Umstrittenes Bezahlsystem Kliniken sollen mehr Geld für psychisch Kranke bekommen

Werden Menschen mit schweren psychischen Leiden zu schnell aus der Klinik entlassen? Ein neues Finanzierungssystem für psychiatrische Kliniken soll falsche Anreize unterbinden. Doch der Streit um die geplanten Änderungen reißt nicht ab.

Patientenakte: Psychiatrie-Entgeltesystem Pepp soll zur besseren Versorgung von psychisch Kranken führen
DPA

Patientenakte: Psychiatrie-Entgeltesystem Pepp soll zur besseren Versorgung von psychisch Kranken führen


Berlin - Nach massiver Kritik werden die Regeln zur Bezahlung von psychiatrischen Kliniken nachgebessert. So sollen Menschen, die zum Beispiel unter schweren Depressionen, Schizophrenie oder Suchtproblemen leiden, auch davor geschützt werden, frühzeitig entlassen zu werden.

Die Spitzenorganisationen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen und der Krankenhäuser haben eine entsprechende Änderung des umstrittenen Entgeltsystems für die Psychiatrie und Psychosomatik (Pepp) vereinbart. Das teilte der Kassen-Spitzenverband am Donnerstag in Berlin mit.

Kritiker bemängelten, das noch junge Pepp-System könne dazu führen, dass Patienten mit schweren Erkrankungen zu früh entlassen werden. In der Psychiatrie wird von den Kassen für jeden Aufenthaltstag eine Pauschale gezahlt - je nach Erkrankung sinken die Tagessätze während des Aufenthaltes. Nun sollen die Kliniken unter anderem ergänzende Entgelte für bestimmte Intensivbehandlungen und eine intensive Pflege abrechnen können.

Umstieg auf Pepp noch unklar

Streit gibt es aber weiter darüber, ab wann das vor zwei Jahren eingeführte System verpflichtend für alle rund 580 psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken gilt. In diesem Jahr ist es den Kliniken noch freigestellt, ob sie mit dem neuen System abrechnen wollen.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir brauchen eine Verlängerung der Optionsphase bis 2017." Für den Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, wäre dies hingegen "vollkommen kontraproduktiv". Nur wenn die Häuser auf Pepp umsteigen, könne die Vergütung sachgerecht weiterentwickelt werden.

Derzeit rechnen 80 Häuser mit dem neuen System ab, davon mit jeweils 12 die meisten in Bayern und in Rheinland-Pfalz, gefolgt von Niedersachsen mit 8.

Die Grünen begrüßten die Änderungen, halten sie aber für unzureichend: "Zentrales Ziel muss es sein, die Versorgung zu verbessern und am individuellen Bedarf des Patienten auszurichten", sagte die Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink.

cib/dpa

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hakse 11.04.2014
1. Die grünen sind krank
Diese Partei merkt nicht mal unter Drogen,dass sie die Repression und die Unterbringungszahlen und die Dauer ins unerträgliche steigert.Die Blockwarte,rotbraunen Gesunheitsämter und Richter die sich speziell mit Unterbringungsbeschlussen befassen werden es danken das faschistische Wegsperrsystem zu verteifen.Als nächstes werden die Sätze für Gefängnissinsassen verdoppelt und für jede Festnahme gibts 50 Euro Gehaltserhöhung für die BFE-Bratze.Aus diesem Irrenland kann man nur noch auswandern.Und by the way: Sowas soll Europa retten.Es ekelt mich!
egyptwoman 11.04.2014
2. optional
Abrechnungssystem hin oder her, ohne das entsprechend geschulte Personal und zwar in ausreichend hoher Zahl, werden die Patienten dort mit Medikamenten ruhig gestellt, das ist das ganze Problem an der Sache. Ich musste selbst schon zwar eine ambulante Therapie machen und war auch bei einem Psychiater, das erste kaum das man sein Anliegen vorbrachte war das Wort: Medikamente. Es mag zwar sein, das in einigen Fällen sowas hilft, ich traue diesen Dingern aber null über den Weg. Kenne genug denen es hinterher schlechter ging. Die intensive Betreuung durch gute Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten ist das was am Ende zählt und nicht das man den Patienten in eine Klinik steckt und dort erstmal unter den Einfluss von Medis setzt von denen fast alle sehr schnell abhängig machen.
bafibo 11.04.2014
3. Lesen hilft
Zitat von hakseDiese Partei merkt nicht mal unter Drogen,dass sie die Repression und die Unterbringungszahlen und die Dauer ins unerträgliche steigert.Die Blockwarte,rotbraunen Gesunheitsämter und Richter die sich speziell mit Unterbringungsbeschlussen befassen werden es danken das faschistische Wegsperrsystem zu verteifen.Als nächstes werden die Sätze für Gefängnissinsassen verdoppelt und für jede Festnahme gibts 50 Euro Gehaltserhöhung für die BFE-Bratze.Aus diesem Irrenland kann man nur noch auswandern.Und by the way: Sowas soll Europa retten.Es ekelt mich!
Von zwangsweise Untergebrachten war im Artikel nicht die Rede, diese werden ganz sicher nicht zu früh entlassen, weil es sich für die Klinik nicht rechnet. Daß nicht jeder dieser Zwangspatienten zu Recht in der Psychiatrie sitzt, ist ein ganz anderes Thema. Hier geht es um die Einsichtig-"Freiwillig"-Kranken, denen unser Gesundheitssystem in manchen Fällen die Hilfe vorenthält.
hakse 11.04.2014
4. Schon lustig was hier geschrieben wird
Es geht um ALLE Psychiatrischen Kliniken in Deutschland.Der überwiegende Teil ist mit Zwangspatienten zugestopft mindestens zur Hälfte folglich sollten einige erstmal nachdenken und sich informieren was hier abläuft.Ausserdem wird im Artikel nicht genannt wer sich gegen das neue System so aufgeregt hat und im Namen welcher "Lobby" die Sätze jetzt wieder hochgeschraubt werden! Aber was solls Rentenansieg,Mehrleistungen für Jugendliche,Tariferhöhungen,mehr Geld für zwangsweise Unterbringung...das Ende dieses Lügensystems ist absehbar.
wauz, 11.04.2014
5. Dummes Zeug
Zitat von hakseEs geht um ALLE Psychiatrischen Kliniken in Deutschland.Der überwiegende Teil ist mit Zwangspatienten zugestopft mindestens zur Hälfte folglich sollten einige erstmal nachdenken und sich informieren was hier abläuft.Ausserdem wird im Artikel nicht genannt wer sich gegen das neue System so aufgeregt hat und im Namen welcher "Lobby" die Sätze jetzt wieder hochgeschraubt werden! Aber was solls Rentenansieg,Mehrleistungen für Jugendliche,Tariferhöhungen,mehr Geld für zwangsweise Unterbringung...das Ende dieses Lügensystems ist absehbar.
Tatsächlich sind außerhalb der Forensik die wenigsten Patienten mit Beschluss da. Das heißt, die überwiegende Mehrheit kann jederzeit gehen. Und die meisten mit Beschluss sind auch nur während einer akuten Krise mit wahrscheinlicher Selbstgefährdung unter Beschluss. Nur sind die meisten Patienten froh, in der Klinik sein zu DÜRFEN. was man schon daran merkt, dass, wie schon gesagt, die allermeisten Patienten freiwillig in die Klinik gehen.
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