Krankenkassen-Studie Zahnarztversorgung ist in Pflegeheimen mangelhaft

Je größer die Pflegebedürftigkeit desto weniger wird auf die Zähne geschaut: Die Hälfte aller Heimbewohner hat zwei Jahre lang keinen Zahnmediziner mehr gesehen, so eine neue Studie. Patientenschützer sehen die Heime in der Pflicht.
Zahnarztbesuch für Pflegebedürftige: Schlechte Versorgungslage

Zahnarztbesuch für Pflegebedürftige: Schlechte Versorgungslage

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Berlin - Die Zähne Pflegebedürftiger werden deutlich seltener medizinisch versorgt als die anderer Menschen. Die Hälfte aller Pflegeheimbewohner wurde zwei Jahre lang nicht mehr vom Zahnarzt behandelt. Bei einigen Pflegebedürftigen liege der letzte Zahnarztbesuch sogar schon Jahrzehnte zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der Pflegereport 2014  der Barmer GEK, der am Dienstag vorgestellt wurde. Besonders in Heimen sei ein leichterer Zugang zur Zahnbehandlung nötig, forderte Barmer-Vorstandsmitglied Rolf-Ulrich Schlenker.

Ein zentrale Aussage des Reports: Je pflegebedürftiger jemand ist, desto seltener bekommt er eine Zahnbehandlung. Im Jahr 2012 nutzte je Quartal etwa ein Drittel (30,4 Prozent) der Nicht-Pflegebedürftigen konservierende, chirurgische und Röntgenleistungen zur Zahnbehandlung. Bei den Pflegebedürftigen habe diese Quote um 9,8 Prozent niedriger gelegen. Mit den Pflegestufen stiegen die Zahlen noch weiter an. In der Pflegestufe I und bei familiärer Pflege betrug der Unterschied lediglich 5,1 Prozentpunkte; bei Pflegeheimbewohner mit Pflegestufe III waren es 16,5 Prozent.

Für den Pflegereport verglich die Krankenkasse anhand von Routinedaten die zahnmedizinischen Leistungen für Pflegebedürftige mit denen Nicht-Pflegebedürftiger gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Morbidität. Bei Erkrankungen des Zahnhalteapparates, sogenannten Parodontopathien, seien 0,35 Prozent der nicht pflegebedürftigen Versicherten behandelt worden. Bei Pflegebedürftigen sei die Inanspruchnahme um etwa zwei Drittel niedriger gewesen. Und auch bei der Versorgung mit Zahnersatz und Zahnkronen schnitten vor allem Menschen in der Pflegestufe III schlecht ab.

Patientenschützer sehen Pflegeheime in der Verantwortung

Eine mögliche Ursache der Unterversorgung könne sein, dass die aktuellen zahnmedizinischen Behandlungsleitlinien kaum auf ältere und pflegebedürftige Menschen eingingen. Auch häufige psychische Störungen, insbesondere Demenz, würden in den Leitlinien nicht aufgegriffen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagt ebenfalls die Zustände. Rund 468.000 Heimbewohner hätten im vergangenen Jahr keinen Zahnarzt gesehen, "obwohl die Kassen seit April 2013 rund 20 Millionen Euro zusätzlich für die Zahnarztversorgung von immobilen Pflegebedürftigen bereitstellen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Die Patientenschützer verlangen, dass die Verantwortung für die Facharztversorgung für Pflegebedürftige vom Hausarzt an das Pflegeheim übergeht. Zudem müsse die Facharztversorgung in das oft kritisierte Bewertungssystem des Pflege-TÜV aufgenommen werden.

Wie der Pflegereport weiter ergab, ist die Zahl der Pflegebedürftigen auch 2013 weiter angestiegen, und zwar um 3,5 Prozent auf 2,5 Millionen pflegebedürftige Versicherte. Nach Schätzung der Barmer GEK wird sich die Zahl bis zum Jahr 2050 auf 4,5 Millionen erhöhen.

joe/AFP/dpa
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