Antibabypille und Sport So lässt sich PCOS behandeln

Warum produzieren manche Frauen zu viele männliche Geschlechtshormone, andere aber nicht? Wie lassen sich die daraus folgenden Beschwerden reduzieren, wie ein Kinderwunsch erfüllen? Die wichtigsten Fakten zu PCOS.

Die Antibabypille: Das zur Verhütung entwickelte Medikament kann bei PCOS-Patientinnen den Zyklus normalisieren
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Die Antibabypille: Das zur Verhütung entwickelte Medikament kann bei PCOS-Patientinnen den Zyklus normalisieren


Beim Polyzystischen Ovarsyndrom, kurz PCOS, gerät der Haushalt der Geschlechtshormone durcheinander. Die Frauen haben unter anderem viel zu hohe Werte an Androgenen, männlichen Sexualhormonen. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf, das Risiko ist deshalb sehr wahrscheinlich genetisch bedingt und vererbbar. "So genau kennen wir die möglichen Ursachen aber noch nicht", sagt die Essener PCOS-Expertin Susanne Reger-Tan. Wahrscheinlich spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle, ein Beispiel dafür ist ein Überschuss an männlichen Hormonen der Mutter während der Schwangerschaft.

Noch viel wichtiger als die Frage nach dem "Woher" ist jedoch die Frage, wie sich die Beschwerden akut bekämpfen und mögliche Spätfolgen vermeiden lassen. "Es gibt noch keine Therapie, um PCOS zu heilen, geschweige denn die eine Tablette, die alles gut macht", sagt Reger-Tan. "Es müssen diverse Maßnahmen parallel erfolgen, die sich nach den individuellen Symptomen und Bedürfnissen richten. Doch nicht alle sind für genau die Anwendung zugelassen, für die wir sie brauchen."

Zum Maßnahmenpaket gehört, die Lebensgewohnheiten zu optimieren und darauf auszurichten, das Körpergewicht zu reduzieren. Wer konsequent ist, kann innerhalb von 6 bis 12 Monaten etwa 10 Prozent seines Körpergewichts verlieren. Durch die Gewichtsabnahme und regelmäßiges Sporttreiben steigt die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur. Die Insulinresistenz, ein Grundproblem der Stoffwechselstörung, verbessert sich, die erhöhten Insulinwerte sinken etwas ab. Das vermindert die Androgenproduktion und normalisiert den Zyklus.

Mit Creme gegen die Körperbehaarung

Gegen die starke Körperbehaarung gibt es eine Creme, die allerdings nur für das Gesicht zugelassen ist. Daneben ist es möglich, die Gesichtsbehaarung mit einer Lasertherapie deutlich zu reduzieren. Die Anwendung muss jedoch regelmäßig wiederholt werden, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten höchstens nach Einreichen eines psychologischen Gutachtens.

Daneben wirkt auch die Antibabypille der Körperbehaarung entgegen und kann, indem sie den Zyklus normalisiert, einem Gebärmutterschleimhautkrebs vorbeugen. "Die Antibabypille kann mit diversen Medikamenten kombiniert werden, die den Androgenspiegel absenken und beispielsweise beim Mann gegen das Prostatakarzinom und Haarausfall eingesetzt werden", sagt Reger-Tan. "Die gleichzeitige Verhütung ist wichtig, weil diese Medikamente insbesondere männliche Embryonen schädigen können."

Mit dem Diabetes-Medikament Metformin ist es zudem möglich, sowohl Zyklus und Akne als auch die Insulinresistenz und das Gewicht positiv zu beeinflussen. "Metformin ist ein sicheres Medikament, das aber am Anfang zu Magen-Darm-Problemen führen kann. Es ist finanziell erschwinglich und erzielt gute Erfolge", so Reger-Tan. Es kann sogar nach Rücksprache mit dem Arzt während der Schwangerschaft eingesetzt werden, um Schwangerschaftskomplikationen vorzubeugen.

Medikamentöse Nachhilfe beim Eisprung

Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt, ist es am besten, einen Reproduktionsmediziner zu Rate zu ziehen. Der Arzneistoff Clomifen kann die Eierstöcke hormonell stimulieren und einen Eisprung auslösen. Er wird jedoch möglicherweise bald von einem anderen Medikament abgelöst. Eine aktuelle Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) hat ergeben, dass das Medikament Letrozol im Vergleich zu Clomifen zu einer höheren Zahl an Lebendgeburten führt. Vor einem klinischen Einsatz sind aber noch weitere Studien nötig.

Eine weitere Hilfe, die Frauen in Anspruch nehmen können, hat nichts mit Medikamenten zu tun. "Viele Frauen mit PCOS haben das Gefühl, dass sie die einzigen mit all diesen Beschwerden sind. Dabei sind so viele Frauen betroffen", sagt Reger-Tan. Sie rät unbedingt zum Austausch mit anderen betroffenen Frauen. "Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit hierzu", so die Expertin. Unter der Schirmherrschaft der BKK wurde am Universitätsklinikum Essen ein bundesweites Selbsthilfenetz aufgebaut.



insgesamt 1 Beitrag
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Samuel2014 28.04.2016
1. So wurde ich schwanger
Ich kann jedem mit PCO und Kinderwunsch Clavella empfehlen. Es hilft dabei trotz PCO Schwanger zu werden. Ich bekam sogar eine bessere Haut und mein Zyklus wurde regelmäßig!
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