiden. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, ist damit allerdings noch nicht genug gegen den Mangel an Spenderorganen getan.

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"Aus meiner Sicht ist es damit noch nicht zu Ende. Wir haben anschließend noch eine Debatte zu führen über das Thema Lebendspenden", sagte Spahn nach SPIEGEL-Informationen am Dienstag auf einer Veranstaltung des Bundesverbands der Organtransplantierten. Dabei verlieh die Vereinigung Spahn einen Preis "für seinen Einsatz für die Organspende in der Öffentlichkeit".

Lebendspenden: Beschränkt auf enge Angehörige

Nach heutiger Rechtslage dürfen sich nur enge Angehörige und nahestehende Personen zu Lebzeiten Organe spenden. Experten fordern etwa, solche Lebendspenden auf einen größeren Personenkreis auszudehnen. Eine Diskussion über diese ethische Grundsatzfrage schiebe man seit Jahren vor sich her, monierte Spahn. Gerade für Nierenkranke sei diese Frage wichtig. Nach einer Entscheidung für oder gegen die sogenannte Widerspruchslösung wünsche er sich daher auch eine Debatte über Lebendspenden.

Bei der Abstimmung im Dezember geht es um einen Gesetzentwurf, den Spahn mit einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Abgeordneten vorgelegt hat. Ihr Vorstoß für die Einführung der Widerspruchslösung sieht vor, dass alle Menschen im Falle eines Hirntods als potenzielle Organspender gelten, wenn sie zu Lebzeiten ihren Widerspruch nicht in einem offiziellen Register hinterlegt haben - und wenn ihre Angehörigen keine Einwände haben.

Der Vorschlag ist allerdings umstritten. Ein Gegenvorschlag will, dass auch künftig die ausdrückliche Zustimmung zur Organspende erforderlich ist und in einem Register hinterlegt wird. Sie soll regelmäßiger abgefragt werden, auch Ärzte sollen darüber aufklären.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
OberstSL 25.10.2019
1. Lebendspenden
Was ist damit gemeint? Die eine Niere die man spenden kann? Das Knochenmark? Oder will Jens Spahn seinen ganzen Körper zu Lebzeiten an eine Organverwertungsfabrik spenden? Mehr Info wäre nicht schlecht.
frenchie3 25.10.2019
2. Ach, der Jens
Nichts gegen die Widerspruchsregelung wenn es genug Kontrollmechanismen gibt die Verhindern daß kein zufällig passender (noch lebender) Spender zwecks Ausschlachtung "fehlbehandelt" wird. Was aber soll der Unsinn daß ein wildfremder Mensch von bester Gesundheit beispielsweise eine Niere abgibt um damit später möglicherweise selbst zum Patienten zu werden? Wird er eventuell mit einer "traurigen Story" zur Spende überredet? Mal von den möglichen Folgekosten bis hin zu Schadensersatzforderungen abgesehen? Bleibt bei der Beschränkung auf Familie, hier ist die Motivation nachvollziehbar und die Abstoßrisiken sind übersehbar.
isar56 25.10.2019
3. Was will er denn genau?
Zum Thema Organspenden wird weitgehend unterschlagen, dass lebenslang die Einnahme krebserregender Medikamente notwendig wird wegen der Gefahr einer Abstoßung. Außerdem müssen Angehörige zeitnah das Sterbebett verlassen, der Patient wird beatmet, wirkt nicht tot und die Organe müssen rasch entnommen werden. Zudem stehen die Krankenversicherungen vor empfindlichen Beitragserhöhungen, so gnadenlos es klingt. Ich würde gerne zum Hebammenmangel etwas von Herrn Spahn hören und dazu wie mexikanische und philippinische Pflegekräfte integriert werden sollen und ob günstige Wohnungen zur Verfügung stehen, denn diese Menschen sind nicht doof und merken schnell, dass im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten die Gehälter mickrig sind. Beim Tod meines Bruders haben wir seinem Wunsch entsprochen Organe frei zu geben. Von der DSO weiß ich, dass beide Nieren den Empfängern nichts brachten.
LottaCanis 25.10.2019
4. Selbstbestimmter Tot
Solange ein selbstbestimmter Tot und Sterbehilfe nicht möglich ist, werde ich zum Widerspruch neigen! Und, wer Organe spendet, sollte mindestens das Begräbnis bezahlt bekommen und nicht die Angehörigen zur Kasse gebeten werden. Der Arzt arbeitet auch nicht "Ehrenamtlich"
r.pfeil 25.10.2019
5.
Dabei könnte alles so einfach sein. Spendenwillige könnten bei der Organvergabe einfach bevorzugt behandelt werden. Wer selber nicht spendenwillig ist, der steht leider hinten an und bekommt möglicherweise kein lebenswichtiges Organ, weil das Angebot geringer als die Nachfrage ist. Für mich ist überhaupt nicht einzusehen, warum diese Regelung nicht jetzt schon gilt. Wenn es stimmt, dass es mehr Organsuchende als Organspender gibt, dann hätte sich das Problem fast erledigt. Und jeder spendenunwillige Bedürftige würde einsehen müssen, warum das so ist.
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