PCOS Ein Frauenkörper voller Männerhormone

Beim PCO-Syndrom sammeln sich männliche Hormone im weiblichen Körper an. Zu den ersten Anzeichen gehört übermäßiger Haarwuchs, später kommt es zu Problemen beim Kinderwunsch. Fast jede zehnte Deutsche ist betroffen.
Bei Anzeichen von PCOS zum Arzt

Bei Anzeichen von PCOS zum Arzt

Foto: TMN

Dunkler Flaum auf der Oberlippe, manchmal auch am Kinn oder in den Randbereichen des Gesichts: Das können bei jungen Frauen die ersten Anzeichen für PCOS sein. Oft bekommen Betroffene die Symptome in dieser Phase noch mit einem Rasierer in den Griff. Das gilt auch dann, wenn das Schamhaar über den Intimbereich hinaus auf die Oberschenkel und bis zum Bauchnabel wächst.

Irgendwann lässt sich die Erkrankung jedoch nicht mehr ignorieren. Zum Haarwuchs können Akne, Übergewicht, schnell fettendes Kopfhaar und immer dünnere Haare hinzukommen. Bei vielen stellt sich die Monatsblutung nicht mehr regelmäßig ein. Das größte Problem: Wollen die Betroffenen schwanger werden, klappt es oft nicht. Die Situation ist jedoch nicht aussichtslos, die Krankheit lässt sich in den Griff bekommen.

Wer bei sich die Anzeichen für PCOS entdeckt, sollte den Verdacht von einem Frauenarzt abklären lassen. Zu der Untersuchung gehört ein Bluttest, um die Konzentration bestimmter Hormone im Körper zu bestimmen. Daneben werden die Eierstöcke per Ultraschall sichtbar gemacht. "Der Verdacht auf PCOS erhärtet sich, wenn neben den typischen hormonellen Veränderungen an der Außenhülle der Eierstöcke viele kleine Bläschen zu sehen sind", sagt der Hannoveraner Gynäkologe Christian Albring.

Fast jede zehnte Frau betroffen

Die vier Buchstaben PCOS stehen für Polycystisches Ovarsyndrom. Fast jede zehnte Frau in Deutschland ist von der Erkrankung der Eierstöcke betroffen. Typischerweise beginnt sie zwischen dem 10. und dem 25. Lebensjahr. Die Ursachen sind bis heute unklar. "Es scheint sich um ein verändertes Ansprechen der Zellen in den Eierstöcken auf ein anregendes Hormon aus dem Gehirn zu handeln", so Albring. Dadurch komme es zu mehreren Folgereaktionen.

So unterdrückt die Erkrankung ein Hormon, das die unreifen Eizellen in den Bläschen zur Reifung anregen soll. Auch sind die Eierstöcke nicht mehr ausreichend in der Lage, das männliche Hormon Testosteron, das sich auch bei Frauen bildet, in Östrogen umzuwandeln. Dadurch sammeln sich männliche Hormone im Körper an.

Zudem reagieren die Körperzellen bei PCOS unempfindlicher auf Insulin. Das animiert den Organismus, immer größere Mengen des Hormons auszuschütten, was zum nächsten Problem führt: Insulin unterstützt wiederum die Produktion männlicher Hormone. Zugleich fördert es die Speicherung von aus der Nahrung gewonnener Energie in Fettdepots, statt sie zu verbrennen. Die Folge ist häufig Übergewicht. Die Diagnose von PCOS sollte deshalb immer auch einen Insulin-Test enthalten.

Bewegung, Diät, Hormontherapie

Ein Verdacht auf PCOS sollte so früh wie möglich abgeklärt werden. Wird das Syndrom nicht therapiert, verschlimmert sich die Erkrankung oft. Betroffene haben mit der Zeit nicht mehr nur Schwierigkeiten, schwanger zu werden - es steigt auch das Risiko, an Diabetes oder an der Schilddrüse zu erkranken oder später einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

"Die Therapie ist individuell verschieden und hängt auch davon ab, ob die Patientin einen Kinderwunsch hat oder nicht", erklärt Rudolf Seufert, der die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Mainz leitet. Bringt die Frau zu viele Kilos auf die Waage, dann wird ihr eine Gewichtsreduktion nahegelegt. "Das Abnehmen ist in vielen Fällen nicht einfach, da bei einer PCOS-Erkrankung der Energiestoffwechsel im Körper aus der Balance geraten ist", sagt Seufert.

Neben der Gewichtsreduktion in Verbindung mit viel Bewegung gehört zur Behandlung eine hormonelle Therapie. Bei Frauen ohne Kinderwunsch kommt unter Umständen auch die Anti-Baby-Pille zum Einsatz, erklärt Albring, der auch Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte ist.

Bei Kinderwunsch auch Schilddrüse untersuchen

Außerdem gibt es Medikamente, die der Insulinresistenz und dem Überschuss an männlichen Hormonen direkt entgegenwirken. Mit ihrer Hilfe verschwinden Symptome wie Akne, übermäßiger Haarwuchs im Gesicht und Haarausfall auf dem Kopf mit der Zeit. "Erste positive Ergebnisse zeigen sich oft schon nach einem halben Jahr", sagt die Gynäkologin Nicole Sänger, Leiterin des Zentrums für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt.

Frauen, die schwanger werden möchten und unter PCOS leiden, sollten neben der Therapie zudem weitere Faktoren für einen unerfüllten Kinderwunsch untersuchen lassen - darunter die Schilddrüse. Denn eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls die Ursache für Zyklusstörungen sein. Außerdem sollten Patientinnen, die Mutter werden wollen, das Rauchen aufgeben.

"Die Kombination von Abnehmen, mehr Bewegung, der medizinischen Behandlung und einem Rauchstopp kann in vielen Fällen dazu führen, dass sich die Fruchtbarkeit einer Frau verbessert und sie schwanger wird", so Sänger.

Von Sabine Meuter, dpa/irb
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