Polio WHO bestätigt Ausbruch von Kinderlähmung in Syrien

Mindestens zehn Kinder sind in Syrien nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation an Kinderlähmung erkrankt. Zwölf weitere Verdachtsfälle werden untersucht. Damit handelt es sich dort um den ersten Ausbruch von Polio seit 1999. Die Krankheit soll eigentlich bis 2018 weltweit ausgerottet sein.

Schluckimpfung gegen Kinderlähmung: Ausbruch unter Kindern in Syrien
DPA

Schluckimpfung gegen Kinderlähmung: Ausbruch unter Kindern in Syrien


Genf - Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen Ausbruch von Poliomyelitis in Syrien bestätigt. Demnach haben sich Kinder im Nordosten des Landes mit der Infektionskrankheit angesteckt. "Von 22 Verdachtsfällen wurden zehn als Polio-Infektion bestätigt", sagte WHO-Sprecher Oliver Rosenbauer in Genf auf einer Pressekonferenz. Auf die Ergebnisse der zwölf weiteren Verdachtsfälle warte man noch.

Die meisten der Erkrankten seien Kinder unter zwei Jahren. Man gehe davon aus, dass diese Kinder nicht gegen die Viren geimpft worden seien, hieß es in Genf. "Es ist eine ansteckende Krankheit und durch die Mobilität der Bevölkerung kann sie leicht in andere Regionen gelangen", so Rosenbauer. Etwa 4000 Flüchtlinge fliehen täglich vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land in die benachbarten Staaten.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Polio-Ausrottungsprogramm der WHO (Global Polio Eradication Initiative) von den Verdachtsfällen in Syrien berichtet. Demnach habe es Berichte über Kinder mit akut aufgetretenen, schlaffen Lähmungen gegeben. Es handelt sich nach Angaben der WHO um den ersten Ausbruch der Kinderlähmung in Syrien seit 1999. "Als nächstes werden die Viren genetisch untersucht, um herauszufinden, woher sie kommen", sagte Rosenbauer.

Noch im April dieses Jahres hatte die WHO erklärt, sie wolle Polio bis 2018 weltweit ausrotten. "2012 gab es weltweit nur 223 registrierte Poliofälle, nach 650 Fällen 2011", sagte Steve Cochi von der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei der Vorstellung des Plans. "Bis heute gibt es weltweit nur 18 berichtete Poliofälle im Jahr 2013." Doch seither hat es mehrere regionale Ausbrüche etwa in Kenia, Südsudan, Somalia, Äthiopien und Kamerun gegeben.

Poliomyelitis wird von Viren ausgelöst, die im Zentralen Nervensystem zu bleibenden Lähmungen führen. Gegen die Krankheit gibt es eine wirksame Impfung: Während lange Zeit die Schluckimpfung mit abgeschwächten vermehrungsfähigen Viren durchgeführt wurde, soll weltweit so bald wie möglich eine Impfungen mit Totimpfstoffen eingesetzt werden.

hei/AP/Reuters

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