Lagern, waschen, Medikamente Pflegende Angehörige sollten sich weiterbilden

Wenn Menschen ihre Angehörigen ohne jedes Fachwissen pflegen, riskieren sie Fehler. Trotzdem besuchen nur die wenigsten einen Pflegekurs. Das Angebot ist kaum bekannt.
Hilfe beim Trinken: Wer einen Angehörigen pflegt, übernimmt auch viel Verantwortung

Hilfe beim Trinken: Wer einen Angehörigen pflegt, übernimmt auch viel Verantwortung

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Augen und Ohren werden schlechter, die Glieder steif und die Muskulatur schwächer, das kennen alle. Manch ein älterer Mensch leidet auch noch unter Vergesslichkeit. Bis zu einem gewissen Punkt kommen die Betroffenen trotzdem alleine klar, Seh- und Hörschwächen lassen sich ausgleichen, die Kraft trainieren. Irgendwann aber brauchen sie Unterstützung. Dann sind meistens die Angehörigen gefragt.

Laut einer Erhebung des statistischen Bundesamtes  betreuen Angehörige knapp zwei Drittel der deutschen Pflegefälle zu Hause. Das bringt einen großen Vorteil: Die Betroffenen können in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Für Angehörige aber sind die Herausforderungen oft sehr belastend. "Damit das nicht passiert, sollten frühzeitig Infos zum Thema Pflege eingeholt und ein Pflegekurs absolviert werden", rät Gundula Kozariszczuk vom DRK Pflegeservice Müggelspree in Berlin.

Bei vielen entwickeln sich Hilfs- und Pflegebedürftigkeit schleichend. "Es fängt oft damit an, dass die Betroffenen Unterstützung bei Aufgaben wie Einkaufen, Kochen oder Putzen oder bei organisatorischen Dingen wie Behördengängen benötigen", sagt Kozariszczuk. Dann beginnen ihnen die Körperpflege oder das An- und Ausziehen schwerzufallen; schließlich sind manche komplett auf die Hilfe anderer angewiesen.

Ein Großteil pflegt, ohne sich je fortgebildet zu haben

"Am besten wäre es, gleich aktiv zu werden, wenn sich die ersten Anzeichen dafür zeigen, dass jemand ein Pflegefall werden könnte", sagt Kozariszczuk. Tatsächlich aber kommt die Idee, einen Pflegekurs zu besuchen, den meisten pflegenden Angehörigen erst, wenn die Situation schon akut ist. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung. Ein Großteil pflegt sogar, ohne sich jemals in dem Bereich fortzubilden.

"Das liegt fraglos nicht zuletzt daran, dass es gar nicht allen bekannt ist, dass es Pflegekurse für Angehörige gibt und dass bestehende Angebote häufig nicht ausreichend beworben werden", sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege. Manche glauben auch, genug Know-how zu haben. Andere fürchten, dass die Lehrgänge aufwendig oder teuer sind.

"Fakt ist, dass wer pflegt, ohne jegliches pflegerisches Fachwissen zu haben, Gefahr läuft, Fehler zu machen und damit der Gesundheit des Pflegebedürftigen oder auch seiner eigenen zu schaden", warnt Thomas Meißner, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats. Zu den möglichen Folgen gehören Wundliegen, Thrombosen oder Mangelernährung beim Gepflegten und Rückenprobleme beim Pflegenden. "Wer einen Pflegekurs macht, lernt sie zu vermeiden".

Pflegetechniken wie Waschen, Essen reichen, Lagerung

In einem Basiskurs lernen pflegende Angehörige Pflegetechniken wie Waschen, Essen reichen, Lagerung, Stützen und Heben, sowie Hilfe beim Toilettengang. "Darüber hinaus lernen die Teilnehmer unter anderem, Krankheitszeichen zu erkennen und Verletzungen vorzubeugen", sagt Kozariszczuk. "Sie erfahren Grundsätzliches zum Umgang mit psychischen Alterserscheinungen wie Demenz und zur sachgerechten Medikamentenvergabe".

Außerdem kommen sie mit anderen Pflegenden in Kontakt und können Erfahrungen austauschen. Sie bekommen Unterstützung bei psychischer oder physischer Überlastung. Und sie werden über Wohnraumgestaltung, Pflege- und Hilfsmittel oder Reha-Maßnahmen, sowie zu deren Finanzierung beraten. Bei Bedarf kann man auch Spezialkurse zu Themen wie Schlaganfall besuchen.

"Die meisten Kurse umfassen etwa acht bis zwölf Unterrichtseinheiten zum Beispiel à 90 Minuten, die über mehrere Wochen hinweg besucht werden könnten", sagt Suhr. "Zudem werden auch aufeinander aufbauend oder tageweise Seminare angeboten." Auch müssen pflegende Angehörigen die Kurse nicht selbst finanzieren."Da laut Sozialgesetzbuch der Anspruch auf unentgeltliche Schulungskurse besteht, werden die Teilnahmegebühren von den Pflegekassen, beziehungsweise von den privaten Pflegeversicherungen übernommen", erklärt Suhr.

Die Pflegeträger bieten Pflegekurse oft selbst an, außerdem kommen Schulungen bei Institutionen wie Wohlfahrtsverbänden, ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern oder kirchlichen Hilfswerken infrage. Wer nach Angeboten in seiner Nähe sucht, kann seinen Pflegeträger um Daten bitten. Zusätzlich lohnt es, weitere Quellen zu nutzen. Meißner rät, den Hausarzt oder Mitarbeiter lokaler Pflegestützpunkte anzusprechen oder sich im Internet zu informieren.

Von Nicola Menke, dpa
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